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HEIZÖL: Die Medizin wirkt nicht


Das Preisfieber steigt weiter. Die aktuell gute Versorgungslage kann es nicht stoppen. Als Erreger werden die unsichere Lage in Nigeria und der Atomstreit mit dem Iran angesehen. Für die Marktkonstitution sind beide aber von geringer Bedeutung, denn es ist nicht zu erwarten, dass sie ernsthafte Versorgungslücken verursachen. Der Ölmarkt leidet derzeit eher am Rausch. Gefeiert wird, dass die Ölparty in einer unbestimmten Zukunft vorbei sein wird. Die rauschverursachende Droge ist die gierige Gewinnerwartung vieler Marktteilnehmer. Zu ihnen zählen Banken, Fonds und vor allen Dingen die Ölgesellschaften selber, die ein Teil der Spekulationsgemeinde sind. In den letzten Monaten wurde der fallende Dollar als wesentlicher Grund für steigende Ölpreise genannt. Es wurde die Idee verbreitet, dass Ölversorger zur Kompensation der Währungsverluste die Ölpreise anhoben. Nun steigt der Dollar wieder, weil man der US-Konjunktur Vertrauen zurückgibt. Die Ölpreise steigen dennoch. Es trifft eben nicht zu, dass Endverbraucherpreise von Vertragspreisen mit staatlichen Öllieferanten abhängen. Sie werden durch die Börsen bestimmt.

Die gestern veröffentlichten Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die wöchentliche Veränderung der US-Vorräte fielen erneut positiv aus. Der Trend zum Aufbau von Rohölbeständen setzt sich fort. Die Zahlen im Einzelnen:

Rohöl: +5,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,4 (DOE) bzw. 0,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen in etwa auf gleichem Niveau wie in der Vorwoche. Im Vorjahr waren sie etwas höher. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin 85 Prozent. Der Wert ist schwach. Er zeugt von dem schlechten technischen Zustand vieler US-Raffinerien. Daneben mehren sich die Anzeichen, dass Gesellschaften ihre Kapazitäten brach liegen lassen, weil die nachgefragten Mengen als Folge der enorm hohen Preise sinken.

Im langjährigen Vergleich zeigt sich eine sichere mittlere Bevorratungslage. Sie ist fast identisch wie vor drei Jahren und deutlich höher als vor fünf Jahren. Die Preise sind hingegen mehr als doppelt so hoch wie vor drei Jahren und viermal so hoch wie vor fünf Jahren.

Hier stellt sich die Frage nach dem Wert der Ware Öl und dem spekulativen Preisexzess. Nach aktueller ungesicherter Erkenntnislage wird Öl in einigen Jahren knapp werden. Ungesichert ist das Wissen hierüber deshalb, weil es weder belastbare Daten über die wahre Verfügbarkeit gibt noch über die langfristige Verbrauchsentwicklung. Sicher ist nur, dass Öl als Ressource endlich ist und dass die Nachfragesteigerung der letzten Jahre nicht mit den Möglichkeiten der Förderentwicklung vereinbar ist. Weiterhin kann festgestellt werden, dass der Marktpreis für Öl nie seinem Nutzwert entsprach. Das wird deutlich, wenn man den Preis einer Tasse Kaffee und einer identischen Menge eines Ölprodukts vergleicht. Umgerechnet auf einen Liter kostet Kaffee in einem Selbstbedienungslokal mindestens 7,50 Euro. Der Liter Heizöl kostet 0,87 Euro. Vergleicht man den Nutzen beider Produkte, kommt man zu dem Schluss, dass das Ölprodukt spottbillig ist. Anders verhält es sich mit dem gefühlten Wert für Öl. Weil es in der Vergangenheit immer sehr billig war, wird es nach dem exorbitanten Preisanstieg der letzten Jahre nun als zu teuer empfunden. In Bezug auf den Nutzwert ist die Teuerung angebracht. In Bezug auf den Gewohnheitswert ist sie unangebracht. Und vor allen Dingen ist sie nicht gerechtfertigt, weil die Versorgungslage die Gewohnheit bisher nicht in Frage stellt.

