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HEIZÖL: Jetzt erst mal entspannen


Die Preise geben zum Wochenstart nach. Sie drücken eine deutlich zu spürende Entspannung an den Märkten aus. Nach den tragischen Ereignissen in London und dem über das Festland der USA hereingebrochenen Sturm Dennis kristallisiert sich zunehmend die Meinung heraus, alles hätte viel schlimmer kommen können. Diese Stimmung hält auch übertriebene Bewegungen vom Devisenmarkt fern. Der Dollar reagiert aktuell auf unter den Erwartungen liegende Arbeitsmarktdaten für die USA fallend. Sowohl Ölpreise als auch Dollar werden langfristig weiterhin im Aufwärtstrend gesehen.

Am vergangenen Donnerstag sorgten die Terroranschläge in London für heftige Ausschläge an allen Börsen. Am Freitag gab es noch eine Art Nachbeben. Das endete schließlich positiv für Verbraucher. Die Rohölpreise fielen unter die 60$-Marke. Gegen Handelsschluss geriet die Preisbewegung bereits in den Einfluss spekulativer Entspannung, weil sich erahnen ließ, dass Hurrikan Dennis kein zweiter Ivan ist. Zwar wurden rund 42% der Tagesproduktion im Golf von Mexiko aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Die werden aber vermutlich kurzfristig wieder aufgenommen werden können. Im Gegensatz zu Ivan, der im letzten Jahr mit ungefähr vergleichbarer Wucht aber mit sehr langsamer Marschgeschwindigkeit durch den Golf zog und viele Anlagen allein durch seine Dauer zermürbte, bewegte sich Dennis schnell voran und rüttelte nur kurz an den Anlagen. Das, so hofft man, haben sie gut überstanden. Auf dem Festland lag nur eine einzige Raffinerie am Rand des Hurrikanwegs. Über Schäden ist nichts bekannt.

Die Preischarts offenbaren nun ein Bild, das durchaus von weiterer Entspannung im Rahmen des langfristigen Aufwärtstrends träumen lässt. Große Hoffungen bezüglich der Tiefe eines Preisrückgangs sind allerdings nicht angebracht. Insgesamt befindet sich der Markt in der Aufbauphase einer neuen Spekulationsblase. Das wird an den Engagements im Ölmarkt deutlich. Die großen Spekulanten (Banken, Investmentfonds) bauen sukzessive größere Nettopositionen auf steigende Kurse auf.

Erwartungsgemäß hat Gerhard Schröder die Gelegenheit in Gleneagles genutzt, die Spekulanten für die Preismisere verantwortlich zu machen. Erneut bläst er das Horn für mehr Transparenz am Ölmarkt als Heilmittel für die davonlaufenden Preise. Die häufige Wiederholung steigert nicht ihren Wahrheitsgehalt. Bezogen auf die Entwicklung von Preisspitzen hat er noch Recht. Die werden, wenn sie denn spekulativ sind, aber immer wieder abgebaut. Bezogen auf die langfristige Preissteigerung liegt er vollkommen falsch. Da täte er besser Politik und Diplomatie zu entwickeln, um den Verbrauch von Öl zu senken. Der wichtigste Ansprechpartner für das Thema sitzt mit am Tisch der G8, George Bush.

Bush hält die Ölpreise für eine ?ausländische Steuer auf den amerikanischen Traum?. Die Industriestaaten scheinen seine Meinung zu unterstützen, indem sie u.a. die OPEC-Staaten auffordern, mehr Öl zu fördern. Das Problem der fehlenden Raffineriekapazitäten in den USA wird nicht ausgeklammert. Die vorrangige Bedeutung wird aber nicht hervorgehoben. Sehr leise Töne werden schließlich zum Thema Energieeffizienz angeschlagen. Dass der ?amerikanische Traum? im Sinn von George Bush das Recht bedeutet, der Welt 25% der Ölproduktion zu entziehen und diese in einzigartiger Weise zu verschwenden, kann nicht laut genug angemahnt werden. Der Prokopfverbrauch in den USA ist ca. 2,6mal höher als in Deutschland. Es kann wohl niemand ernsthaft behaupten, dass wir unter Energiesparsamkeit litten. Mit kaum einem Programm ließen sich die Spekulanten besser aus dem Markt jagen als mit einem Energieeffizienzprogramm für die USA. Die Preise müssten heute kaum halb so hoch stehen, wenn die USA nur deutsche Maßstäbe des Verbrauchs hätten. Und die lassen sich beileibe noch deutlich verbessern. Wir alle bezahlen teuer für Bushs ?amerikanischer Traum?. Herr Schröder, ist das kein Wahlkampfsatz für Sie?

Heute Morgen gibt der Gasölpreis deutlich nach. Die Tonne kostet 528$. Am Freitag lag der Preis zeitweise über 560$.

Unsere Heizölpreise sinken. Diese erfreuliche Feststellung sollte Käufer ermutigen, als solche aufzutreten. Die Möglichkeit eines weiteren Preisnachlassens ist gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise bald deutlich teurer sind, ist allerdings höher. Carpe diem.

11.07.05

Tiefpreis und Tageskommentar?
 

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