Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Wie teuer wird Öl?

Am Freitag stiegen die Preise weiter. Die zuvor aufgelaufene Teuerung ließ eine kleine Gegenreaktion erwarten. Aber der enorme Aufwärtsdrang strafte die Erwartung Lügen. Die Preise befinden sich auf einem starken Marsch nach oben. Eine Gegenreaktion kam hingegen beim Dollar. Schlechte Arbeitsmarktdaten in den USA verschafften dem Euro trotz der EU-Krise eine Aufbesserung des Kurses.

Unklar ist bisher, von welcher Gruppe die Ölpreisrallye maßgeblich getragen wird. Die großen Spekulanten sind es bisher nicht. Den Marktdaten ist zu entnehmen, dass der stärkste Überhang an Longpositionen bei den großen Ölhändlern zu finden ist. Mit den Kontrakten stellen sie sicher, dass sie zukünftig zu heutigen Preisen Öl beziehen können. Sie sind offensichtlich der Meinung, dass Öl knapper und damit teurer werden wird.

Offiziell gibt es bei den verschiedenen Minerealölgesellschaften unterschiedliche Ansichten zum Thema. Die Chefs von Exxon und BP sehen langfristig keinen Grund zur Sorge über knappe Ölmengen und steigende Preise. Lee Raymond, Chef der Exxon, hält in den kommenden drei bis vier Jahren Preise um 30$ pro Barrel für möglich. David O?Reilly, Chef der Chevron, sieht dagegen eine grundsätzliche Wende zur Verknappung und zu hohen Ölpreisen voraus. Die Exxon-Zahl könnte für Verbraucher irreführend sein, weil sie möglicherweise eine Größe für Investitionsentscheidungen ist. Wenn der Konzern Investitionen mit einem geschätzten Preis von 30$ pro Barrel als positiv bewertet, kann er mit eben diesem Preis gut leben. Der möglicherweise viel höhere reale Preis würde der Exxon weiterhin gigantische Gewinne sichern.

Dass die BP gelassen in die Zukunft schaut, ist verständlich, weil sie auf dem Gebiet alternativer Energieversorgung gut aufgestellt ist. Diese Versorgungsart wird bei einem hohen Ölpreis einen kräftigen Aufschwung erfahren, was langfristig dämpfend auf die Preisbildung wirkt. Was den BP-Chef gelassen macht, muss den Verbraucher lange noch nicht beruhigen.

Wenig beruhigend ist auch die Sicht von EIA-Chef (Energy Information Administration, Abteilung des US-Energieministeriums) John Cook. Er macht sich ernsthaft Sorgen um Engpässe bei der Versorgung mit Heizöl, Diesel und Benzin in der zweiten Jahreshälfte. Seiner Meinung nach wird sich Rohöl als Folge der Produktverknappung auf einen Durchschnittspreis von 60$ pro Barrel einpendeln. Aktuell sind es 55$. Neue Rekordhochs sind für ihn sicher.

Für Preisauftrieb bei Rohöl trotz der aktuell sehr üppig gefüllten Lager spricht auch, dass China seine strategischen Reserven noch in diesem Jahr aufstocken will. Damit wird dem Markt deutlich mehr Öl abgefordert.

Beruhigend ist dagegen der Umstand, dass die großen Spekulanten noch nicht auf den Zug aufgesprungen sind. Sie sind im allgemeinen sehr gut über die Hintergründe am Ölmarkt informiert. Es lässt sich allerdings nicht ausschließen, dass sie ihre Einstellung rasant ändern. Charttechnisch sieht es sehr schlecht für Verbraucher aus. Den Preisgrafiken lässt sich kaum eine andere Prognose entlocken, als steigende Preise für die kommenden Monate. Es sieht so aus, als sollten nun die Höchstpreise aus dem Jahr 2000 überschritten werden. Diese Sichtweise ist natürlich streng spekulativ. Man kann ihr folgen, man muss es aber nicht.

Heute Morgen legt der Gasölpreis zu. Die Tonne kostet 501,75$.

Unsere Heizölpreise haben abermals einen Sprung nach oben gemacht. Damit laufen sie den Erwartungen, dass die Preise steigen, sogar voraus. Verbraucher sollten sich auf neue Rekordpreise im Spätsommer einstellen. Aus heutiger Sicht ist Heizöl teuer. Wahrscheinlich wird der aktuelle Preis in drei Monaten als akzeptabel eingeschätzt werden. So jedenfalls war es im letzten Jahr. Momentan haben wir keinen Anlass anzunehmen, dass sich die Preisentwicklung qualitativ von der des letzten Jahres unterscheiden wird.

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