Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Zu viele Käufer im deutschen Heizölmarkt

Der Preisrückgang ist gestoppt. Eine leichte Gegenbewegung hat eingesetzt. Sie war charttechnisch längst überfällig. Dass sich die längerfristige Preisbewegung nun wieder nach oben orientiert, darf aber bezweifelt werden. Die allgemeine Marktlage lässt noch kein schwerwiegendes Argument für eine bullische Wandlung erkennen. Der deutsche Heizölmarkt hat derzeit ein vom Weltmarkt weitgehend unabhängiges Eigenleben. Im Unterschied zur allgemeinen Lage herrscht hier Angebotsknappheit. Das hält die Preise vielerorts höher, als rechnerisch möglich wäre. Der Euro profitierte gestern von einer Meldung über stark rückläufige Kapitalflüsse in die USA. Ein beginnender Aufwärtstrend des Dollars konnte gestoppt werden.

Die vor wenigen Wochen mit Sorge betrachteten Themen haben ihren Schrecken verloren. Die Hurrikansaison in den USA verlief bisher so ruhig, als gäbe es sie nicht. Auch für die nahe Zukunft prognostizieren die Wetterämter keinen Sturm, der in den Verdacht kommt, sich als Hurrikan entpuppen zu können. Im Juni sagten die Meteorologen noch 13 bis 16 schwere Wirbelstürme vorher. Sie haben sich wohl geirrt. Der Atomstreit mit dem Iran, das zweite kapitale Thema an der Ölbörse, hat seinen Schrecken ebenfalls verloren. Die totale Ignoranz Teherans bezüglich des Angebots der UN-Vetomächte und die darauf folgende Unfähigkeit der westlichen Nationen, einen gemeinsamen Handlungsstrang zu entwickeln, sowie die nun wieder aufgenommene Diplomatie geben den Ölmärkten den Eindruck, dass mit sehr stumpfen Waffen gewedelt wird, die keinen Einfluss auf die Versorgung haben werden. Der Blick hinter die Kulissen zeigt, dass es kaum einen Grund gibt, sich über die nun eingetretene Realität zu wundern. Alles, was im Ölgeschäft Rang und Namen trägt, ist im Land mit den zweitgrößten Öl- und Gasreserven engagiert. Allen voran die französische Total gefolgt von Japans Impex, der niederländisch-britischen Shell, der norwegischen Statoil, der spanischen Repsol, der österreichischen OMV, der brasilianischen Petrobras, der italienischen ENI, den chinesischen National Petroleum Corporation und SINOPEC. Allesamt sind die Großen ihres Fachs. Den USA missfällt das hinsichtlich der Sanktionsbestrebungen gewaltig. Ändern können sie es kaum. Und so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Atomkonflikt noch sehr lange ein Thema an der Ölbörse sein wird, das mal bullisch und mal bärisch wirkt.

Für gemischte Stimmung sorgten zwei Meldungen aus der direkten Versorgungssphäre der USA. Die Bohrplattform Mars im Golf von Mexiko, die im letzten Jahr durch den Hurrikan Katrina schwer beschädigt wurde, produziert mittlerweile 20 Prozent mehr, als vor dem Sturm. Dagegen wird die Plattform Thunder Horse, die bereits ein Jahr zuvor durch einen Hurrikan lahm gelegt wurde, erst im Jahr 2008 wieder fördern. Die Reparatur gestaltet sich schwieriger als erwartet. Da die Versorgung z.Z. über der Nachfrage liegt, ist der Impuls der Meldungen nur schwach bullisch. Solange eine Vielzahl von Einzelunterbrechungen ausbleibt, wird an der Versorgungssicherheit nicht gezweifelt. Wirklich störungsresistent ist sie aber noch nicht. Die Reservekapazitäten sind dürftig. Sie sollen in den kommenden Jahren steigen. Die gute Gewinnsituation der Ölindustrie hat eine deutliche Investitionssteigerung und damit den Aufbau von Sicherheit zur Folge. Der dürfte sich längerfristig verbraucherfreundlich im Preis zeigen. Aktuell sind Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Preisniveaus angebracht.

Während des Winters könnte das Niveau halten. Damit bestünde für den heimischen Markt die Möglichkeit einer unbemerkten MwSt.-Erhöhung. Auf Grund knappen Angebots und hoher Nachfrage sind die Inlandspreise zwischen 2 und 8 Prozent höher, als sie es rechnerisch sein müssten. Sollte die Kauflust der Verbraucher mit dem Jahreswechsel plötzlich erlahmen, wofür die Erfahrungen aus vergangenen Steuererhöhungen sprechen, fielen die Überhöhungen schlagartig in sich zusammen. Dann könnte Heizöl trotz MwSt.-Erhöhung sogar billiger sein. Voraussetzung ist allerdings, dass der Weltmarkt das Preisniveau hält. Ein Szenario, bei dem die Preise zunächst weiter fallen und dann über Monate langsam wieder steigen, ist durchaus denkbar.

Heute Morgen ist moderater Anstieg angesagt. Gasöl ist etwas teurer als gestern. Die Tonne kostet 554,25$.

Unsere Heizölpreise steigen leicht. Sie stehen weiterhin unter dem starken Einfluss der extremen Marktbedingen in Deutschland. Die werden angesichts schlecht geplanter Warenströme seitens der Industrie und bei anhaltend hoher Nachfrage über Wochen fortbestehen. Wer Heizöl jetzt ordert, erhält einen vergleichsweise guten Preis. Er muss aber viel Geduld bis zur Lieferung aufbringen. Der Handel arbeitet hart an der Bewältigung der Auftragsflut und den schlechten Bedingungen, die ihm die Vorlieferanten aufbürden.

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