Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Zweiter Versuch: Spritverbrauch runter

Sturm und strategische Reserven waren gestern. Heute ist alles so wie vorher. Die US-Konjunktur läuft schwach. Die Weltkonjunktur zeigt auch nicht das Wachstum, das ihre Apologeten erwarten. Die Finanzszene hofft weiterhin auf neue Mittel von den Gelddruckmaschinen. Die Notenbanken zeigen sich unentschlossen. Sie scheinen begriffen zu haben, dass damit nicht die Probleme der Zeit zu lösen sind. Der Ölpreis ist höher, als durch Produktionskosten und Konjunktur zu rechtfertigen wäre, und niedriger als Finanzjongleure ihn mit Blick auf ihre Gewinnsituation gerne sähen. Der Ölmarkt ist gut versorgt. Gleichwohl wünscht die Politik mehr Öl in der Hoffnung, damit die Preise senken zu können. Sie wünscht aber auch, dass der Iran, immerhin viertgrößter Produzent der Welt, keinen Marktzugang mehr hat. Der Ausschluss ist als Disziplinierungsmaßnahme gegen die Atompolitik des Landes gedacht. Außer Ölpreiserhöhungen in Europa und antiwestliche Ressentiments im Iran bringt er gar nichts. Den möglichen Bau einer Atombombe verhindert er definitiv nicht.

Die Gesamtlage lässt die Ölnotierungen zwischen leicht fallend und seitwärts dahin ziehen. Die aktuellen Meldungen über die Ölbestände in den USA taugen auch nicht für eine Richtungsänderung. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Datenverarbeitung zuständigen Institutionen, liefern ähnliche Zahlen zur wöchentlichen Veränderung. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,2 (DOE) bzw. 4,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt starke 91 Prozent. Die Gesamtbevorratung liegt weiterhin vier Prozent unter dem Vorjahr, wie diese Grafik zeigt.

Eine interessante Meldung kam gestern aus dem Hause Obama. Der noch amtierende Präsident will die Autoindustrie per Gesetz zur Halbierung des Spritverbrauchs ihrer Produkte bis 2025 bringen. Er reagiert damit auf eine sich ausbreitende Verbraucherpraxis, den Konsumverzicht. US-Bürger fahren angesichts der hohen Spritpreise weniger Auto. Dem kann man mit deutlich gesenktem Verbrauch der Fahrzeuge entgegenwirken. Man kann damit allerdings auch den volkswirtschaftlichen Gesamtkonsum senken, wenn man die Verhaltensänderung konserviert. Die Maßnahme greift dort an, wo die großen Gestaltungspotenziale einer nach vorne blickenden Gesellschaft liegen, bei der Nachfrage.

Obamas Initiative ist ein Griff in die Geschichte. Ein ähnliches Gesetz wurde nach der ersten Ölkrise in den 1970er Jahren erlassen. Es zeigte recht schnell Erfolg auf der Verbrauchsseite. Glücklich waren Amerikaner damit allerdings nicht, da sie die Sache als unamerikanisch ansahen. In der Ronald-Reagen-Ära wurde der alte amerikanische Traum von Unbegrenztheit und Dominanz wiederbelebt. Dazu gehörten auch noch größere Spritschlucker als zuvor. Für die amerikanischsten unter ihnen, die Offroader, soll das Obama-Gesetz Ausnahmen bereithalten.

Die deutsche Autoindustrie protestiert gegen die Ungleichbehandlung. Sie ist mit ihren gut verkaufbaren Luxuskarossen, die keine Ausnahme erhalten werden, schlecht für eine sparsamere Welt gerüstet. Diese Fahrzeuge für bestens verdienende Finanzjongleure sind zwar Hightech Produkte. Das in ihnen steckende Overengineering erfüllt allerdings nicht den Zweck, den die Mehrheit der Bevölkerung von einem Auto erwartet, preiswert und umweltfreundlich von A nach B zu kommen. Vielleicht gelingt Obama das, was deutsche Politik seit Jahren unterlässt, unserer Autoindustrie den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu diktieren.

An den Ölbörsen nimmt man davon keine Notiz. Die Notierungen ziehen seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 983,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,16 Dollar und in London zu 112,76 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,69 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen sich wenig bewegt. Sie stecken im aufwärtsgerichteten Trendkanal fest. Dabei haben sie in den letzten 14 Tagen das mögliche Abwärtspotenzial weitgehend ausgeschöpft. Charttechnisch sollten nun leicht steigende Heizölpreise folgen. Aber Charttechnik ist nicht alles. Ein ordentliches Ereignis - politisch, wirtschaftlich, naturell - kann die Lage ändern. Um die Heizölpreise kräftig zu drücken, bedarf es vor allen Dingen einer gewissen Börsenpanik. Derzeit ist die nicht in Sicht. Deshalb raten wir Verbrauchern mit einem fast leeren Tank, Heizöl zu kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen