Reaktion total
Der Iran reagiert auf das angekündigte Ölembargo der EU so, wie man es von einem totalitären Regime erwarten darf. Er kappt seinerseits die Öllieferungen an die EU. Das jedenfalls ließ er gestern verlauten. Die EU will nach aktueller Erklärung im Juli mit dem Embargo beginnen. Die Erklärung lässt eine gewisse Ausführungsflexibilität offen. Der Iran will seinen Lieferstopp in der nächsten Woche in Kraft setzen. Eine elastische Auslegung lässt die totalitäre Kommunikation kaum zu. Nach eigener Erklärung sollen die weltweiten Ölpreise durch die Maßnahme in die Höhe getrieben werden. Dagegen werden Ölstaaten wenig einzuwenden haben. Die Sachlage sieht indes anders aus. Der Iran kann sein Öl nicht einfach behalten. Er muss es anderweitig verkaufen, weil er auf die Einnahmen dringend angewiesen ist. 60 Prozent der Wirtschaftsleistung hängen am Öl. Wenn der Iran als Konsequenz seiner Maßnahme größere Mengen bei den verbleibenden Kunden, allen voran China, absetzen will, wird er nicht höhere, sondern tiefere Preise realisieren. So ist das nun mal bei Sonderangeboten. Für die EU besteht in der Tat eine gewisse Gefahr für steigende Preise. Die dürfte aber begrenzt sein, da der Markt derzeit über ausreichende Mengen verfügt, um den Ausfall von rund 0,4 Mio. Barrel pro Tag verkraften zu können. Das Volumen ist deutlich geringer als die im vergangenen Jahr durch die libysche Revolution wegbebrochene Menge. Sie ist zum großen Teil wieder aufgebaut. Der Effekt auf das öffentliche Leben aus zu billig verkauftem Öl ist im Iran weitaus größer als der Einfluss zu teuer eingekauften Öls in der EU. Deshalb bleibt abzuwarten, was in den nächsten Tagen wirklich geschieht. Gestern sah man der Preisbewegung keine Unruhe an. Die kleine Aufwärtsbewegung verlief im Rahmen der Schwankung im Seitwärtstrend.
preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl:
Iran droht mit EU mit Ölboykott
Ausfälle von Lieferungen aus Nigeria und Sudan
Raffinerieprobleme in Europa
Chinas Ölverbrauch erreicht neues Hoch
Globale Ölnachfrage wächst
preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl:
IEA wird Reserven bei iranischem Ölausfall freigeben
IWF senkt Wachstumsprognose
Schwache Nachfrage der reifen Industrienationen
Irak uns Venezuela wollen mehr Öl auf den Markt bringen
Schwere Schuldenkrise in den alten Industrienationen
Unsere Heizölpreise steigen. Sie folgen den Ölnotierungen. Ein Trend ist daraus nicht abzuleiten. Den erwarten wir eher als Folge der Euro-Abwärtsbewegung. Zurzeit spielt die keine Rolle. Der Euro erholt sich seit einigen Tagen. Deshalb gaben die Heizölpreise nach. Die Umkehr der Preisbewegung beim Heizöl passt nun aber in das Chartbild. Demzufolge wäre in den nächsten Tagen eine Aufwärtsbewegung fällig. Sie kann sowohl aus den Öl- als auch aus den Dollarnotierungen in Gang gesetzt werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.
- 27. Januar 2012
Leser-Kommentare
Kommentar schreiben-
schrieb am Freitag, 27. Januar 2012 - 13:16 Uhr:
Ja, so wird's kommen: China schlägt kräftig Rabatt für's iranische Öl 'raus- wollen wir annehmen, dass es da wenigstens gewisse "Abkommen" für ggf. teilweisen (teuren) Weiterverkauf an uns gibt.
Im Übrigen hat die EU ja rd. 120 Tage Reserven. über deren Verwendung unser Herr Öttinger gestern verlauten ließ, bis Juli (!) eine "Roadmap" fertig zu haben. Guten Mooorgen...
Und gleichzeitig ein Zeichen für die Saudis, den Hahn ggf. nicht allzuweit aufzudrehen :-(
Aber
>Der Iran reagiert auf das angekündigte Ölembargo der EU so, wie man es von einem totalitären Regime erwarten darf<
unabhängig von der Haltung zum Iran: Was hat man hier erwartet? Dass der Iran auf das Embargo nach Ende der Heizperiode wartet, wenn Griechenland, Itlien usw. Ersatz gefunden haben? Etwas sehr naiv, finde ich; aber so ist unsere politische Führung eben. -
schrieb am Freitag, 27. Januar 2012 - 17:47 Uhr:
zum Thema : "schwache Nachfrage der reifen Industrienationen"
...hört man die heutigen Meldungen zu 71 MRD Steuereinnahmen nur Dez.2011, und recherchiert, ja was machen denn die anderen so :
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?refe...anguage=de
treibts einem doch schon wieder die Hutschnur hoch.
5-10 % weniger Steuern, aber ganz dick beim ESM Schirm aufspannen !....Unser Steuer Aufschlag beim Öl ist ja bekannt.
Herr Bergmann wird wissen welche Schlüsse daraus zu ziehen sind ! -
schrieb am Freitag, 27. Januar 2012 - 17:53 Uhr:
wieviel Luft "nach unten " der Ölpreis hat sieht man auch an Meldungen wie diesen : Quasi " Neue Götzentürme zum Öl-Wahn"
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bildstrecke-...-1.1266845 -
schrieb am Freitag, 27. Januar 2012 - 18:01 Uhr:
aller guten Dinge sind drei :
http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/artic...ergie.html
-
schrieb am Freitag, 27. Januar 2012 - 20:21 Uhr:
Habe heute 2000Liter getankt Preis je Liter 88Cent. Teuer ja aber immer noch besser als gar kein Öl.
Was solls vieleicht wird es ja noch teurer, dann habe ich nochmal Glück gehabt.
Und wenn der Preis fällt wird noch mal nachgetankt.
-
schrieb am Sonntag, 29. Januar 2012 - 21:22 Uhr:
Wenn der Ölpreis so überzogen hoch bleibt, da gibt es nur eine Alternative. Rauf mit den Löhnen in Deutschland, ganz einfach. Gewerkschaften rüstet euch!!!!!!!!!!