Heizöl-Aktuell: Grünes Öl Bashing

Grünes Öl Bashing

19. Februar 2013

Heizöl wird gemäß einer von den Grünen in Auftrag gegebenen Studie zur „Preisfalle“. Der Autor, Steffen Bukold, fordert dazu auf, Raumwärme als größten Einzelposten der Endenergiebilanz im Rahmen der Energiewende entsprechend zu würdigen und Maßnahmen gegen die „wachsenden sozialen Probleme fossiler Energiepolitik“ zu entwickeln.

Geldpolitik treibt Energiepreise:
Das in der Studie prognostizierte Preisszenario sieht bedrohlich aus. Bis 2030 soll Heizöl doppelt so teuer werden wie heute. Ausschließen lässt sich das nicht. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass die an Banken- und Eurorettung orientierte Geldpolitik der Industrienationen hohe Inflationsraten hervorrufen wird. In den börsennotierten Ölpreisen kommt dieser Sachverhalt seit Jahren zum Ausdruck.

Andere Energieträger sind keineswegs frei von diesem Effekt. Bei ihnen verläuft er lediglich ruhiger und mit Verspätung zum Öl. Die relative Teuerung der Importpreise für Rohöl und Erdgas ist seit dem Jahr 2000 fast gleich. Rohöl war damals und heute 65 Prozent teurer als Erdgas. Seit 2009, also seit dem Beginn der lockeren Geldpolitik, stieg der Rohölpreis allerdings stärker als der Erdgaspreis. In den letzten zwölf Monaten beruhigte sich der exzessive Lauf der Ölnotierungen. Die Finanzwelt ist sich nun des Umstands bewusst, dass sie mit einem weiteren Preisanstieg eine weltweite Rezession provozieren würde. Zudem wächst das Ölangebot stärker als die Nachfrage. Im Ergebnis beschert die Lage Heizölkäufern heute tiefere Preise als vor zwölf Monaten, während alle anderen Energieträger teurer werden.

Heizöl kauft man im günstigen Moment:
Der Jahresdurchschnittspreis ist für die meisten Ölheizer nicht der Einkaufspreis. Im Jahresverlauf schwanken die Preise üblicherweise um mehr als 20 Prozent. Mit unseren Informationen, Charts, Texte, Tiefpreissystem, gelingt es Verbrauchern immer besser, günstige Momente zum Kauf zu identifizieren. Die Zugriffszahlen auf Heizölpreisinformationen im Internet sind erheblich höher als auf Gas- und Strompreisinformationen. Das ist ein Indiz für preisbewusstes Agieren in einem seit jeher liberalen Markt. Davon sind Kunden leitungsgebundener Energieträger weit entfernt. Sie müssen mit steigenden Durchschnittspreisen leben.

Kein Grund zur Entwarnung:
Die Situation am Heizölmarkt ist besser als ihr Ruf. Gleichwohl ist die drohende „Preisfalle“ keine üble Nachrede. Die Grünen verzichten aber auf den Hinweis, dass jedweder Energieverbrauch für Raumwärme auf dem heute üblichen Niveau in eine finanzielle Katastrophe führen kann. Das Problem kann nicht auf der Angebotsseite durch die Wahl des Energieträgers gelöst werden, sondern nur auf der Nachfrageseite durch eine zeitgemäße Energieauslegung der Wohnung. Das schreibt Steffen Bukold den Grünen zwar ins Stammbuch. Sie sagen es aber nicht weiter. Es passt nicht zum lang erprobten Lobbyismus für erneuerbare Energien.

Warum kommen die Grünen nicht zur Sache?
Nirgendwo treten „die Grenzen des Wachstums“ deutlicher zu Tage als im Bereich Raumwärme. Die Wohnungen sind zu groß und sie benötigen zuviel Energie, um die sich immer mehr Menschen auf der Erde bewerben. Das ist kein Problem der Wohlhabenden hierzulande. Es ist ein Problem, das sich von unten in die Mitte der Gesellschaft durchbeißt. Eine Lösung des Problems wird es nur geben, wenn liebgewordene Gewohnheiten der Bevölkerung aufgegeben werden. Dass Parteien darüber nicht mit ihren Wählern sprechen, ist eventuell nachvollziehbar. Dass die Grünen darüber nicht mit ihren Wählern sprechen, ist armselig. Es verstößt gegen ihre Gründungsideale.

Dabei steht nicht nur eine notwendige Debatte auf der Agenda. Es gibt sogar Wege aus der Misere. Anders als bei der Elektromobilität existieren für unsere Wohnungen längst technisch erprobte Lösungen in Form der Passivhaustechnik. In einem Amtsblatt der EU aus dem Jahr 2010 wird gefordert: “Es sind alle Energieeffizienz Potentiale in Gebäuden auszunutzen”. Danach dürften heute nur noch Passivhäuser gebaut werden. Sie reduzieren den durchschnittlichen Raumwärme-Energiebedarf deutscher Wohnungen um über 90 Prozent.

Für diese Forderung zu kämpfen, ist nicht die Sache der sonst so europaseligen Grünen. Und das wäre erst der Anfang. Wirklich zur Sache geht es bei den Bestandsimmobilien. Hier müssen sehr unbequeme Wahrheiten auf den Tisch. Zu groß, energetisch zu schlecht, zu wertlos wird die ehrliche Analyse in vielen Fällen lauten. Da drohen Lebensmodelle zusammenzubrechen, die durch soziale und technische Alternativen samt Finanzierungssystem aufzufangen sind. Welch großartige Aufgabe für gestaltende Politik, wenn diese an postfossiler Wirtschaft statt an keynesianischer Reparatur neoliberaler Exzesse mit Hartz IV Netz interessiert wäre.

Thema verfehlt:
Kaum etwas drückt inhaltslose Politik deutlicher aus als selbstgefälliges Öl-Bashing. Wer sich schwer tut, fünf Prozent des Endenergiebedarfs - soviel betrug die Atomenergie zu Spitzenzeiten - auf der Nachfrageseite in einer Zehnjahresstrategie durch schlaue Einsparung zu lösen, wird kaum in der Lage sein, das Zehn-Prozent-Problem Heizöl zu bewältigen. Über das Eliminieren des meistgebrauchten Energieträgers hierzulande, das ist Mineralöl, sollte er gar nicht reden. Wer in diesem Zusammenhang keine klaren Vorschläge zur Reduzierung der Nachfrage in einer Mischung aus Effizienz-, Suffizienz- und Finanzpolitik bietet, hat das Thema verfehlt.

Und der aktuelle Heizölpreis:
Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Aktuell schwingen die Ölbörsen den Taktstock. Der Devisenhandel probt Stillstand. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist sehr verhalten. Das hält die Margen niedrig. 3.000 Liter Heizöl kosten im Bundesdurchschnitt 3,5 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Wir hoffen, dass wir diese Aussage mit durch das ganze Jahr nehmen können. Wenn es gelingt, kommen ein paar nette Kaufmomente auf Sie zu. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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Heizölpreis-Entwicklung