Informationsdesaster
Der Stand von Ölvorräten gilt als Indikator für die Versorgungslage. Die Veränderung von Ölvorräten dient Finanzjongleuren als Impulsgeber ihrer Handelsaktivitäten. Damit werden Preise gemacht. Die Informationen werden kurz und griffig in wenigen Zahlen übermittelt. Sie wirken dadurch faktisch und objektiv. Genau so wünscht man sich eine Lagebeschreibung des Ölmarkts. Aber faktisch und objektiv ist leider gar nichts in diesem Umfeld. Zahlen werden gebogen und erlogen. Das betrifft besonders Daten über die Ölreserven. Bei den Vorräten sieht es nicht besser aus. Ohne ein Gefühl für den Wahrheitsgehalt von Informationen entsteht überhaupt kein schlüssiges Bild des Markts. Und selbst das erfahrene Gefühl kann täuschen. Eine Vielzahl von Informationen ist kein Beleg für die Transparenz des Informationsobjekts. Der Ölmarkt ist, wie viele andere Rohstoffmärkte auch, intransparent. Er leidet an Über- und Fehlinformation. Die Preisbildung ist demzufolge keine effektive Abbildung der Marktlage. Sie ist mehr oder weniger stark manipuliert. Als Beleg für die unbefriedigende Situation seien Daten über OECD-Ölbestände genannt. Vor einer Woche gab die EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums) Bestände auf einem Jahresendhoch seit 1994 an. Marktteilnehmern wurde also eine üppige Bevorratungslage präsentiert. Gestern gab die IEA (Internationale Energieagentur) für die gleichen Bestände eine höhere Zahl als die EIA an und nannte sie dennoch unterdurchschnittlich in einer Fünfjahresbetrachtung. Marktteilnehmern wurde also eine eher knappe Bevorratungslage präsentiert. Wir sagen, es ist genug Öl da, damit Sie nicht frieren müssen und Autofahren können. Dieses Öl ist heute im Rückblick relativ teuer und im Ausblick eher preiswert. Sie sind gut beraten, Ihre Verbrauchsmengen zu drosseln.
preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl:
Gute Konjunkturdaten weltweit
Chinas Ölverbrauch erreicht neues Hoch
Atomstreit mit dem Iran
Ausfälle nigerianischen Öls
Raffinerieprobleme in Europa
Globale Ölnachfrage wächst
preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl:
Irak will mehr Öl auf den Markt bringen
Ölembargo gegen den Iran verschoben
Schwere Schuldenkrise in den alten Industrienationen
Ratings wichtiger EU-Länder herabgestuft
Schwache Nachfrage der reifen Industrienationen
Unsere Heizölpreise sinken weiter. Gestern waren Öl- und Dollarnotierungen erneut auf der Seite der Verbraucher. Der glückliche Umstand mit Seltenheitswert hielt also an. Dass aus zwei freundlichen Tagen ein Trend wird, ist schwer vorstellbar. Mindestens einer der beiden Werte wird in Kürze die Richtung wechseln. Vergangenen Freitag haben wir ein maximales Abwärtspotenzial von sechs bis sieben Prozent angegeben. Die Hälfte ist nun erreicht. Jetzt wird die Luft dünner und die Anspannung eines spekulativ eingestellten Käufers größer. Ehe die Freiheit der Entscheidung zur Last wird, sollte die Kaufentscheidung fallen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.
- 19. Januar 2012
Leser-Kommentare
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schrieb am Donnerstag, 19. Januar 2012 - 21:05 Uhr:
vielleicht sind die Ölkäufer einfach mittlerweile total über-engagiert. Und hocken also auf zuviel Kontrakten. Wenn da was ins rutschen kommt !?:
...der Letzte macht dann das Licht aus !
..im warmen Winter ! -
schrieb am Freitag, 20. Januar 2012 - 9:24 Uhr:
Hallo Herr Bergmann,
werden hier Äpfel und Birnen verglichen? Die Angaben der EIA (www.eia.gov) beziehen sich meines Wissens auf die Lagerbestände der USA. Diese sind in der Tat auf einem Rekordhoch. Einen Langfristchart (1920-2011) kann man auch unter www.markt-daten.de finden (dort 'Research' wählen). Die OECD umfaßt 34 Staaten, vor allem aus West- und Mitteleuropa, aber auch Kanada, die USA, Mexiko, Chile, Japan, Südkorea und Israel. In Europa sind durch den Ausfall libyschen Öls in 2011 die Lagerbestände angegriffen worden, in Japan wird mehr Öl verbraucht als vorher, weil viele Atomkraftwerke ausgefallen sind. Es klingt daher plausibel, daß die OECD-Lagerbestände nicht überdurchschnittlich sein sollen. Nimmt man die USA (und vielleicht Kanada) heraus, so müssen die Lagerbestände der Rest-OECD sogar eher knapp sein. Nicht von ungefähr ist Brent-Öl immer noch teurer als das qualitativ höherwertige US-WTI. -
schrieb am Freitag, 20. Januar 2012 - 10:04 Uhr:
Sehr geehrter Wilfried,
Ihr Einwand ist naheliegend, aber er trifft nicht zu.
EIA estimates that commercial oil inventories held in the OECD ended 2011 at 2.64 billion barrels, equivalent to about 56.4 days of forward-cover (days-of-supply), which is the highest end-of-year level in terms of forward-cover since 1994.
Quelle: http://community.nasdaq.com/News/2012-01/oil-follo...yid=113459
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Bergmann