Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Wer zu spät kauft, den bestraft der Preis

Am Freitag setzte sich die Preisrallye am Ölmarkt fort. Sie betraf alle Produkte. Heizöl konnte sich den Auftriebskräften nicht mehr entziehen. Der seit zwei Monaten seitwärts verlaufende Trendkanal wurde endgültig verlassen. Die angespannte geopolitische Lage und die extreme Kälte in Europa wirken sehr stark bullisch. Dem Effekt stehen keine relevanten preisdämpfenden Umstände gegenüber. Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend mit einem neuen Schub fort.

Den größten Einfluss auf die Ölpreise hat z.Z. der Atomstreit mit dem Iran. Analysten und Politiker gehen zwar von einer Verhandlungslösung zur Beilegung des Interessenkonflikts aus. Auf politischer Bühne wird momentan allerdings ein Eskalationskurs gefahren. Der sorgt für Verunsicherung. Diese wird klassischerweise mit steigenden Ölpreisen beantwortet. Der Iran ist das älteste und traditionsreichste Ölland des Nahen Ostens. Zweimal verursachte das Land bereits einen weltweiten Ölpreisschock. 1952 wurde die Ölindustrie von Mossadegh verstaatlicht. In der Folge sank die Ölproduktion von 0,6 Mio. Barrel pro Tag auf 0,02 Mio. Barrel pro Tag. Nachdem der Schah 1954 zurückgekehrt war, stieg die Förderung auf bis zu 6 Mio. Barrel pro Tag an. Nach der iranischen Revolution 1979 und während des Iran-Irak-Kriegs ging die Produktion auf 1,5 Mio. Barrel pro Tag zurück. Damals wurden die nach heutigem Geldwert höchsten Ölpreise der Geschichte mit über 80 Dollar pro Barrel erreicht. Eine wirkliche Ölknappheit gab es nie, weil die Fehlmengen des Irans durch Ölströme aus anderen Ländern kompensiert werden konnten. Die kurzzeitig heiß gelaufenen Preise wurden damit bald wieder auf ein normales Niveau zurückgeholt. Heute liefert der Iran rund 4 Mio. Barrel Rohöl täglich. Ein Ausfall eines Teils oder sogar der ganzen Menge kann nach derzeitiger Erkenntnis nicht ausgeglichen werden, weil anders als vor 25 und vor 54 Jahren keine nennenswerten Reservekapazitäten anderer Länder zur Verfügung stehen. Einem Preisanstieg durch Kappen der iranischen Liefermengen kann nur durch Wiederinbetriebnahme der selben Mengen entgegengewirkt werden. Wenn eine Weltwirtschaftkrise wegen explodierender Ölpreise vermieden werden soll, muss man sich mit dem Iran einigen.

Der Iran verfügt über die viertgrößten Ölreserven der Welt. Damit wird das Land an Einfluss bei der Ölversorgung gewinnen. Es verfügt zudem über die zweitgrößten Gasvorkommen der Welt. Dieser Umstand macht es zu einem unverzichtbaren Schwergewicht der weltweiten Energieversorgung. In den letzten Jahren galt das öffentliche Interesse dem Öl und der Ölpreissteigerung. Die nicht minder schnell wachsende Problematik der Gasversorgung stand im Schatten des Öls. Es ist zu erwarten, dass sich die Verhältnisse in der öffentlichen Diskussion bald umkehren. Die Gasversorgung wird vermutlich weit problematischer werden als die Ölversorgung, zumal Substitutionen durch Bioprodukte nicht so naheliegend und technisch nicht so weit fortgeschritten sind wie beim Öl. Die Vorgänge zwischen der Ukraine und Russland vor einigen Wochen und nun zwischen Georgien und Russland, wo die Gasversorgungspipeline aus mysteriösen Gründen zerstört wurde, zeigen, wie verwundbar eine leitungsgeführte Gasversorgung ist. Die extreme Kälte zwingt Russland zudem zur Drosselung der Gaslieferungen. Derzeit sind Italien, Großbritannien und einige osteuropäische Länder davon betroffen.

In Zukunft wird die Stormversorgung deutlich höhere Gasmengen fordern, weil Kraftwerke auf Gas umgestellt werden. Gas galt bisher als das geringste Übel der Energieversorgung aus Nichtregenerativer Quelle mit der größten Zuverlässigkeit. Heute merken wir, dass diese Sicht falsch ist. Und wir merken, dass es keine einseitige Preisabhängigkeit des Gases vom Öl auf Grund der vertraglichen Preisbindung gibt. Gas kann und wird zunehmend den Ölpreis mitbestimmen, weil es ein nicht minder knappes Gut ist. Energiepreise werden in gegenseitiger Wechselbeziehung gebildet. Auf Gasmangel reagiert die Ölbörse genauso wie auf Ölmangel.

Derzeit gibt es ein deutliches Übergewicht an bullischen Erkenntnissen und Meldungen. Daher ist die Chance auf fallende Ölpreise kurzfristig gegen Null gehend. Eher ist davon auszugehend, dass in Kürze neue Höchstpreise über 70 Dollar gemeldet werden. Eine der bullischen Notizen kommt vom Ölanalysten Petroleum Intelligence Weekly (PIW). Sie bezieht sich auf die Ölreserven Kuwaits. Nach offiziellen Angaben sollen sie 100 Mrd. Barrel betragen. Das entspricht ca. 10 Prozent der Weltölreserven. Nach dem Studium interner kuwaitischer Unterlagen kam PIW zu der Erkenntnis, dass die nachgewiesenen Reserven des Landes lediglich 24 Mrd. Barrel betragen.

Heute Morgen gibt der Ölpreis nach. Dieser Umstand wird eher einer charttechnischen Gegenreaktion auf den erheblichen Anstieg der letzen Tage zurückgeführt als auf eine mögliche Entspannung am Ölmarkt. Die Tonne Gasöl kostet 554 $ zum Wochenstart nach 563 $ zum Wochenende.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Sie haben das seitwärts gerichtete Band der letzten zweieinhalb Monate verlassen. Zwar ist die Nachfrage im Inland zurückhaltend und die Vorratslage der öffentlichen Lager gut. Die unsichere politische Lage in und um wichtige Lieferländer und die tiefen Temperaturen in weiten Teilen Europas werden aber für anhaltenden Preisauftrieb sorgen. Zum Frühjahr kommen dann wieder die knappen Raffineriekapazitäten ins Spiel, die gegenwärtig nicht diskutiert werden. Die Chance für einen spürbaren Preisrückgang sehen wir nicht. Auf bessere Zeiten zu warten und einen Leerstand zu riskieren, kann im Prinzip nur teurer werden.

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