Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Wo bitte ist die Philosophie?

Diese Frage treibt viele Spekulanten immer wieder um, seit das Scheitern ihres vertrauten Neoliberalismus offenkundig wurde, also seit der Lehman-Pleite. Ihre Welt ist eine andere als vorher. Damals fanden sie geistig-moralischen Zuspruch für quasi regellose Geldspiele und grenzenlose Gewinne. Heerscharen von Volkswirten standen bereit, ihre wissenschaftliche Reputation zum Beweis der Sinnfälligkeit derartigen Finanztreibens zu verwenden. Es herrschte gesellschaftlicher Konsens über neoliberale Leitlinien. Gewinn und Gewinner des Systems wurden bewundert. Verlierer wurden nicht als Teil des Systems wahrgenommen, sondern als vom Schicksal Geschlagene.

Die Urväter der neoliberalen Generation kämpften gegen die Politik der staatlichen Eingriffe. Sie waren überzeugt, dass Lenkungsmaßnahmen mehr Schaden als Nutzen anrichten. Als die Saat der Vorkämpfer aufblühte, wurden nach und nach sämtliche öffentliche Institutionen von den Neoliberalen übernommen. Ihre Philosophie schien irgendwann ab den 1980er Jahren alternativlos zu sein. Sie trugen die absolute Erkenntnis vom Wohlstandschaffen in sich. Und heute sitzen die Neoliberalen in den Schaltzentralen der Macht, in Wirtschafts- und Finanzministerien, in Zentralbanken und in den Geschäftsbanken. Sie erlebten ihr Scheitern. Und sie begannen zu kämpfen. Sie kämpfen mit den Mitteln, die ihre Urväter bekämpften und die sie selbst immer ablehnten, mit staatlichen Eingriffen. Nach welcher Philosophie das geschieht, weiß wahrscheinlich niemand von ihnen. Es gibt keine Philosophie mehr. Ihr Fehlen wurde Pragmatismus getauft und der Vorgang wird „auf Sicht fahren“ genannt. Wachstum ist das Mantra, das jede Philosophie ersetzt.

Der Pragmatismus hat den Neoliberalen den Allerwertesten gerettet. Irgendwie wähnen sie sich noch einmal davongekommen. Aber wer Augen zum Sehen und ein Hirn zum Denken hat, erkennt das Scheitern an. Ohne Zweifel ist es in dieser Lage schwierig, konzeptionell zu handeln. Das betrifft in erster Linie die Politik. Aus dieser Erkenntnis ist vor einigen Wochen ein Zeitungsartikel von Frank-Walter Steinmeier mit der bemerkenswerten Überschrift „Wie wollen wir leben?“ erschienen. Er steht sinnbildlich für das erkannte Dilemma der fehlenden politischen Philosophie.

Anpassungsfähiger als der schwerfällige Politikapparat erweist sich die Finanzszene. Ihre hellen Köpfe sinnieren offener über Fehler der herrschenden Philosophie und ihrer Handhabung. Den Stein des Weisen haben sie allerdings nicht gefunden. Sie werden ihn so schnell auch nicht finden, da der Suchraum zu unübersichtlich und die Teilnahme an der Suche zu gering ist. Zudem lässt der weltweite, unübersichtliche Raum Platz, sich in alten Nischen einzurichten. Diese werden heute als neue Welt bezeichnet. Es sind die Wachstumsregionen, denen Finanzjongleure den Titel BRIC verpassten, Brasilien, Russland, Indien, China. In diesen Regionen funktioniert so etwas wie Neoliberalismus aus Sicht der Finanzindustrie noch. Es handelt sich dort allerdings nicht um die reine neoliberale Philosophie.

Im täglichen Börsengeschehen ist das Handeln von Gescheiterten zu spüren. Das „Forechecking“ ist weit weniger aggressiv als früher. Bullische Tendenzen an Aktien- und Terminmärkte wirken immer fragil. Es ist die Fragilität von Verunsicherten, von Handelnden ohne Philosophie. Da ist kein vorausschauender Blick zu erkennen. Da gibt es nur Tagesgeschehen. Und das kann urplötzlich die Richtung wechseln.

Gestern wechselte es die Richtung. Solide im Aufwärtstrend treibende Ölpreise verloren plötzlich an Wert. Für den Aufwärtstrend sprechen Nachfragedaten aus Asien. Dagegen spricht die allgemeine Unsicherheit zur Entwicklung der alten Volkswirtschaften und der Finanzsysteme. Heute Morgen taumeln die Preise auf dem erreichten tieferen Niveau. Eine Richtung ist nicht zu erkennen. Trendgemäß müssten sie wieder steigen. Aber auf Trends ist genauso wenig Verlass wie auf die Ölnachfrage. Ihr Steigen wird für die USA seit Monaten vorhergesagt. Doch es bleibt aus. Die Tonne Gasöl kostet momentan 678 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,27 Dollar. Der US-Dollar wird zu 81,23 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten gestern abermals deutlich zu. Heute Morgen wurde ein wenig Auftrieb herausgenommen. Der Aufwärtstrend am Weltmarkt steht noch. Deshalb besteht die Gefahr weiter steigender Heizölpreise. Klare Zeichen für einen Richtungswechsel gibt es nicht. Gleichwohl ist die Spekulation auf einen Wechsel angesichts hoher Unsicherheit an den Märkten nicht abwegig. Das Gespür, die erwarteten Einbrüche einigermaßen treffsicher zu erkennen, fehlt uns, da diese nichts mit dem Ölmarkt zu tun haben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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