Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Wind wirbelt Preise auf

Am Persischen Golf ist das Klima stürmisch, wettertechnisch und politisch. Ein Zyklon namens Gonu mit Kurs auf das für die Ölversorgung wichtige Meer wird in den kommenden Tagen die Ölverschiffung behindern. Der iranische Präsident hat den Atomkurs seines Landes erneut als unverhandelbar bezeichnet und damit die Bemühungen des Westens um einen Kompromiss konterkariert. Beide Umstände trugen zu einer heftigen Aufwärtsbewegung der Rohöl- und Heizölpreise bei. Benzin war vom bullischen Treiben weniger stark betroffen. Die Heizölpreise in den USA haben den oberen Rand des seitwärts gerichteten Trendkanals durchbrochen. Sie drohen in einen Aufwärtstrend zu gleiten. Ähnlich stellt sich die Lage für europäisches Gasöl dar. Der Dollar verlor nach nicht erwartungsgemäßen Konjunkturdaten aus den USA an Wert. Sein moderater Aufwärtstrend dreht in eine Gegenbewegung.

Bärische Nachrichten wurden gestern nicht zur Kenntnis genommen. Spekulanten gefiel offensichtlich die Möglichkeit, ihren Ideen für steigende Kurse erneut nachzugehen. Das stellt eine Wende zum Anlegerverhalten der letzten Tage dar, an denen der Überhang an bullischen Positionen reduziert wurde. Vermutlich ist es der Sturm im Persischen Golf, der Spekulanten zum Wiedereinstieg in die Positionen auf steigende Kurse treibt. Dass die Ölversorgung durch eventuelle Schiffsausfälle ernsthaft Schaden nehmen wird, ist extrem unwahrscheinlich. Rohöl, um das es in diesem Fall geht, ist ausreichend in den Tanklagern vorhanden, so dass ein eventueller Engpass leicht überwunden werden kann. Der gestrige Preisauftrieb ist ein reines Phantasieprodukt großer Spekulanten. Man kann ahnen, wie bullisch die Horde reagieren wird, wenn von Stürmen im Golf von Mexiko die Rede sein wird. Dort droht ein realer Verlust an Versorgungsfähigkeit, weil neben Fördergeräten die ohnehin knappen Raffinerien betroffen wären.

Um deren Kapazität ist es in den USA nach wie vor schlecht bestellt, weil Ausbaumaßnahmen nicht nur unzureichend geplant sind sondern weil diese sogar reduziert werden. Der Mangel liegt allerdings nicht allein an der Profitgier von Ölgesellschaften, die mit knappen Raffineriekapazitäten gut leben können. Er geht auch auf das Konto unklarer politischer Rahmenbedingungen in den USA. Die Regierung will bis zum Jahr 2017 eine Reduzierung des Benzinverbrauchs um 20 Prozent erreicht sehen. Wie das geschehen soll, wissen die Ölgesellschaften nicht. Daher halten sie milliardenschwere Investitionen zurück, deren Amortisationszeit in die Spanne der anstehenden Veränderungen fällt. Nicht nur diese politisch bedingte Investitionszurückhaltung ist als Grund für die Raffinerieschwäche der USA zu nennen. Dort, wo in neue Anlagen investiert werden soll, gibt es massive Behinderungen durch Bürgerproteste. Wie in vielen reichen Gesellschaften herrscht auch in den USA ein Missverhältnis zwischen dem Handeln und dem verantwortungsbewussten Umgang mit den Konsequenzen dieses Handeln. Im Konkreten äußert es sich darin, dass Bürger Benzin mit der bestehenden Fahrzeugflotte verschwenden, dass sie die Produktionseinrichtung für dieses Benzin aber nicht in ihrer Nachbarschaft dulden. Daher wird die Benzinpreissituation noch einige Jahre so bleiben, wie sie derzeit ist.

Der während des ganzen Frühjahrs anhaltende Benzinpreisanstieg dürfte bis auf weiteres beendet sein. Er gilt als übertrieben, denn derzeit erwartet niemand eine tatsächlich eintretende Benzinlücke. Diese gab es bisher nur als Spekulationsmodell an der Börse. Sie kann allenfalls durch zerstörerische Hurrikane im Golf von Mexiko Wirklichkeit werden. Daher war Benzin gestern kaum vom Preisanstieg betroffen.

Heuten Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem hohen Niveau von gestern Abend. Er liegt mit 609,00 $ pro Tonne wieder deutlich über der psychologisch wichtigen Marke von 600 $. Obwohl keine Knappheit herrscht, geben der Preis selbst und die Konstellation des Preischarts Anlass zur Sorge für die weitere Entwicklung. Spekulanten sind sehr bemüht, die Lage für ihr Gewinnstreben zu nutzen.

Unsere Heizölpreise steigen. Der Weltmarkt drängt sie dazu. Der Binnenmarkt gibt nach wie vor keinen Anlass. Er fängt zwar an sich zu beleben. Gleichwohl ist er noch flau. Das wird sich ändern, sobald die Nachfrage deutlich anzieht. Dann muss der Handel den ausgefallenen Verdienst aufholen. Das geschieht auch über steigende Margen. Je länger die Nachfrageflaute andauert, um so heftiger wird die danach zu erwartende Preisreaktion ausfallen.

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