Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Widerspruch hat Hochkonjunktur

Die OPEC produziert zu viel Öl. Das sollte Verbraucher freuen, denn es dämpft den Ölpreis. Die Dämpfung spüren sie allerdings kaum. Gefühlt ist Öl teuer. Deshalb kommt keine Freude auf. Bei Rafael Ramirez kommt Ärger auf. Er ist sicher auch Verbraucher. Aber in erster Linie ist er Ölminister im Staate Venezuela. Ramirez wirft seinen Kollegen aus den Golfstaaten vor, durch panische Produktionssteigerungen ein Überangebot verursacht zu haben. Sie schauten mehr auf die Bedürfnisse der Verbraucher als auf ihre eigenen Interessen. Das sei nicht mit der Mission der OPEC vereinbar. Sie ist eine Erzeugervereinigung. Ihre Aufgabe sei es, die Ölpreise auf stabilem Wachstumskurs zu halten. Ramirez muss das so sagen, weil sein Chef, Hugo Chavez, vor den im Herbst stattfindenden Präsidentschaftswahlen wieder große Wohltätigkeitsprogramme für das Volk auflegen will, die finanziert werden müssen. Trotz der hohen Ölpreise ist das Geld in den meisten ölreichen Ländern knapp. Einerseits klappt die Umverteilung nicht ordentlich. Andererseits sind die Sozialausgaben, die für das Stillhalten rasant wachsender Bevölkerungen ohne wirtschaftliche Perspektive aufgebracht werden müssen, tatsächlich unsäglich teuer. Insofern kann Öl aus Sicht vieler OPEC-Staaten gar nicht teuer genug sein.

Wenn es zu teuer wird, droht die Gefahr eines globalen Wirtschaftskollaps oder einer schnellen Abkehr der Industriestaaten vom Ölkonsum. Dann wären die schönen Öleinkommen weg. Das fürchten die OPEC-Leute. Deshalb bemühen sie sich um Moderation der Interessen. Sie leben im gleichen Widerspruch wie die gesamte globale Wachstumsgemeinschaft. Alle brauchen heute mehr Geld, um das Morgen zu finanzieren. Damit das Morgen morgen finanzierbar ist, brauchen alle Wachstum. Für die einen heißt das Ölmengen- oder Ölpreiswachstum. Für die anderen heißt das Konsumwachstum. Das Ölmengenwachstum ist angesichts endlicher Ressourcen ausgeschlossen. So bleibt im Prinzip nur das Ölpreiswachstum. Das treibt entweder den Schuldenberg der Konsumgesellschaften weiter in die Höhe mit der Konsequenz, noch mehr Wachstum zu ihrer Finanzierung aufbringen zu müssen, oder es schnürt das Konsumwachstum gleich ein. Es wird Zeit, einen Weg zu finden, der aus dem Widerspruch herausführt.

Derzeit sind die weltweit verteilten Lager gut mit Rohöl gefüllt. Die populärste Teilinformation zum Thema kommt Woche für Woche aus den USA. Hier veröffentlichen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), eine staatliche und eine private Institution, Daten über die Vorräte. Für die Veränderungen der abgelaufenen Woche geben sie Folgendes zu Protokoll:

Rohöl: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,8 (DOE) bzw. 1,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 85 Prozent. Die Gesamtbestände liegen auf Vorjahresniveau. US-Öl- und Benzinverbrauch sinken. Letzter liegt aktuell 6,8 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Ölproduzenten brauchen sich mittelfristig dennoch keine Sorgen um ihre Einnahmen zu machen. Es gibt reichlich Interessenten auf der Erde, die den rückläufigen US-Ölkonsum durch ihr Konsumwachstum überkompensieren.

Heute Morgen setzt sich der relativ impulslose Handel der letzten Tage fort. Finanzjongleuren fehlen extreme Nachrichten wie drohende Kriege, Umweltkatastrophen oder Gesellschaftspleiten. Sie müssen sich mit der Tatsache eines momentan sehr gut versorgten Markts arrangieren. Dabei tendieren die Ölnotierungen zu langsamen Wertverlusten. Im Tagesgeschehen können sie bisweilen dennoch steigen. Die Tonne Gasöl kostet 1.005,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,71 Dollar und in London zu 118,42 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,27 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Die Bewegung vollzieht sich in einem moderaten Abwärtstrend. Sie wird durch eine aufwärts strebende Welle gestört. Der Trend sollte in den nächsten Wochen erhalten bleiben, so dass schwache Preisrückgänge zu erwarten wären. Die schärfste Gefahr für eine unfreundliche Preisorientierung sehen wir aktuell durch das erneute Aufflammen der Eurokrise heraufziehen. Längerfristig dürfte der iranisch-israelische Atomstreit wieder mit unangenehmen Preiseinflüssen auf die Agenda zurückkehren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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