Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Winter wird kein Problem

Die Preise fallen noch nicht so, wie es nach dem Ende zahlreicher Störungen zu erwarten wäre. Was nicht ist, kann noch werden, zumindest solange das Wetter mitspielt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise in dieser Woche weiter nachgeben, ist hoch. Die kurzfristigen Trends deuten das an. Die Dollarentwicklung ist schwerer einschätzbar. Der Aufwärtstrend ist demoliert. Ein Abwärtstrend ist noch nicht etabliert.

Die Preisentwicklung wurde u.a. durch die Diskussion über sinkende Förderleistungen angefacht. Der unter der Begriff Peak Oil bekannte Sachverhalt bedeutet, dass das Fördermaximum erreicht sei. Pessimisten gehen davon aus, dass die Förderung in Kürze nur noch rückläufig sein kann. Diese Diskussion sollte nach Meinung des saudischen Ölministers Ali Naimi bald beendet sein. Gegenwärtig wird die Förderkapazität vor allen Dingen in Afrika stark ausgebaut. Den größten Schritt nach vorne will Saudi Arabien selbst machen. Naimi glaubt, der Welt in Kürze die annähernde Verdoppelung der bestätigten Reserven des Landes, sie sind ohnehin die größten der Welt, verkünden zu können. Bis 2009 werde die Förderkapazität auf über 12 Mio. Barrel pro Tag aufgestockt. Erneut weist Naimi darauf hin, dass das eigentliche Problem der Versorgung die zu knappen Raffineriekapazitäten sind. Dieses Problem werde sich nicht so schnell lösen lassen, wie der Aufbau der Förderleistung.

Für die Überwindung der Schwierigkeiten sind in erste Linie die Verbraucherländer verantwortlich. Naimi fordert dennoch die OPEC-Staaten auf, ebenfalls Raffineriekapazitäten zu schaffen. Dass die Zurückhaltung beim Bau von Raffinerien groß ist, liegt an den Erfahrungen der 1980er und 90er Jahre. Nach dem Ölpreisschock in Folge der iranischen Revolution und des Irak-Iran-Krieges folgte eine Rezession. Einsetzende Energiesparmaßnahmen und die Rezession ließen den Verbrauch erheblich einbrechen. In der Folge schmolzen die Preise zusammen. Mit Raffinerien ließ sich kein Geld mehr verdienen. Eine Pleitewelle ereilte die Ölwelt. Seit der Zeit wollen Ölgesellschaften die erheblichen Investitionen in Raffinerien durch die Marktlage klar abgesichert wissen. Trotz oder wegen der hohen Preise glauben sie offensichtlich nicht an die Nachhaltigkeit des steigenden Bedarfs. Viele Gesellschaften wollen die Hochpreisphase noch mindestens zwei Jahre sehen, um in Raffinerien zu investieren. Selbst im Boomland China, das erheblichen Anteil an der gestiegenen Nachfrage hat, wurde der Bau einer neuen Großraffinerie in der letzten Woche auf Eis gelegt. Das zeigt, dass die Unsicherheit groß ist.

Nach unserer Ansicht wird diese Unsicherheit der Ölindustrie vor allen Dingen durch das Potential, das in Sparmaßnahmen steckt, getragen. Es ist bekannt, dass heute zu viel Öl und Gas verschwendet werden. Der Verbrauch ließe sich durch den Einsatz neuer Technologien dramatisch senken, ohne dass die Wirtschaftsleistung Schaden nähme. Hier sind die USA und die schnell wachsenden Ländern besonders gefordert. Aber auch das relativ effizient operierende Europa bietet noch gewaltiges Sparpotential. Für Ölgesellschaften ist es nachvollziehbar schwierig, die Entscheidung zu treffen, auf der Angebotsseite oder auf der Nachfrageseite in Form effizienter Verbrauchstechnologien zu investieren, zumal man davon ausgehen kann, dass auch andere Industriezweige in Einsparung investieren werden. Das wird zumindest dann geschehen, wenn der Verbraucher es fordert. Dass das in den letzten Jahren nicht der Fall war, erweist sich nun als folgenschwer. In den 1980er Jahren gab es gute Ansätze, die in den Folgejahren nicht mehr gefragt waren, weil Öl wieder billiger wurde. Verbraucher ließen sich von einem zukunftsweisenden Weg abbringen. Jetzt muss für das über 20 Jahre zu billige Öl und Gas teuer bezahlt werden. Es könnte sein, dass ein zweiter Zyklus wie in der Zeit zwischen 1980 und 2005 entsteht. Zu hoffen ist das natürlich nicht. Ein nachhaltigerer Weg wäre allemal besser.

Der in letzter Zeit häufig zitierte Engpass der Produkte Heizöl und Benzin als Folge der Hurrikanserie in den USA scheint übrigens weit weniger ausgeprägt zu sein, als die Preisentwicklung das Glauben macht. Die auf deutscher Seite freigegeben Produkte aus den Notlagern wurden nur zu ca. 30% angefragt. Ähnlich scheint es bei den europäischen Nachbarn auszusehen. Diese Tatsache zeigt, dass hohe Preise zu Sparsamkeit führen können und dass für die Deckung des Grundbedarfs allemal genug Ware vorhanden ist.

Die Erkenntnis lässt hoffen, dass die Preise nun weiter fallen. An den Börsen setzt sich der Trend mehrheitlich auf fallende Rohöl- und Heizölpreise zu setzen zumindest fort. Da sowohl Peak Oil als auch knappe Raffineriekapazitäten in absehbarer Zeit nicht aus der Börsenpsyche wegzudenken sind, muss man bei Störungen wie beispielsweise einer Kältewelle dennoch mit schnellen Reaktionen zu steigenden Preisen rechnen. Sie werden den Markt tendenziell noch einige Jahre beschäftigen.

Heute Morgen ist das nicht der Fall. Der Gasölpreis gibt moderat nach. Die Tonne kostet 565 $.

Unsere Heizölpreise sind leicht rückläufig. Für eine spürbare Entlastung fehlt ihnen ein kräftiger Schub vom Weltmarkt. Dass der kommt, ist durchaus wahrscheinlich. Wir schätzen die Chance für fallende Preise momentan höher ein als die Gefahr für steigende Preise. Die Entwicklung der letzten Jahre hat allerdings gezeigt, dass gerade bei der Spekulation auf Preisrückgang Vorsicht geboten ist. Häufig hat eine kleine Störung große Wirkung in steigenden Preisen gezeigt.

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