Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Wieder im Aufwärtstrend

Getrieben von einem Bündel bullischer Argumente kehrte der Ölpreis in den letzten Tagen in den langfristig aufwärtsgerichteten Trendkanal zurück. Die von vielen Verbrauchern sicher geglaubte Abwärtsbewegung riss plötzlich ab. Die Mehrheit der Analysten hält den Preisanstieg für übertrieben. Sie gibt den kurzfristigen Abwärtstrend noch nicht auf. Der Dollar erholte sich. Aber auch ihm wird ein weiter Abwärtstrend zugetraut.

Höhere Ölpreise bremsen den Verkauf. Für den Handel ist das ausnahmsweise einmal positiv. Denn die jüngste Kaufwelle mit kurzen Lieferterminforderungen ist kaum zu bewältigen. Dass eine derartige Flut kommen würde, galt als sicher. Die Verbrauchertanks waren für die Jahreszeit erheblich zu leer. Die Lieferprobleme, die durch den Kaufrausch ausgelöst wurden, waren und sind dennoch nicht zu vermeiden. Die im Prinzip zu große Transportkapazität des Handels kann derartigen Spitzenbelastungen nicht standhalten. Im November wurde 30% mehr Heizöl verkauft als vor einem Jahr. Insgesamt lag die georderte Menge aber noch 11% unter der des Vorjahres. Anfang Dezember zogen die Orderzahlen weiter an.

Viele Verbraucher müssen das Problem, das sie gemeinsam verursachten, mit höheren Preisen oder längeren Wartezeiten ertragen. Wer noch nicht unbedingt Heizöl braucht, lässt sich von den sowohl durch inländische Nachfrage als auch durch den Weltmarkt getriebenen Preiserhöhungen vom Kauf abschrecken. Ob er dabei glücklich handelt, wird sich in den ersten Monaten des neuen Jahres zeigen. Grundsätzlich gilt, dass nicht ein hoher Auftragseingang den Preis in die Höhe treibt sondern die Forderung nach kurzer Lieferzeit. Geschickt handelt, wer mit einem guten Heizölpolster im Tank im Moment tiefer Preise ordert und Lieferzeiten von einigen Wochen gelassen hinnehmen kann.

Der Weltmarkt wird wieder einmal durch die USA dominiert. Dort sorgen tiefere Temperaturen für die Rückkehr der Sorge um die Heizölversorgung. Die Tanklager sind ungenügend gefüllt. Folgt man den Wetterprognosen, benötigen die Verbraucher in den kommenden Wochen aber erhebliche Mengen um ihre Häuser warm zu halten.

Außerhalb der USA rücken die unsicheren Staaten wie Irak und Nigeria wieder in den Fokus. Im Irak wurde in den letzten Wochen erheblicher Schaden an Öleinrichtungen herbeigebombt. Sowohl eine nach Süden führende Pipeline als auch die Nordpipeline sind wieder zerstört. Das Land lieferte im November nur noch 1,2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Im Oktober waren es noch 2,4 Mio. Barrel pro Tag. Die Terroraktionen werden von einem Aufruf Osama Bin Ladens unterstützt, der wiederum den Preisauftrieb unterstützt. In Nigeria wollen die Ölarbeiter morgen streiken.

Die Vorgänge um die russische Yukos lassen den Markt in der aktuellen Phase nicht gleichgültig. Das Unternehmen wurde durch die gestrige Auktion praktisch zerschlagen. Wer der neue Besitzer der ehemaligen Tochtergesellschaft Juganskneftegas ist, ist lediglich dem nach Namen bekannt. Wer sich aber dahinter verbirgt, bleibt verborgen. Derartige Verschleierungen wirken preistreibend.

Die OPEC lieferte ohne den Irak im November mehr Öl als im Oktober. Dieser Umstand ist der einzige preisdrückende Faktor im Kräftespiel um die Preisbewegung.

Charttechnisch ist der Wiedereinstieg in den seit September 2003 bestehenden Aufwärtstrend beim Rohöl erfolgt. Ob das bereits richtungsgebend für die nächsten Monate ist, sei noch dahingestellt. Um den kurzfristigen Abwärtstrend sieht es zwar nicht gut aus. Aber als verloren sollte man ihn erst ansehen, wenn US-Rohöl wieder über 50$ pro Barrel kostet.

Der Gasölpreis nimmt heute Morgen die Schärfe aus dem Preisanstieg vom Freitag. Der Preis für die Tonne ging mit 431$ aus dem Handel und steigt heute bei 423$ wieder ein.

Unsere Heizölpreise legten in der letzten Woche mächtig zu. Sie überstiegen die Steigerung des Weltmarktes deutlich. Es ist der Tribut an die Nachfragesituation im Inland. Zu viele Verbraucher brauchen zu schnell Heizöl. Aber auch die Angebotsseite trägt mit Schuld am drastischen Preisanstieg. Die Raffineriegesellschaften halten die Ware zum Jahresende knapp. Sie wollen angeblich möglichst geringe Bestände in ihre Bilanzen schreiben. Dem Verbraucher gegenüber ist das eindeutig ein unfreundlicher Akt, zumal klar war, dass die Nachfragemengen zum Jahresende sehr hoch sein werden. Nach dem Jahreswechsel sollte das Problem verschwinden.

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