Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Zwiespältige Hoffnungen

Die Ölpreise haben an den internationalen Märkten ein neues Rekordhoch erreicht. Die Heizölpreise in Deutschland bleiben indes unter dem Jahreshöchststand aus der vorletzten Woche zurück. An eine allgemeine Preisentspannung mag kaum jemand glauben. Dass sich Heizöl hierzulande von den exorbitanten Steigerungsraten des Weltmarktes abkoppelt, weil der US-Dollar in einen Abwärtssog gerät, ist ein wahrscheinliches Szenario.

Verbrauchern würde der Umstand keine Verbesserung der Lage bescheren. Denn selbst wenn von nun an auf mittlere Sicht eine Seitwärtsbewegung der Heizölpreise einsetzte, wäre dieser Preisvorteil gegenüber dem Weltmarkt teuer erkauft. Was für unser Heizöl kurzsichtig betrachtet gut zu sein scheint, wäre für die Konjunktur eine bittere Bille.

Der Ölmarkt zeigt sich in der seit Wochen und Monaten gleichen Verfassung. Konkret belasteten ihn die knapp gefüllten öffentlichen Vorratstanks und die Sorge, dass die Heizölversorgung bei Einbruch einer Kältewelle ins Stocken gerät. Die Verbrauchertanks in Deutschland aber auch in den USA sind relativ leer. Käufe wurden in den letzten Wochen mit eher kleinen Mengen getätigt. Dadurch konnte zwar der bisher erwartete Engpass vermieden werden. Das Problem ist aber nicht vom Tisch. In den alten Industrieländern schiebt der Markt eine Bugwelle übermäßig leerer Tanks vor sich her. Im positiven Fall bleibt sie ohne Wirkung, weil Verbraucher eine neue Stufe der Sparsamkeit entdeckt haben. Für Europa wäre das durchaus denkbar. In den USA gliche das einer Revolution.

Hinter den Woche für Woche in Form von Zahlen über die US-Vorräte sichtbaren Belastungen stehen noch immer nicht vollständig reparierte Sturmschäden an Förderanlagen im Golf von Mexiko und an Raffinerien im Süden der USA. Entgegen anders lautender Meldungen soll die Ausfallquote noch bei 25% liegen.

China zeigt sich unverändert nachfragehungrig. Das Land muss die einmal begonnene Industrialisierung durchziehen. Über 100 Mio. Arbeitslose wollen noch in neuen Fabriken untergebracht werden. Und diese Fabriken brauchen Energie. Die am schnellsten verfügbare Energie ist Erdöl. Damit lässt sich Prozesswärme aber vor allen Dingen Strom erzeugen. Um Erdöl zu bekommen, zahlt China fast jeden Preis. Das wird sich bis zu einer vermutlich unsanften Landung des Booms fortsetzen.

Die Preise werden von den fundamentalen Fakten aber auch von ihrem Trend getrieben. Der zeigt sich als äußerst stabil. In der letzten Woche war die Steigerungsrate eher moderat. Es liegt auf der Hand, dass sie in dieser Woche eine schärfere Gangart an den Tag legt. Die Höhe der Preise veranlasst allerdings immer mehr Marktteilnehmer auf fallende Preise zu setzen. Eine langfristige Betrachtung der Preisentwicklung nimmt den aktuellen Preisen das Stigma historischer Höhen. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Teuerung wären Rohölpreise um 80$ pro Barrel durchaus vertretbar.

Der Gasölpreis geht mit 502$ pro Tonne in die neue Woche. Der Wert liegt unter dem Freitagspreis. Als Zeichen einer Entspannung kann das nicht gewertet werden.

Unsere Heizölpreise geben sich auf hohem Niveau verhalten. Die Dollarschwäche macht das möglich. Insgesamt überwiegt die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Preissteigerungen und neue Jahreshöchststände anstehen. Wir können keine stichhaltigen Gründe für eine gegenteilige Bewegung ins Feld führen. Allenfalls mit einer nach wie vor nicht abgearbeiteten Gegenbewegung zu den hohen Preisen ließe sich eine Spekulation auf billigeres Heizöl begründen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen