Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Wieder die Raffinerien

Die Ölpreise beschleunigen ihren eindrucksvoll geradlinigen Anstieg. Erwartungsgemäß übertraf Gasöl gestern den historischen Höchststand. Rohöl wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgen. Lediglich der Benzinpreis liegt deutliche 20 Prozent unter dem Höchstpreis. Dass Gasöl und Heizöl die Führungsrolle des Preisauftriebs übernommen haben, weist einmal mehr auf die aktuelle Raffinerieschwäche hin. Analog zur Benzinpreisrallye im Frühjahr, in Erwartung einer großen Nachfrage während der Fahrsaison, steigen die Heizölpreise im Herbst, in Erwartung der Winternachfrage. Eine Fülle weiterer Umstände geben dem Markt einen rundum bullischen Charakter. Die Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA lassen für den Dollar neue Tiefststände gegenüber dem Euro erwarten. Das Rekordtief vom Juli ist greifbar nah.

Für bullische Phantasien sorgt die IEA (Internationale Energieagentur) mit ihrer Warnung vor einer weiteren Verknappung des weltweiten Angebots. Bei steigender Nachfrage sollte das Rohölangebot pflichtgemäß Schritt halten. Die OPEC bezieht hierzu eine Gegenposition. Sie verweist auf die hohen Lagerbestände bei Rohöl. Das sei eindeutliches Zeichen für einen Engpass bei den Raffinerien. Rohöl sei nicht knapp. Um das bereits existierende Ungleichgewicht zwischen Förderung und Raffinierung nicht zu erhöhen, werde man kein zusätzliches Öl in den Markt pumpen. Die Preise würden nicht durch ein knappes Rohölangebot sondern durch ein knappes Produktenangebot, durch Hurrikansorgen und vor allen Dingen durch Spekulation in die Höhe getrieben, so die Replik der OPEC.

Heute gibt es keine haltbaren Erkenntnisse darüber, ob die konventionelle Rohölproduktion, wie sie in den OPEC-Staaten betrieben wird, steigerbar ist. Insofern ist die ablehnende Haltung der OPEC schwer einschätzbar. Fakt ist aber, dass das Angebot an unkonventionellem Öl steigt. Hierzu gehört Öl aus Ölsänden, aus Tiefwasservorkommen und aus der Landwirtschaft. Die hohen Preise machen das möglich. Sie sorgen für die Wirtschaftlichkeit unkonventioneller Produktionen. Das Argument der OPEC, den Markt nicht mit Öl überschwemmen zu wollen, könnte also haltbar sein.

Ausdruck bekommt unkonventionelles Öl durch ein neues Produkt der Shell. Das Unternehmen bietet in Norddeutschland Heizöl mit fünfprozentigem Bioanteil an. Damit weitet Shell die für Kraftstoff gesetzlich vorgeschriebene Beimischung auf Brennstoff aus. Logistisch und wirtschaftlich hat das den Vorteil, für eine existierende Versorgungskette weitere Anwendungen zu erschließen. Das Marketing für ein solches Produkt sollte derzeit auf fruchtbaren Boden fallen. Das Heizöl soll in neuen und alten Brennern einsetzbar sein. Bioanteile oder reines Bioöl können zu Problemen führen, weil sie sehr aggressiv sind und eine andere Viskosität haben als Mineralöle. Dadurch können Dichtungen beschädigt und Düsen verklebt werden. Das von Shell angebotene Heizöl mit Bioanteil ist von führenden Brennerherstellern getestet und für gut befunden. Wenn dieses Heizöl vom Markt angenommen wird, wird es auch von anderen Unternehmen vertrieben werden. Denn die Dieselversorgung, aus der das Produkt stammt, ist für alle Lieferanten offen.

Generell entzweit das Thema Biobeimischung die Ölwirtschaft. Der Mittelstand hat sich in den letzten Jahren eine Nische bei Biokraftstoffen aus heimischer Produktion erarbeitet, die nun weg zu brechen droht. Zum einen wird Biokraftstoff wegen der abgeschafften Steuerbefreiung preislich unattraktiv. Zum anderen begünstigt die Zwangsbeimischung die Mineralölkonzerne, da sie in ihren Raffinerien betrieben wird. Das dort beigemischte Bioöl stammt in den meisten Fällen vom Weltmarkt. Derzeit sieht es erneut so aus, als folgten die gesetzlichen Vorgaben den Belangen internationaler Konzerne mehr als einer angestrebten Nachhaltigkeit regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Für die Preisentwicklung am internationalen Ölmarkt ist die Diskussion unerheblich. Die Regung am internationalen Markt ist aber erheblich für die Preise in Deutschland. Heute Morgen ist etwas Beruhigung nach einer heißen Nacht festzustellen. Die Tonne Gasöl kostet 689,00 $ bei fallender Tendenz. Die ist als Reaktion auf eine Übertreibung zu verstehen, nicht als ein Richtungswechsel.

Unsere Heizölpreise steigen rasant. Sie haben die Vorjahrespreise erwartungsgemäß überschritten. Während des gesamten bisherigen Jahres war Heizöl billiger als im Vorjahr. Wir erwarten nicht, dass das im Jahresverlauf erneut der Fall sein wird. Die Zeichen stehen aktuell auf Preissturm. Auf Überreibungen folgt üblicherweise eine Gegenreaktion. Die dürfte allerdings noch Wochen oder sogar Monate auf sich warten lassen.

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