Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Wie im letzten Jahr und doch anders

Solange sie sprechen, schießen sie nicht. So lautete die Devise der Finanzjongleure zum Atomstreit mit dem Iran vor einem Jahr. Die zuvor unter dem Druck der Ereignisse gestiegenen Ölnotierungen begannen eine drei Monate dauernde Korrektur nach unten. In diesem Jahr könnte es ähnlich laufen. Die Befindlichkeiten zu den Verhandlungen mit dem Iran erfordern allerdings eine Korrektur der Devise. Nun gilt: Sie wollen nicht schießen, also sprechen sie.

Der Iran wird sich nicht von seinen Atomvorhaben abbringen lassen. Der Westen wird die Lage aber entspannter interpretieren. Das ist eine gute Voraussetzung, um die Aufmerksamkeit auf den physischen Markt zu lenken. Davon profitieren Verbraucher. Denn sie können sich nicht nur einer ordentlichen Menge Öls sicher sein, sie können sich vor allen Dingen auf die Reaktion der Finanzszene freuen. Dort geraten die Bullen mächtig unter Druck, weil ihnen die Begründung für ihre Marktsicht abhanden kommt. Die Longkontrakte in ihren Depots, das sind Papiere auf steigende Ölpreise, entpuppen sich als schlechte Titel. Ein Ausverkauf liegt nahe. Der hat bereits eingesetzt und die Notierungen in den letzten Tagen kräftig sinken lassen.

Datensammler begleiten die Angelegenheit mit angenehmen Tönen. Das fängt bei durchwachsenen Wirtschaftszahlen an, setzt sich in nicht vorhandenen Mehrheitsverhältnissen der italienischen Politik fort und endet in einer Neubeschreibung US-amerikanischer Ölverhältnisse. Die EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums) stellt fest, dass der Ölverbrauch auf ein 16-Jahres-Tief gefallen und die Ölproduktion auf ein 17-Jahres-Hoch gestiegen ist. Der Rückgang des Benzinverbrauchs hinkt ein wenig hinterher. Er steht auf einem 11-Jahres-Tief. Aus der vor Kurzem noch virulenten Peak Oil Debatte (erreichtes Fördermaximum) entwickelt sich eine Peak Consumption Tatsache. US-Verbraucher wollen oder können ihren alten Idealen vom unbegrenzten Konsum nicht mehr folgen. Das hat Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt. Die Öl-Importe der USA sind auf ein 15-Jahres-Tief gefallen. Damit steht mehr Öl für andere Abnehmer in der Welt zur Verfügung.

Die Ölpreise sollten also kräftig nachgeben. Es gibt derzeit ein einziges, aber gewichtiges Hemmnis dazu. Die US-Notenbank FED flutet den Markt weiterhin mit Geld. Sie ist nicht gewillt, an einen Sinneswandel in der Gesellschaft zu glauben. Sie will Konsum mit der einzigen Möglichkeit, die sie hat, der Geldpolitik, erzwingen. Die frischen Scheine, eigentlich sind es nur Zahlen auf irgendwelchen Konten, landen aber nicht im Realmarkt, sondern in der Finanzszene. Dort werden sie für Spiele benutzt, die für das Gros der Bürger kurzfristig misslich, langfristig verunsichernd weil inflationär und am Ende sogar weltumspannend gefährlich sind.

Aus dem Realmarkt meldeten die Datensammler gestern auch noch die Lage der US-Ölbestände. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) kamen zwar mit unterschiedlichen Zahlen zum Heizölvorrat heraus. Die konnten aber nicht verhindern, dass die Informationen bärisch einschlugen. Im Kleingedruckten wurde mitgeteilt, dass sich die partiellen Engpässe an der Ostküste als Folge des Sturms Sandy auflösen. Das wog schwerer als der leichte Gesamtrückgang in der letzten Woche. So sieht es im Einzelnen aus:

Rohöl: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,2 (DOE) bzw. 2,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 85 Prozent. Das ist immer noch gering, aber mehr als genug für die schwache US-Binnennachfrage.

Heute Morgen schwingen die Notierungen an den Ölbörsen munter auf und ab. Ein weiterer Rückgang liegt in der Luft. Für die Tonne Gasöl werden 940 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,50 Dollar und in London zu 111,76 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,09 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben sehr schön nach. Sie haben den kurzfristigen Aufwärtstrend gebrochen. Gestern waren Öl- und Dollarnotierungen dafür gleichermaßen verantwortlich. Daher fiel der Rückgang beachtlich aus. Der Binnenmarkt ist etwas belebter. Es sind bereits kleine Auswirkungen auf die Margen zu spüren. Heizöl kostet rund vier Prozent weniger als vor einem Jahr. Interessanter als der relative Wert könnte sich der absolute Preis im Jahresverlauf entwickeln. Ich bin gespannt, wie hoch der zu erwartende Rückgang ausfallen wird. Angesichts der nicht endenden Unterstützung der Finanzindustrie durch die Notenbanken sollte man allerdings keine all zu großen Preiseinsturzphantasien entwickeln. Zeit und Aussicht für Heizölkäufe sind recht gut. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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