Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Yukos vom Staat zerlegt

Gestern erreichten die Notierungen neue Allzeithochs. Inzwischen hat auch Nordseeöl Brent die Preisspitze von 1990 zur Zeit der irakischen Besetzung Kuwaits überschritten. Lediglich Benzin blieb unter der Rekordmarke von Anfang Juli zurück. Die Preise folgen weiterhin dem soliden Aufwärtstrend, der noch keine Überhitzungserscheinungen zeigt. Grund der neuen Preiswelle sind schlechte Werte über die US-Ölvorräte und ein staatliches Verbot, das Yukos Ölverkäufe untersagt.

Der russische Staat will die Macht über das Öl bekommen. Offensichtlich soll die Liberalisierung, die den Ölsektor in den letzten zehn Jahren zurück an die Weltspitze gebracht hat, rückgängig gemacht werden. Öl und Gas, die wichtigsten Produkte der russischen Wirtschaft, gehören nach der unausgesprochenen Doktrin des Kremls in Staatshand. Beim Gas ist das bereits weitgehend der Fall. Beim Öl wird es mit der Zerschlagung des Yukos-Konzerns nun vollzogen. Der Vorgang hat Konsequenzen für die internationale Reputation des Landes. Investoren ziehen sich aus dem Land zurück. Die russische Börse wird vom Staat in eine Krise gestürzt. Und der Vorgang hat Konsequenzen für die weltweite Ölversorgung.

Der jüngste Höhepunkt dieser seit knapp einem Jahr andauernden Entwicklung, die mit der Verhaftung des Vorstandsvorsitzenden und Hauptaktionärs Michail Chodorkovsky begann, ist das Verbot, Öl zu verkaufen. In der Behördenauflage heißt es, es ist verboten Eigentum zu verkaufen. Dazu gehört auch Öl. Dieser Schritt lässt keinen Zweifel daran, dass Yukos am Ende ist. Die Gesellschaft produziert 20% des russischen Öls, das nun nicht mehr auf den Markt gelangt. In einer Zeit extrem hoher Nachfrage, die nur unter Ausnutzung aller Reserven befriedigt werden kann, führt das Fehlen eines Teils der Produktion unweigerlich zu deutlichen Preissteigerungen.

Da nicht mit einer schnellen Lösung des Problems Yukos zu rechnen ist, wird der damit verbundene Preisauftrieb dem Markt längerfristig erhalten bleiben. Der positive Preiseinfluss Russlands, der über einige Jahre durch deutlichen Produktionssteigerungen ausgeübt wurde, ist auf unabsehbare Zeit beendet. Dem Kreml scheint die Sicherung seiner Macht wichtiger zu sein als der wirtschaftliche Fortschritt des Landes.

Gestern wurden wieder Zahlen über die US-Bestände vorgelegt. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben unterschiedlich lautende Statements ab.

Rohöl: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)

DOE nennt einen Gesamtzuwachs von 1,2 Mio. Barrel. API gibt dagegen einen Gesamtverlust von 4,5 Mio. Barrel an. Die Börse konnte sich aussuchen, welche Angabe sie verarbeiten wollte. Sie entschied sich für die schlechten Zahlen. Dagegen halfen weder gute Importzahlen, die mit über 14 Mio. Barrel auf Rekordniveau laufen, noch eine ordentliche Raffinerieverfügbarkeit.

Die Reaktion auf die Bestandsmeldungen zeigt einmal mehr die bullische Grundstimmung an den Ölmärkten. Fonds drücken ihr Geld wieder dort hinein. Damit treiben sie die Preise höher und höher. Selbstverständlich ist es Spekulation. Allerdings hat diese Spekulation ihre fundamentalen Gründe. Und die sind derzeit äußerst nachhaltig, andauerndes Nachfragewachstum hauptsächlich durch die Boomstaaten in Fernost und nicht endender Terror im Irak sowie die Gefahr, dass dieser auch anderswo auf der Welt losbricht.

Die Aussicht, dass sich die bullische Stimmung in absehbarer Zeit ändern könnte existiert praktisch nicht. Nicht einmal nennenswerte Gegenbewegungen zum Trend sind zu erwarten, da der Anstieg ohne Fieberspitzen verläuft.

Gasöl hat heute Morgen etwas vom gestrigen Rekordwert abgegeben. Das ist als unwichtige Bewegung anzusehen. Die Tonne kostet 365,75$.

Unsere Heizölpreise ziehen erneut deutlich an. Sie gehen die erwartete Richtung hin zu einem heißen Herbst. Bisher ist noch kein Inlandseffekt auf Grund eines Nachfragebooms zu erkennen. Zwar nimmt das Kaufinteresse jetzt zu, aber die erheblichen Leerstände in den Verbrauchertanks werden damit noch nicht aufgelöst. Daher muss man weiterhin mit einem Run ab September rechnen. Wenn er kommt, kommen die Preise noch schneller ins Laufen. Verbraucher sollten, wenn sie noch in diesem Jahr Heizöl brauchen, unbedingt vor dem Run bestellen.

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