Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Wettstreit um das schlechtere Image

An der Tankstelle wird der Ölpreis ernst. Dort werden Kriege um wenige Cents geführt. Das soll nicht davon ablenken, dass andernorts auf dieser Welt auch Kriege um Öl geführt werden. Ernst und grausam sind die allemal. Unseres Volkes Seele vermögen diese Kriege aber nicht so zu treffen wie die Schlacht um die Spritpreise. Volksvertreter nehmen den Dauerkampf auf sich, um im Namen der Vertretenen für Gerechtigkeit auf knapp 15.000 Zapfplätzen zu streiten. Und wie das bei Kriegen so üblich ist, wird dabei schamlos vernebelt, gelogen und betrogen. Das fängt mit den Besitzverhältnissen um die Zapfplätze an. Entgegen billigend in Kauf genommener Desinformation befindet sich nur ein Minderheitsteil in der Hand des Gegners. Gegner ist, das versteht sich von selbst, die gierige Mineralölindustrie. Vernebelung, Lug und Betrug setzt sich in der Benennung der relevanten Einflussnahme auf die Preise fort. Die liegt bei Benzin zu mehr als 50 Prozent in den Händen der um Gerechtigkeit streitenden Volksvertreter. Bei Diesel ist der Anteil etwas geringer. Des „Gegners“ Informationspolitik ist nicht besser. Er bevorzugt das unbeobachtete Agieren. Am vorausschauenden Planen lässt er die Öffentlichkeit nicht teilhaben. So werden beispielsweise vorhersehbare Engpässe auf Grund von Raffinerierevisionen nicht angekündigt.

Unter dem Titel Mineralölindustrie werden viele Marktteilnehmer subsumiert. Kaum einer der deutschen Teilnehmer würde noch als Gegner bezeichnet werden, wenn man sein Geschäft eingehend betrachtete. Am Markt findet man hierzulande nur Unternehmen, die sich mit der Downstream-Seite des Ölgeschäfts beschäftigen. Dabei handelt es sich um Transport, Raffinierung und Vertrieb. All diese Bereiche sind nicht geeignet, um damit das große Geld zu verdienen. Raffinerien müssen außer Dienst gestellt werden, weil ihnen andernfalls sogar Verluste drohen. Tankstellenbetreiber sind derzeit froh, dass sie im Gegensatz zu den letzten Jahren wieder betriebswirtschaftlich vernünftige Gewinne schreiben. Das kann sich jederzeit ändern. Insgesamt ist der deutsche Markt einer der am härtesten umkämpften in Europa. Internationale Gesellschaften, die hier ein gutes Geschäft wähnten, zogen sich teilweise geschockt von den extrem niedrigen oder gar nicht vorhandenen Gewinnmargen wieder zurück. Im Heizölgeschäft ist die Lage keineswegs besser. Viele Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass hierzulande immer weniger Öl verbraucht wird. Der Markt schrumpft. Die Anbieter schrumpfen langsamer. Das schafft Preisdruck.

Um zu verstehen, warum die Preise dennoch steigen, muss man Upstream schauen. Dort wird Öl gefördert. Hieran haben deutsche Unternehmen einen im internationalen Rahmen unbedeutenden Anteil. Die Namen dieser Firmen findet man nicht im Downstream-Bereich. Das große Rad wird außerhalb der Einflusssphäre deutscher Politik gedreht. 80 Prozent dieses Rades bestimmen Staatsunternehmen des Nahen Ostens, Südamerikas, Russlands und Chinas. Die Preise werden zudem maßgeblich durch die internationale Finanzszene beeinflusst. Sie entstehen in einer Gemengelage aus Endlichkeit irdischer Ressourcen, immer teurerer Förderung und dem spekulativen Finanzspiel um absehbare Knappheit.

Die Umstände der Teuerung geben die am Tankstellenkampf beteiligten Parteien samt ihrer Scheingefechte der Lächerlichkeit preis. Nun gewinnt dieser Kampf sogar noch an Schärfe, indem der Informationsfluss von der deutschen Ölindustrie zur deutschen Politik reduziert wird. Dieser Fluss betrifft Informationen über die Downstream-Geschäfte an das Bundeswirtschaftsministerium. Dort hat man auf Basis dieser Informationen sehr guten Einblick in die Geschäftslage der Unternehmen. Herr Brüderle könnte sich von seinen Leuten durchaus eines Besseren belehren lassen, wenn er die deutsche Mineralölindustrie der Preistreiberei bezichtigt. Mag sein, dass der Unmut über die Politik das Motiv zur Einstellung des Informationsflusses ist. Aufgenommen wurde dieser Fluss 1973 als Reaktion auf die erste Ölkrise. Damals betrachteten die Parteien es als gemeinsame Aufgabe, faire Marktverhältnisse zu schaffen. Die Industrie sorgte deshalb freiwillig für Transparenz durch eine offene Informationskultur. Die hätte es nötig, ausgebaut zu werden. Das wäre nicht zuletzt im Interesse der um öffentliches Ansehen ringenden Ölindustrie. Indem nun weniger statt mehr Information fließt, wird das Ansehen nicht besser werden. Allenfalls wird der Riss zwischen Politik und Ölindustrie größer. Es wird sich noch trefflicher kämpfen lassen. Wohlgemerkt, hier kämpfen zwei Parteien, die sich in Sachen Vernebeln, Lügen und Betrügen nichts nehmen.

Vollkommen unabhängig von den Vorgängen vor unserer Haustür wird auf internationalem Parkett ebenfalls vernebelt und betrogen. Dabei entstehen bisweilen merkwürdige Preiskapriolen. Die betreffen derzeit besonders die Differenz zwischen Rohöl amerikanischer und europäischer Provenienz. Auch wenn die Preise zuletzt etwas nachgaben, zeigt die erwartungsgemäße Richtung aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 861,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,38 Dollar und in London zu 99,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,52 Eurocent.

Unsere Heizölpreise gaben ein wenig nach. Gestern waren die Ölnotierungen dafür ursächlich. Etwas mehr Abgang ist aus charttechnischer Sicht noch drin. Insgesamt wird der abwärts gerichtete Teil der Preisbewegung aber keinen großen Einspareffekt bringen. Angesichts der guten Stimmung über die weltweite Konjunktur und die damit verbundene Erwartung zur Entwicklung der Ölnachfrage wird der Aufwärtstrend der Preise kaum aus den Angeln gerissen werden. Damit ist klar, wohin die Heizölpreise laufen. Kleine Rückschläge müssen als Kaufgrund ausreichen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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