Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Weihnachtsgeschenk an die Bullen

Nach Stunden lustlosen Handels kam der Paukenschlag. Das DOE (Department of Energy) meldete für die USA den größten Ölbestandsrückgang zur Vorwoche seit acht Jahren. Solch eine Einladung lassen sich Bullen nicht entgehen. Sie trieben die Ölnotierungen wieder an ihre Höchststände heran. Dass die keine neuen Jahrestopps erreichten, lag am Kursanstieg des Dollars. Den Spekulanten fiel die Entscheidung zwischen Öl und Dollar als Ziel ihres Anlagevermögens angesichts der Stärke beider Alternativen schwer.

Die US-Währung profitiert von der Schwäche des Euros. Der leidet an der Uneinigkeit der Politik im Umgang mit der Schuldenproblematik der Gemeinschaftsstaaten. Diese Uneinigkeit kommt Verbraucher teuer zu stehen, weil sie Importpreise in die Höhe treibt. Der Exportwirtschaft ist sie dienlich, weil sie Verkaufspreise attraktiv gestaltet. Es ist durchaus vorstellbar, dass Angela Merkel nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Kalkül eine schlechte Figur in Europa macht. Denn damit dient sie der deutschen Industrie. Dass sie deren Interessen vor alle anderen politischen Belange stellt, hat sie mehrfach gezeigt. Die von neuen und alten Staatsgrößen häufig zitierte Meinung, dass uns Deutschen ein schwacher Euro weit mehr hilft als eine starke D-Mark, ist nur richtig, wenn man den Status Quo der Weltwirtschaft und des Weltfinanzsystems als erhaltenswert betrachtet. Solange das Finanzsystem hält, ist unsere Volkswirtschaft zahlenmäßig Profiteurin der Lage. Sollte das Finanzsystem crashen, werden wir die Folgen besonders stark spüren. Der Profit der guten Zeit kommt dem breiten Volk nur reduziert zugute. Das Gegenmodell zur aktuellen Politik mit der starken D-Mark wäre definitiv eine Bremse des Exports. Es böte aber die Chance, die Binnenwirtschaft anzukurbeln. Eine solche Politik ist für eine grundlegende Veränderung der Wirtschaftskreisläufe in Richtung Nachhaltigkeit und nationaler Einkommensgerechtigkeit von Vorteil. Damit sei nicht der Abkehr vom Europagedanken das Wort geredet. Es sei lediglich festgestellt, dass reflexartig formulierte Weisheiten zum Euro nicht den vollen Umfang ihrer Wirkung zu betrachten erlauben.

Die Ölnotierungen werden aller Voraussicht nach weiter steigen. Dass der Anstieg kein schneller Durchmarsch ist, liegt nicht allein an der Entscheidungsschwierigkeit zwischen Öl und Dollar. Er ist auch damit begründet, dass die Rohölnotierungen im Bereich von 90 Dollar pro Barrel für den Moment ein von Spekulanten akzeptiertes Ziel erreicht haben. Dieses Ziel zu durchbrechen, bedarf eines gewissen Vertrauensvorschusses in die Stabilität des Finanzsystems und der Finanzindustrie. Dieser den Übermut provozierende Vorschuss ist noch nicht vollständig eingekehrt. Die Wirtschaftszahlen der USA werden zwar seit einigen Wochen positiv kommentiert. Gleichwohl reißen sie in keiner Weise zu Übermut hin. Und auch die im Augenblick euphorisierenden US-Bestandsdaten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfrage relativ schwach ist. Zudem liegt das Niveau der Bestände immer noch weit über dem langjährigen Durchschnitt. DOE und API (American Petroleum Institute) gaben zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: -9,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 8,0 (DOE) bzw. ein Aufbau von 3,0 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 88 Prozent.

Heute Morgen zappeln die Ölnotierungen um das gestern erreichte Niveau. Gleiches gilt für den Dollar. Wohin die kurzfristige Bewegung führen wird, erschließt sich dem Beobachter noch nicht. Langfristig führt am Aufstieg der Ölpreise kaum ein Weg vorbei. Für den Dollar ist der Aufstieg eher unwahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet 755,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 88,09 Dollar und in London 91,67 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,55 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise erreichen pünktlich zu Weihnachten ein neues Jahreshoch. Vermutlich wird es nicht das letzte im nur noch kurzen Jahr sein. Preise unter diesem Hoch sind noch denkbar. Wir rechnen damit, dass diese in den nächsten Wochen eintreffen werden. Dass sich dabei das, was man als lohnenswerten Deal bezeichnet, ergeben wird, bezweifeln wir allerdings. Solange das Finanzsystem nicht wieder weltweit einzubrechen droht, ist die Hoffnung auf einen ordentlichen Preiseinbruch sehr wenig fundiert. Im Kern ist das Finanzsystem außerordentlich wackelig. Dennoch trauen wir ihm zu, noch über Jahre stehen zu bleiben. Deshalb erwarten wir einen langfristigen Anstieg der Heizölpreise. Der sollte allerdings moderater verlaufen als in der ersten Jahreshälfte 2008. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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