Dass sie sie in Frage stellen wird, ist eine durchaus nahe liegende Vermutung. Auf einem reinen Warenmarkt würde diese Vermutung nicht ausreichen, um derartige Preissteigerungen hervorzurufen, wie sie Öl erlebt hat. Hierzu bedarf es eines papiergetriebenen Markts, eben einer Börse. Sie öffnet der Spekulation einen Raum, der größer ist als der Raum für die Ware selbst. Sie erhebt den spekulativen Wert eines Titels in einen höheren Rang als ihren realistischen Wert. So wird schließlich aus dem Spekulationswert ein Marktwert.

Was kann man aus den Gedanken über spekulative, gewohnheitsmäßige und nützliche Preisbildung nun schließen? Wahrscheinlich wird sich der hohe, durch Spekulation getriebene Preis als gerechtfertigt erweisen, wenn wir unsere Verbrauchsgewohnheiten nicht drastisch ändern. Durch einen Fortgang der Nachfragesteigerung wird dieser Preis im Nachhinein legitimiert. Im Umkehrschluss kann das bedeuten, dass deutliche Verbrauchssenkungen nicht nur Kosten aus sinkendem Bedarf sondern auch aus einem eventuell wieder sinkenden Preis bewirken. Dazu müssen unsere Verbrauchskunststücke, wenn sie denn endlich kommen, natürlich in die Welt exportiert werden.

Heute Morgen geben die Preise wieder allen Grund, sich um eben diese Verbrauchssenkungen zu kümmern. Die gestrigen Rekordniveaus werden gehalten. Die Tonne Gasöl kostet 1.140,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 123,93 Dollar.

Unsere Heizölpreise fliegen auf und davon. Zum Vorjahr haben sie durchschnittlich 37 Prozent bezogen auf 3.000 Liter zugelegt. Da die meisten Verbraucher mittlerweile kleinere Mengen ordern, ist die reale Steigerung noch größer. Eine Wende der Preisbewegung ist nicht in Sicht. Eigentlich müsste in dieser Lage ein wahrer Run auf alles, was Effizienz steigert, herrschen. Noch ist das aber nicht der Fall. Dennoch weisen wir hier wieder auf unsere Hilfe zum Wärmethema hin. esytrol.


08.05.08

Tiefpreis und Tageskommentar?

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Alle Kommentare:

esyoil-Team schrieb am 2008-05-09 13:35:22 Bezug Maja:

Das Gros der Neubauten wird mit Gasheizungen ausgerüstet. Die Entscheidung hierfür geht mit Sicherheit weder auf Verbrauchs-, noch auf Umwelt- und auch nicht Kostenüberlegungen zurück. Denn in Sachen Umwelt schneiden beide Produkte gleich ab. Bei den Kosten hat Öl im Jahresmittel Vorteile. Der wird bei sinkendem Verbrauch noch wachsen, weil die Gaswirtschaft die Anschlusskosten auf geringere Mengen umlegen muss. Das wird den Leistungspreis zusätzlich in die Höhe treiben. Der Erfolg der Gasheizung hat andere Gründe, z.B. Bequemlichkeit und eingesparter Raum aus fortfallender Bevorratung. Beides kann man aber auch als Nachteil ansehen.

Dass Alternativen beliebt sind, ist grundsätzlich gut. Zeigt es doch, dass Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Sache wird allerdings nicht funktionieren, wenn mit der Alternative nicht eine deutliche Verbrauchssenkung einhergeht. Siehe hierzu unseren Kommentar „Die Bundesregierung empfiehlt … den deutschen Wald zu verheizen“ vom 29.04.08.

