Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Wider die Vernunft

Da haben wir uns gründlich geirrt. Eine Woche lang quälten sich die Preise mit einer Richtungsänderung herum, die der wirtschaftlichen Lage angemessen wäre. Den Aufwärtstrend sahen wir gestern schließlich als geschlagen an. Doch kaum war die Einschätzung formuliert, schossen die Kurse wie Phönix aus der Asche empor. Binnen 24 Stunden legten die Rohölpreise um zehn Prozent zu. Gasöl und Heizöl traf es nicht ganz so stark. Und beim Dollar, der üblicherweise das Gegenstück zu solchen Kapriolen bildet, tat sich so gut wie gar nichts.

Eine schwache Begründung findet die Preisexplosion mit den Unruhen in Nigeria. Verursacht durch Rebellenangriffe sieht sich die Shell gezwungen ihre Produktion einzustellen. Damit fehlen dem Markt zusätzlich zum ohnehin reduzierten Ausstoß des Landes weitere 0,7 Mio. Barrel pro Tag. Die reine Zahl klingt bullisch, wenn man die gesamte Marktlage außer Acht lässt. Die ist von einer latenten Nachfrageschwäche relativ zu den bis vor einem Jahr gültigen Perspektiven geprägt. Diese Schwäche wurde gestern erneut durch eine langfristige Prognose der IEA (Internationale Energieagentur) bestätigt. Mit angepassten Wachstumsraten für die Jahre 2010 bis 2014 wird der Ölbedarf auf knapp 88 Mio. Barrel pro Tag steigen. Das sind über 6 Mio. Barrel weniger als vor einem Jahr prognostiziert wurde. Auf über 6 Mio. Barrel pro Tag ist denn auch die Produktionsreserve der OPEC-Staaten angewachsen. Vor diesem Hintergrund sind die fehlenden Mengen aus Nigeria vernachlässigbar klein. Unter Angebots- Nachfrageaspekten wäre eine bärische Einstellung des Marktes definitiv geboten. Für die gestrige Preisbewegung gibt es bei Licht betrachtet keinen fundamentalen Grund. Sie geht einzig auf das Konto spekulativ eingestellter Spieler.

Eine Gesamtsicht der fundamentalen Marktlage liest sich aktuell wie folgt: Die nachgewiesenen Ölreserven (nicht zu verwechseln mit den aktuellen Produktionsreserven) sind im vergangenen Jahr leicht um 0,2 Prozent gesunken. Negative Veränderung in dieser Höhe sind unbedeutend. Sie traten auch früher schon mal auf. Zusammen mit den kanadischen Ölsänden reicht das nachgewiesene Öl bei unveränderter Nachfrage für rund 46 Jahre. Daraus den Schluss abzuleiten, dass danach Schluss mit der Ölproduktion sei, ist verkehrt. Die nachgewiesenen Ölreserven werden fortentwickelt. Das heißt nicht, dass eine beliebig wachsende Ölnachfrage angemessen befriedigt werden könnte. Die Menschheit konsumiert langfristig am Rande der möglichen Förderung oder anders ausgedrückt, die lebt über ihren Verhältnissen. Eine Konsumentspannung würde sich auf die Preise und die Atmosphäre positiv auswirken, wenn man die Entwicklung nicht durch die Brille eines Börsenzockers sieht.

Die Ölproduktion ist im letzten Jahr trotz Krise gewachsen. Dieser Umstand geht auf das erste Halbjahr zurück, in dem der Bedarf zu explodieren schien und unter großen Anstrengungen bedient wurde. Eine nennenswerte Produktionssteigerung kam einzig aus dem Nahen Osten. Nordamerika, Europa und sogar Afrika mussten rückläufige Produktionsentwicklungen hinnehmen. Unter den großen Förderländern zeichneten sich der Irak und Katar mit einer Steigerung von 13 Prozent aus. Emporkömmling unter den Folgerländern ist Kolumbien mit einer Erhöhung von über zehn Prozent. Besonders hohe Einbrüche gab es in Nigeria und Großbritannien.

Der Verbrauch sank in 2008 krisenbedingt um 0,6 Prozent. Besonders stark fiel das Minus in den OECD-Ländern aus. Als Regionen sind Nordamerika und der Nahe Osten mit einem Einbruch und einem Wachstum von jeweils mehr als fünf Prozent erwähnenswert. Die USA sind nach wie vor der größte Verbraucher weltweit mit einem Anteil von 22,5 Prozent gefolgt von China mit einem Anteil von 9,6 Prozent. Deutschland ist der sechst größte Verbraucher mit einem Anteil von 3,0 Prozent der Weltölnachfrage. Bemerkenswert ist das Nachfragewachstum Deutschlands von 4,9 Prozent. Das ist kein Indikator für Krisenfestigkeit. Es ist Zeugnis der Dramatik unseres Heizölmarkts. Nachdem die Nachfrage im Jahr zuvor als Folge eines Käuferstreiks wegen zu hoher Preise exorbitant eingebrochen war, stieg sie im letzten Jahr überproportional stark an, weil die Tanks dringend gefüllt werden mussten. Im Boomjahr 2007 gab die Binnennachfrage insgesamt um 9,0 Prozent nach.

Das Zahlenmaterial für die Marktbeschreibung stammt aus dem aktuellen Statistical Review of World Energy der BP. Erwähnenswert ist noch, dass die weltweite Nachfrage in diesem Jahr stärker sinken soll als im Vorjahr. Die IEA nennt einen Wert von -2,9 Prozent.

Dessen ungeachtet geht die Ölpreisrallye heute Morgen weiter. Lediglich zu den nächtlichen Spitzenwerten ist etwas Entspannung zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet 574 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,43 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,92 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen naturgemäß an. Sie können sich dem Zwang des Weltmarkts nicht widersetzen. Die gestern in Aussicht gestellte Entspannung der Preise ist nach den letzten 24 Stunden höchst zweifelhaft. Es bleibt – bestenfalls - bei der Seitwärtsbewegung. Zwar halten wir ein Nachbeben zum großen Preisabsturz mit einer erneuten Abwärtskorrektur der Preise weiterhin für möglich und sogar nahe liegend. Die spekulationsgetriebene Realität zeigt uns bisher allerdings etwas anderes. Das haben wir zur Kenntnis zu nehmen und hier vorzutragen. Es ist immer wieder sinnvoll, auf die oft zitierte Weisheit hinzuweisen, nach der das eigene Handeln den Verbrauch und damit die Kosten für Wärme am zuverlässigsten beeinflusst. Nehmen Sie doch mal Ihr Haus mit unserem Logbuch für den Heizölverbrauch unter die Lupe.

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