Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Zum Feste das Beste

Der Markt hat sich von seinen Versorgungsängsten befreit. Das löste einen Kurssturz mit Seltenheitswert aus. Innerhalb von vier Tagen gaben die Preise um 17% nach. Ein schnelles Ende der Bewegung zeichnet sich noch nicht ab. Mit Gegenreaktionen muss allerdings gerechnet werden. Der Dollar folgt einem extrem stabilen Abwärtstrend. Eine Gegenreaktion ist überfällig.

Der Markt handelt Nachrichten selektiv. Vor kurzem wurde aus allen Informationen nur der preistreibende Gehalt wahrgenommen. Jetzt werden nur die preisdrückenden Inhalte verarbeitet. Die lauten derzeit Aufbau der US-Vorräte, gute Verfügbarkeit der Raffinerien, milde Temperaturen in den wichtigen Heizölregionen und hohe Produktion der OPEC. Die über Wochen bedrückenden Themen bestehen fort. Sie lauten niedrige US-Vorräte, Terrorgefahren im Irak und in Saudi Arabien, unsichere Lage in Nigeria und Venezuela, Unklarheit über den Fortgang der Yukos-Produktion und hohes Nachfragewachstum in China und Indien. Aber der Markt schenkt ihnen kein Gehör mehr. Er hat sich von entsprechenden Meldungen lange genug jagen lassen.

So wie zuvor die Preisreaktionen nach oben als übertrieben angesehen wurden, ist nun die Reaktion nach unten u.U. zu heftig und zu früh. Denn noch ist nicht sicher, ob die Heizölversorgung vollkommen unkritisch über den Winter läuft. Wenn die aktuellen Temperaturen insbesondere in den USA andauern, wird es kein Problem geben. Aber das Wetter ist keine verlässliche Größe. Insofern ist der vorweihnachtliche Preissturz eine schöne Bescherung.

Angesichts der Heftigkeit des Kursverfalls denken einige OPEC-Mitglieder bereits über Lieferkürzungen nach. Es wird ihnen nicht leicht fallen, diese zu realisieren. Man hatte große Mühe, die Produktion in den letzten Monaten auf das aktuelle Niveau zu fahren. Nun läuft sie anscheinend stabil. Sie geordnet zu drosseln, bedarf wiederum einiger Anstrengungen. Am Freitag werden die OPEC-Mitglieder ihr weiteres Vorgehen in Kairo besprechen. Mit Sicherheit wird es dabei Äußerungen über das immer noch gültige Band von 22-28$ pro Barrel geben, in dem sich die Preise bewegen sollten. Es wird als zu niedrig angesehen. Die Realität wird den Preisen eine 3 als erste Ziffer verordnen.

Der heimische Ölmarkt litt in diesem Jahr unter den hohen Preisen. Die Nachfrage war extrem gering. Sie hinkt bisher einem gesamten Monatsbedarf hinterher. Mit den nun attraktiveren Preisen ziehen die Bestellungen deutlich an. Es kann zu Versorgungsengpässen mangels Transportkapazität kommen. Denn mit der Abgabe eines doppelten Monatsbedarfs im Festmonat Dezember hat der Handel Mühe.

Nachdem ein großer Teil der möglichen Abwärtsbewegung beim Ölpreis gelaufen ist und der Fortgang, von dem wir ausgehen, langsamer vonstatten gehen wird, rückt die Dollarbewegung wieder verstärkt in den Blickpunkt. In ihr steckt ebenfalls noch Potential für günstigeres Heizöl. 10% werden als möglich und für die Wirtschaft als noch unkritisch angesehen. Negative Szenarien befassen sich sogar mit einem Platzen der Dollar-Blase. Sollte das der Fall sein, käme die Weltwirtschaft ins Rutschen. Die Ölpreisbildung müsste vollkommen neu definiert werden. Ursache des Kursverfalls ist die hohe Verschuldung der USA. Mit dem Problem steht Amerika nicht allein da. Das zusätzlich vorhandene Handelsbilanzdefizit macht das Land mit der größten Wirtschaft und dem größten Schuldenberg der Erde aber doch zu einem besonders kritischen Fall.

Heute Morgen wird der erneute Preisrückgang vom Freitag bestätigt. Gasöl kostet zu Wochenbeginn 373$ pro Tonne. Vor gut einem Monat lag der Preis noch über 500$.

Unsere Heizölpreise könnten schöner nicht fallen. Verbraucher sollten aber nicht erwarten, dass der Lauf so weitergeht. Im November wurde schon einmal demonstriert, wie plötzlich und wie heftig sich die Richtung ändern kann. Außerdem muss die Möglichkeit von verlängerten Lieferzeiten und auch von Lieferengpässen wegen der anziehenden Nachfrage berücksichtigt werden. Es ist immer gut mit etwas Zeitflexibilität zu bestellen. Das sichert niedrige Transportkosten und damit einen günstigen Preis.

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