Preisvergleich:

US-Zentralbank stoppt Ölpreisanstieg

Internationaler Markt

Zwei Ereignisse stoppten gestern den Höhenflug der internationalen Ölpreise: die amerikanische Zentralbank und der Wochenbericht des US-Energieministeriums. Brent-Rohöl drehte daher kurz vor der 75-Dollar-Marke gen Süden.

Der Wochenbericht aus dem amerikanischen Energieministerium erfüllte die hochgesteckten Erwartungen: Die Raffinerien arbeiten wieder mit voller Kraft. Die Rohölvorräte schrumpften deshalb deutlich um 7,4 Mio. Barrel. Auch bei Heizöl/Diesel gingen sie um 1,0 Mio. Barrel zurück. Nur bei Benzin kam es in der letzten Woche zu einem Lageraufbau um 2,0 Mio. Barrel. Auch die Zahlen zur Nachfrage fielen preistreibend aus. Es werden zur Zeit 2,7 Mio. Barrel pro Tag mehr verbraucht als vor einem Jahr.

Trotzdem konnte das Zahlenwerk die Trader nicht völlig überzeugen. Die Ölpreise reagierten nur kurz. Zum einen stieg erstmals seit Monaten die geschätzte Ölproduktion im Land um 0,2 auf 11,2 Mio. Barrel pro Tag. Das erinnerte daran, dass die US-Schieferölbranche zwar angezählt, aber noch nicht k.o. ist. Bei Binnenmarktpreisen um die 70 Dollar je Barrel trauen sich die Schieferölfirmen wieder mehr zu.

Die zweite Störung kam aus der Statistik selbst, denn die Zahlen passten nicht zusammen. Knapp 8 Mio. Barrel groß war der statistische “Restposten” in der letzten Woche, für den die Behörde keine Erklärung hatte. Die Raffinerien verarbeiteten weitaus mehr Öl, als es die Summe aus Nettoimporten, heimischer Ölförderung und Lagerveränderungen ermöglichen sollte.

Hier die Zahlen des DOE (Energieministerium) und des API (US-Branchenverband) im Überblick:

Rohöl: -8,5 Mio. Barrel (API) bzw. -7,4 Mio. Barrel (DOE)

Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (API) bzw. -1,0 Mio. Barrel (DOE)

Benzin: +2,9 Mio. Barrel (API) bzw. +2,0 Mio. Barrel (DOE)

Ölproduktion: 11,2 Mio. Barrel pro Tag (0,7 Mio. über Vorjahreswert)

Nachfrage (4-Wochen-Durchschnitt): 19,3 Mio. Barrel pro Tag (2,7 Mio. über Vorjahreswert).

Das Hauptereignis des Tages fand allerdings erst am Abend statt. Die amerikanische Zentralbank ließ durchblicken, dass die ersten Zinsanhebungen früher als erwartet kommen könnten. Zwar war nur vom Jahr 2023 die Rede, aber der Ton hatte sich geändert. Offenbar will man dem Anstieg der Inflation nicht allzu lange tatenlos zusehen.

Das hört sich noch nicht dramatisch an, aber Zinswenden in den USA gehören zu den wichtigsten Ereignissen für die globalen Finanzmärkte. Die Devisenhändler reagierten als erste. Der Dollar sprang in wenigen Minuten um über ein Prozent nach oben und blieb dort. Nervosität machte sich breit, und das allgemeine “Risk Off” stoppte dann auch die Ölpreise. Ein nennenswerter Preisrutsch fand jedoch nicht statt.

Heute Morgen starten die Ölpreise wie erwartet vorsichtig. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) steht bei 71,74 US-Dollar je Barrel Tendenz: fallend. Die Nordseesorte Brent kostet 73,94 US-Dollar je Barrel Tendenz: fallend. Rotterdamer Gasöl notiert bei 597,00 Dollar je Tonne Tendenz: fallend. Der US-Dollar ist 0,8348 Euro wert Tendenz: steigend. Damit steht der Euro bei 1,1975 Dollar Tendenz: fallend. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.

Nationaler Markt

Heizöl könnte heute billiger werden, springt aber am frühen Morgen erst einmal über 68 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter), so die aktuelle Heizölpreis-Tendenz. Der Rückgang der internationalen Ölpreise macht sich noch nicht bemerkbar.

Stattdessen belastet erst einmal der starke Dollar die deutschen Heizölpreise, da Rohöl für den Euroraum teurer wird. Hinzu kommt die Auftragsflut bei den Heizölhändlern, die hier und da höhere Margen ermöglicht.

Die Bestellmengen liegen nun schon die gesamte Woche weit über dem Durchschnitt. Immer mehr Preisoptimisten werfen das Handtuch, da die Preise immer höher klettern. Das schreckt nun offenbar viele Verbraucher auf. Pessimismus macht sich breit: Nur noch 50% der Stimmen setzen in der aktuellen Lesereinschätzung auf einen Preisrutsch – ein ungewöhnlich niedriger Anteil.

Die Preischarts helfen da nicht weiter: Die kurzfristigen Preiskurven brachen in den letzten Tagen nach oben aus ihren Preiskorridoren aus. Der mittelfristige Preistrend seit dem letzten Herbst wirkt stabiler denn je.

Das Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Kaufbereitschaft nach Preisanfragen misst, steht wie in den letzten Tagen nur auf der mittleren Stufe. Das deutet an, dass eher unfreiwillig gekauft wird. Ein Teil der Kunden hat zu lange auf einen Preisrutsch gewartet und muss nun kaufen. Andere Verbraucher haben die Hoffnung verloren und beißen jetzt in den sauren Apfel.

Was tun? Der starke Dollar könnte den Ölpreisanstieg kurzfristig stoppen, aber das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht. Wer demnächst ordern muss, sollte Preisrücksetzer nutzen und nicht zu lange abwarten.

Wenn Sie die Heizölpreisentwicklung optimal ausnutzen wollen, sollten Sie aber in jedem Fall genau wissen, wie viel Platz in Ihrem Tank ist. Der esyoil e-Peilstab plus hilft Ihnen dabei. Mit ihm können Sie Ihren nächsten Heizölkauf noch besser planen.

Doch nichts ist billiger als eingespartes Heizöl: Entwickeln Sie verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen, um Ihre Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen.

Klarstellung: Es gibt immer wieder Missverständnisse über die Zukunft der Ölheizung. Daher der Hinweis, dass das Heizen mit Öl durch den Gesetzgeber nicht verboten wurde, auch nicht ab 2026. Ab diesem Stichjahr müssen neue Ölheizungen mit einem regenerativen Anteil ausgestattet sein, beispielsweise mit Solarkollektoren für die Erwärmung von Brauchwasser. Weitere Informationen

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Heizölpreise-Chart vom 17 Juni 2021

Heizölpreise-Chart vom 2021-06-17
Deutschlandweite Durchschnittspreise vom 17 Juni 2021, pro 100 Liter (links) und 3.000 Liter (rechts). Preise inkl. MwSt.

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