Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Weniger brächte mehr

Ein unerwartet hoher Anstieg der Rohölvorräte in den USA drückte auf die Preise. Gebracht hat es nichts. Denn der Einfluss einer möglichen Lieferkürzung der OPEC und die weitere Zinssenkung der chinesischen Zentralbank erwiesen sich als der stärkere Impulsgeber. Die Preise zogen bis Handelsschluss kontinuierlich an. Der Abwärtstrend bleibt intakt. Die gestrige Preisentwicklung geht als Gegenbewegung durch. Charttechnisch wird sie als ausgereizt angesehen. Allgemein werden weiter sinkende Preise erwartet. Angesichts des bereits aufgelaufenen Preisrückgangs erscheint uns der Übergang in einen Seitwärtstrend nahe liegend. Der Dollar hat diesen Übergang bereits vollzogen. Seit einem Monat pendelt er um ein konstantes Niveau von knapp 79 Eurocent. Aktuell befindet er sich unterhalb des Referenzwertes.

Die US-Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) weichen erneut stark voneinander ab. Börsianer bevorzugen in solchen Fällen die Erhebungen des DOE. Die brachten gestern Bären und Shortseller auf den Plan. Die weitere Preisentwicklung entpuppte sich allerdings als Falle für diese Zeitgenossen. Einige Shortys flohen mit Verlusten aus dem Markt. Die Bestandszahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +7,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 9,0 (DOE) bzw. 3,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind erheblich höher als in der Vorwoche und sogar höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 86 Prozent gestiegen. Offensichtlich haben einige Raffineure zusätzliche Kapazität angefahren, weil ihnen ihr Geschäft wieder Freude macht. Im Gegensatz zu den Förderern verdienten die Raffineure in den letzten Monaten eine Mörderkohle. Darüber hinaus sind ihre Gewinnaussichten trotz der Rezession gut. Denn das Beseitigen des Flachenhalses Verarbeitung in der Versorgungskette gerät wegen eben dieser Rezession ins Stocken. Von 160 weltweiten Projekten zur Erhöhung der Raffineriekapazitäten sind nur noch 30 Projekte aktiv. Der Rest ist den schlechten Konjunkturaussichten zum Opfer gefallen. Nach Lage der Dinge bleibt uns der Flaschenhals damit auf Dauer erhalten. Langfristig wird die Raffineriesituation bullisch auf die Preise wirken.

Die OPEC wird am kommenden Wochenende über die Liefermengen beraten. Sie wird dabei mit Russland kooperieren. Ziel ist es, den Ölpreis wieder anzuheben. Bereits im Vorfeld hat Norwegen strikt eine Kürzung abgelehnt. Diese wird dezidiert vom OPEC-Staat Venezuela gefordert. Die Handlungsfreiheit der Lieferländer ist extrem eingeschränkt. Einerseits laufen sie Gefahr bei einer spürbaren Kürzung den weiteren Verfall der Weltwirtschaft zu provozieren und damit den Verfall der Ölpreise fortzusetzen. Andererseits verschärfen sie das Erlösproblem ihrer Staatshaushalte durch eine Reduzierung der Mengen. Am 1. November trat die bereits zuvor beschlossene Kürzung in Kraft. Über deren Einhaltung ist noch nichts bekannt. Im Oktober förderten die OPEC-Lieferanten ohne den Irak noch 6,5 Prozent mehr Öl als es die Novemberquote erlaubt. Der Irak ist nicht in die Quotenregelung eingebunden. Das ist ein Relikt aus der Zeit des „Öl gegen Lebensmittelprogramms“ der Saddam Hussein Ära.

Preisauftrieb als Folge von Antikrisenprogrammen wie zuletzt durch die chinesische Leitzinssenkung geschehen wird es in den kommenden Wochen und Monaten noch häufiger geben. Nachhaltig war bisher keine dieser Preisbewegungen. Das wird, solange die Weltwirtschaft abschwingt, auch nicht zu erwarten sein. Das Problem der bisherigen Krisenprogramme liegt aus unserer Sicht in ihrem Mangel an visionärer Kraft. Ihre Intention ist die Wiederherstellung der zuletzt gültigen Wirtschaftsdoktrin mit Konsum um des Konsums willen und bei Akzeptanz steigender Wohlstandsunterschiede. Damit bleibt unberücksichtigt, dass die Erde nur über endliche Ressourcen verfügt und dass eine florierende Wirtschaft die Erhöhung ihrer Teilnehmerzahl verlangt, zumindest nach klassischer Denkweise. Letzteres lässt sich nur über „Wohlstand für alle“ erreichen. Solange die Hilfsprogramme den erforderlichen Paradigmenwechsel nicht widerspiegeln, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach unwirksam bleiben.

Wirksam wird, so wie es heute Morgen aussieht, auch nicht der gestrige Preisanstieg bleiben. Die Notierungen geben nach. Die Tonne Gasöl kostet 534 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 52,76 Dollar.

Unsere Heizölpreise haben ein vorläufiges Tief hinter sich gelassen. Wir vermuten, dass sie in den nächsten Tagen seitwärts tendieren werden. Die Binnennachfrage ist wegen der tieferen Temperaturen wieder angestiegen. Damit verlängern sich die Lieferzeiten vielerorts abermals. In einigen Regionen werden heute abgegebene Aufträge erst im nächsten Jahr ausgeliefert. In diesen Fällen ist die ab 1.1.09. gültige Steuererhöhung von 1,5 Cent netto bzw. 1,8 Cent brutto im genannten Preis enthalten. Ziel der bereits vor zwei Jahren initiierten Steuererhöhung ist es, den Gebrauch von schwefelarmen Heizöl zu stärken. Denn das ist nicht von der Erhöhung betroffen. Gute Idee, schlechte Ausführung muss man kommentieren. Da schwefelarmes Heizöl zwischen 3 und 8 Cent teurer ist als Heizöl Extraleicht (Normalware), ist der Malus ungenügend, um einen Wechsel zu Schwefelarm zu bewirken. Es hätte eines zusätzlichen Bonus bedurft. Dem vorliegenden Konzept haftet der Verdacht an, dass der Staat lediglich eine zusätzliche Einnahmequelle gesucht und gefunden hat. Wie jede Preissteigerung wird auch diese am besten mit der Reduzierung des Verbrauchs beantwortet. Schauen Sie sich dazu mal unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

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