Maja schrieb am 2008-05-09 07:31:00 Die hohen Heizölpreise treiben die Verbraucher in alternative Techniken. 90 % der Neubauten werden nicht mehr mit Ölheizungen bestückt. Ist das beabsichtigt?

juergen schrieb am 2008-05-08 20:17:53 Die Fiktionen von durch Energieträgern verursachten Kriege aus Büchern/Filmen sind vermutlich auch nicht mehr weit weg... Ich hoffe auf den großen Schlag innerhalb der Börse bei denen diese Spekulanten ihr ganzen, angelegtes Geld verlieren bzw. daran zugrunde gehen.

Hubert schrieb am 2008-05-08 19:31:32 Mit den Selbstheilungskräften der Wirtschaft sind wir doch schon mal reingefallen , z.B.
bei der Umstellung auf den Euro
hatten wir auch darauf gehofft,dass die Wirtschaft es schon richten wird. Der ins unendlich steigende Preis für das Öl passt so richtig zu unserem zur Zeit vorherrschenden Turbokapitalismus. Aber Achtung , hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los und die Gierigen bekommen doch noch eine aufs Maul, jeder Mensch hat eine begrenzte Schmerzfähigket.

Sukram schrieb am 2008-05-08 17:03:30 Einfach weniger verbrauchen:

"Um also eine kurzfristige Deckungslücke von sieben Prozent auszugleichen, müssen sich die Ölpreise um 50 Prozent erhöhen. Wenn man sich an diesen Anstieg gewöhnt, dann genügt ein Preisanstieg von 22 Prozent, um die Nachfrage um sieben Prozent sinken zu lassen."

http://www.energieverbraucher.de/de/Energiebezug/Heizoel/Ende_des_Oels/site__2142/content_news_detail__7164/back_cont_id__1131/

Allerdings seh' ich bei den Sprit-Absatzzahlen des MWV oder den Staumeldungen noch kaum eine Elastizität des "freien mündigen Bürgers"... die Linke wählen hilft auch nicht wirklich.

Gunnar Volkmann schrieb am 2008-05-08 15:54:55 Laut EIA ist liegt zur Zeit 4.Q 2007 Das Ölangebot bei 85,49 mio. Barrel pro Tag und die Ölnachfrage bei 86,8 mio. Barrel pro Tag. Also es sind 1,31 mio. Barrel pro Tag zu wenig auf dem Markt. Nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft führt die zu höheren Preis ohne das Spekulanten irgendwo Millionen von Barrel Öl verstecken, damit sie nicht auf den Markt kommen.

axel schrieb am 2008-05-08 12:39:25 Wer nochmal von den "Selbstheilungskräften der Wirtschaft", in diesem Fall der Spekulationswirtschaft mit Öl und anderen Energieträgern spricht, sollte man als austherapiert in die Psychiatrie für den Rest seiner Tage zwangseinweisen!Und unsere Regierung läßt uns Bürger mit den täglich steigenden Preisen im Stich ! Ihre Antwort darauf heißt Diätenerhöhung in eigener Sache auf über 16 Prozent, natürlich auch noch rückwirkend zum Januar diesen Jahres. Bei solchem Zuwachs würden uns Bürger die täglich steigenden Energiepreise auch nicht so sehr tangieren !

Uwe schrieb am 2008-05-08 12:16:33 Es ist schon als pervers zu bezeichnen, was derzeit in exzessiver Form (nicht nur) mit den Ölpreisen geschieht. Eine kleine Clique von Börsenspekulanten hängt wie ein Parasit an den Geldbeuteln des Normalbürgers und saugt ihn aus. Und keiner unternimmt etwas dagegen... Es müßte verboten werden mit Nahrungsmitteln und Energieträgern an der Börse spekulieren zu können! Die Politik und die Medien decken diese ganze Abzockerei auch noch. Wo soll das noch hinführen...




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Preisrückschlag dennoch unwahrscheinlich.

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Preise steigen trotz guter US-Bestandsdaten.

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Preise losgelöst von Fundamentaldaten.

 
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