Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Winter wurde getestet

Gestern sorgten unerwartet schlechte Daten über die US-Heizölbevorratung für Preisauftrieb. Die Gefahr einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung besteht aber nicht. Solange die Temperaturen überdurchschnittlich hoch sind, dürften die Preise um das aktuelle Niveau schwingen. Ein Kälteeinbruch könnte die Lage allerdings schnell ändern. Der Dollar setzte seinen überraschenden Höhenflug gestern in abgeschwächter Form fort. Devisenexperten sehen die Bewegung verblüfft. Man geht eher davon aus, dass der Dollar zum Euro fallen wird.

Einen Vorgeschmack auf den wahren Winter lieferten die US-Vorratsdaten. Sie werden jeweils am Freitag vor der Veröffentlichung erhoben. Die letzte Erhebung erfasst den Zeitraum zwischen dem 10. und 16. Dezember. In der Woche waren die Temperaturen in den US-Heizölregionen tiefer als zuvor. Prompt wurde mehr Heizöl verbraucht und geordert. In den öffentlichen Lagern schlug das mit einem Minus von 2,8 Mio. Barrel zu Buche. Daraus lässt sich ableiten, dass ein Kälteeinbruch die auskömmliche Vorratslage schnell kippen kann. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) im Einzelnen:

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,8 (DOE) bzw. 3,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind gegenüber der Vorwoche leicht und gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken. Zumindest für Rohöl ist das kein Zeichen für einen Mangel. Eher fehlt die Bereitschaft, zum aktuellen Preis weitere Bestände aufzubauen. Die sind gemessen an den vergangenen fünf Jahren sehr hoch. Bei langfristiger Betrachtung (über 20 Jahre) sind sie knapp unterdurchschnittlich. Die Raffinerieverfügbarkeit ist wieder auf 90% gestiegen. Der Wert ist auf Dauer zu niedrig. Die Verarbeitungsanlagen weisen immer noch Spätfolgen der Hurrikane auf. Sie sind aber deutlich niedriger als an den Offshore-Anlagen im Golf von Mexiko.

Insgesamt bleibt die Lage aktuell unspektakulär. Die Vorräte sind gut. Das Wetter in den USA soll noch milder werden. Von der Verbrauchsseite ist damit keine schnelle Anspannung zu erwarten. Die dürfte erst im Laufe des Jahres kommen. Der Blick geht dabei in erster Linie nach China. Von dort kam die Botschaft, dass die Wirtschaft stärker wächst als erwartet. Erfreulicherweise kommt ein Teil des Wachstums bereits aus dem weniger energiefressenden Dienstleistungssektor. Von der Produktion wird aber auch Wachstum erwartet. Damit bleibt der Nachfrageschub hoch. Volkswirte rechnen damit, dass wir ihn beim Öl in der zweiten Jahreshälfte 2006 spüren werden.

Die Produktionen der neuen Wirtschaftsmächte sind wahre Energiefresser. Sie sind extrem ineffizient. Um einen Dollar zu erwirtschaften braucht China 3,5 mal soviel Energie wie die USA und sechs mal soviel Energie wie Japan. Neben China wachsen Indien, Russland, Brasilien u.a. Länder ebenfalls mit atemberaubenden Raten. Diese Länder werden den Energie- und Ölmarkt unter gewaltigem Druck halten. Im Fall Koreas hat es über zehn Jahre gedauert, bis sich der Energieverbrauch als Folge des Boomwachstums auf einem fünf mal höheren Niveau stabilisierte. Für China begann der boomende Teil im Verbrauchsbild 2001. Fünf mal mehr Verbrauch als in dem Jahr bedeutet 20 Prozent mehr Verbrauch als die USA heute aufweisen.

Auf die aktuelle Preisentwicklung hat diese Überlegung allenfalls den Einfluss, dass sie einen deutlichen Preisverfall verhindert. Der wäre, wenn man die Preisbildung lediglich auf das momentane Verhältnis von Angebot und Nachfrage bezöge, fällig. Er wird aber aus den langfristigen Gründen und wegen der Erwartung, bald tiefere Temperaturen zu erleben, kaum stattfinden. Allenfalls charttechnisch gibt es einen Hoffnungsschimmer für einen weiteren Preisrückgang.

Heute Morgen schließt die Preisbewegung dort an, wo sie gestern Abend endete. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 511,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Die Preisbewegung bleibt aller Voraussicht nach wechselhaft. Wir erwarten kurzfristig keine große Entfernung von den aktuellen Preisen. Die Nord-Süd-Differenz im Inland ist weiterhin hoch, weil die Pegel der Wasserstraßen nicht steigen. Die Nachfrage ist gering. Lieferengpässe gibt es nicht. Die Margen des Handels sind gegenüber November erheblich gesunken.

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