Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Wetten das ...

Spekulanten haben wieder ein Thema, das sie in den Ölmarkt lockt. Der Hurrikan Gustav könnte Ölanlagen im Golf von Mexiko demolieren. Mit Sicherheit wird er für eine Einschränkung der Produktion sorgen, denn mindestens eine Förderplattformen wird vorsorglich evakuiert. So war Gustav gestern erneut der bullische Impulsgeber für die Preisbildung. Fundamental ist die Lage eher bärisch, weil die Nachfrage als Folge der Konjunktureintrübung deutlich geringer wächst als bisher angenommen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass sie sinken wird. Normalerweise werden die Preise mittwochs von den US-Bestandsdaten bewegt. Das war gestern nicht der Fall. Die Daten waren belanglos. Der Dollar konnte seinen Höhenflug nicht fortsetzen. Er verlor an Wert.

Das mögliche Horrorszenario, das Gustav auslösen könnte, müsste kaum vorstellbare Dimensionen annehmen, um die US-Versorgung ernsthaft zu gefährden. Denn dem Land fehlt es seit Monaten nicht mehr an Öl. Es fehlt an Nachfrage. Die sinkt als Folge der gestiegenen Preise und der konjunkturellen Flaute kontinuierlich. So wurde der Rohölverbrauch im April mit einem Minus von 3,9 Prozent zum Vorjahr angegeben. Im Juni steht ein Minus von 5,7 Prozent. Bei den Produkten fällt die Beschleunigung des Nachfragerückgangs ähnlich aus. Da das Land prinzipiell auf höhere Verbräuche eingestellt ist, hat es mittlerweile Reservekapazitäten. Somit kann eine Delle in der Versorgung, die Gustav eventuell bewirken wird, ohne besondere Anstrengungen ausgeglichen werden. Für den Ölmarkt stellt der Hurrikan kaum eine fundamentale Gefahr dar. Er beflügelt lediglich die Spekulanten. Die nutzen die Gunst der Stunde, um die Charttechnik in ihrem Sinn zu frisieren. Es sieht so aus, als werde der Abwärtstrend der Preise nun doch beendet.

Gustav kommt relativ schnell. Noch schneller geht er wieder. Und was kommt dann? Dann ist der Blick wieder auf die Wirtschaftsentwicklung gerichtet. Für die USA und Europa herrscht wenig Optimismus. Man geht davon aus, dass die Nachfrage in beiden Regionen weiter sinken wird. Die spannende Frage ist, was mit China wird? Nachdem die Ablenkung durch die Olympischen Spiel ad acta gelegt ist, werden sich die Datensammler wieder auf das wahre Leben konzentrieren. Und das könnte Überraschungen bieten, die vom bisherigen Bild abweichen. Wenn die Nachfrageentwicklung Chinas nicht ausreicht, um die sinkende Nachfrage andernorts zu kompensieren, kommt es zum Rückgang der Weltölnachfrage. Dass das Szenario ohne weiteren Ölpreisrückgang aufgenommen werden würde, ist schwer vorstellbar.

Die OPEC würde einen Ölpreisrückgang zu verhindern suchen. Lieferkürzungen wären unausweichlich. Die waren in der Vergangenheit wenig erfolgreich. In den Verbraucherländern und an den Börsen gab es allerdings auch kein ausgeprägtes Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressource Öl. Das ist mittlerweile anders. Weil es nicht mehr selbstverständlich ist, das Öl in beliebigen Mengen zu geringen Kosten aus dem Boden fließt, darf man spekulieren, dass OPEC-Maßnahmen mehr Einfluss auf die Preisbildung haben werden. Die wachsende Abhängigkeit der Industrieländer von OPEC-Öl wird sich in der Preisbildung niederschlagen. Ändern kann man das nur durch einen Paradigmenwechsel im Verständnis des Marktmechanismus.

Heute schauen wir, wenn wir über Energie reden, fast ausschließlich auf die Angebotsseite. Auf dieser Seite haben wir, die Industrieländer, äußerst beschränkte Möglichkeit der Veränderung. Auf der Nachfrageseite steht uns hingegen eine Welt offen. Die können wir revolutionieren, durch Technik und durch Gesellschaftswandel. Mit der Veränderung der Nachfrageseite stünde uns in Zukunft ein Hebel für die Preisentwicklung zur Verfügung, der mit dem der OPEC-Länder vergleichbar ist.

Zurück in die Gegenwart. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) haben gestern erneut ein weites Band der möglichen Realität abgesteckt. Ihre Zahlen über die US-Vorratsentwicklung lauten wie folgt:

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,3 (DOE) bzw. 4,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf unspektakuläre 86 Prozent gestiegen. Die API-Zahlen werden bei großer Different zu den DOE-Angaben traditionell ignoriert. Das war auch gestern der Fall. Die DOE-Zahlen zeigen kaum Veränderung zur Vorwoche. Also wurden auch die für die Preisbildung ignoriert.

Heute Morgen setzt sich die Tendenz zu steigenden Preisen fort. Die Tonne Gasöl kostet 1.050,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York mit 119,25 Dollar gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Der Weltölmarkt treibt sie. Der Dollar stellt eine ungenügende Gegenposition dar. Die Preise beginnen sich aus dem Seitwärtskurs zu lösen. Wir erwarten zwar keine rasante Preissteigerung. Aber um Aufwärts kommt man bis zum Ende der Hurrikangefahr in den USA wohl nicht herum. Die beste Möglichkeit, sich vor steigenden Energiekosten zu schützen, bleibt die Senkung des Verbrauchs. Das ist ein langfristiges Thema, das nicht ohne Investitionen zu haben ist. Damit man weiß, worüber man beim eigenen Haus redet, bieten wir esytrol als Hilfe an. Das ist ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der Welt.

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