News: International & National
HEIZÖL: Verbrauchsanalyse statt Marktanalyse
Preise kleben am langfristigen Aufwärtstrend.
Fallende Ölpreise geschehen von Zeit zu Zeit. Steigende Notierungen sind Zeitgeschehen. Auf diesen Nenner lässt sich die Preisbildung seit eineinhalb Jahren bringen. Der langfristige Aufwärtstrend ist schon älter. Er begann vor zehn Jahren. Bemerkenswert ist, dass der Wert eines Barrels Öl in dieser Zeit von einem Rekordtief zu einem Rekordhoch aufstieg. Zehn Jahre sind erfahrungsgemäß zu kurz, um das menschliche Handeln grundlegend zu ändern. Nicht mehr und nicht weniger scheint das Zeitgeschehen aber zu verlangen.
Am Anfangspunkt dieser Geschichte stand der absolute Überfluss, billiges Öl in nicht endenden Mengen. So schien es zumindest 1998. Autos wurden voluminöser, schwerer und stärker motorisiert. Die mobile Gesellschaft wurde neu erfunden. Mobilität wurde, wie zuvor unbegrenztes Wirtschaftswachstum, zur Gesellschaftsdoktrin erhoben. Neue Wohngebiete weit außerhalb der Zentren entstanden. Die Häuser wurden größer. Immerhin verlangten sie zum Heizen nicht mehr Öl und Gas als die Bauwerke der 1970er Jahre. Dafür sorgten Regeln, die ihren Ursprung in der Zeit des ersten Ölpreisschocks haben.
Warnende Stimmen, dass sich die Industriegesellschaft auf einem falschen Weg befindet, gab es schon damals. Hören wollte sie niemand. Heute mag man diese Stimmen immer noch nicht. Aber das Zeitgeschehen scheint ihnen Recht zu geben. Die Ressourcen auf die unser Wirtschaftswachstum aufgebaut ist, geraten viel schneller an den Punkt einer spürbaren Endlichkeit, als man das zu glauben bereit ist. Ob das wirklich so ist oder es sich aktuell um eine temporäre Energiekrise handelt, ist immer noch Gegenstand politischer und wirtschaftlicher Diskussionen. Nicht nur der wenig informierte Pendler auch der gut informierte Wirtschaftslenker, der Politiker und sogar der eine oder andere Wissenschaftler hängen weiterhin dem Traum nach, dass Ressourcenüberfluss eine tragfähige Grundlage für unsere Gesellschaft ist. Sie neigen dazu, sich von Herrschern über Ölfelder mit mangelhaft ausgeprägtem Wachstumsethos und von Völkern mit zu hoch entwickeltem Wachstumsstreben um die Fortführung ihres Gesellschaftstraums betrogen zu sehen. Für manche von ihnen ist sogar Krieg eine akzeptable Methode im Kampf gegen das Platzen des Traums von der Überflussgesellschaft.
Heute zeichnet sich deutlich ab, dass es viele Menschen gibt, für die das Festhalten an diesem Traum im Desaster enden wird. Man redet darüber in den Medien und in der Politik. Man redet, aber man handelt nicht. Betroffene führen das darauf zurück, dass die, die reden, nicht handeln müssen, weil sie nicht betroffen sind. Im Umkehrschluss hieße das, dass die Betroffenen selbst handeln müssen. Das klingt nach einem Aufruf zur Revolte. Warum nicht? Wogegen soll revoltiert werden? Gegen zu geringe Öl- und Gaslieferungen oder gegen einen Traum, der nicht zu halten ist. Ersteres bedeutet, sich gegen die Welt zu stellen. Man hätte nicht nur Ölförderländer zum Feind. Man machte sich auch Feinde unter den vielen konkurrierenden Verbraucherländern. Die Schlacht wäre bereits vor ihrem Beginn verloren. Bleibt also nur, gegen den Traum zu revoltieren, der für viele zum Albtraum wird. Die Revolte muss sich also gegen zu schwere Autos, gegen zu weit von Zentren entfernte Häuser und ihre Größe, gegen die Idee übertriebener Mobilität und gegen das Dogma von Wohlstandsteigerung über Verbrauchssteigerung richten. In der Terminologie der Märkte heißt das, wenn die Revolte auf der Angebotsseite ausgeschlossen ist, muss sie auf der Nachfrageseite stattfinden. Das Schwierige daran ist, dass sie Änderungen gewohnter Denk- und Handlungsweisen verlangt. Das Schöne daran ist, dass jeder umgehend mit Denken und Handeln beginnen kann. Eine derartige Veränderung bricht sich gerade den USA mit den Worten „yes we can“ Bahn.
An der Börse glaubt man noch nicht an diese Veränderung. Die Preise sind unwesentlich leichter als an den Vortagen. Die Tonne Gasöl kostet 1.276,25 Dollar. Die Tonne Rohöl kostet in New York 141,12 Dollar.
Unsere Heizölpreise geben etwas nach. Sie befinden sich knapp unter ihrem Allzeithoch. Ein Preisrückgang, der das Wort verdient, ist nicht in Sicht. Man ist auf alle Fälle gut beraten, sich intensiver mit dem eigenen Verbrauch als mit der Preisentwicklung des Marktes zu beschäftigen. Die Verbrauchsanalyse ist nicht minder spannend als die Marktanalyse. Langfristig ist sie aber die erfolgsversprechendere Betätigung.
von Klaus Bergmann
08.07.08
Hinterlassen Sie einen Kommentar:
Alle Kommentare:
schrieb am 2008-07-10 15:19:48
@misterdata: Das fossile Energie nicht nur ein Knappheitsproblem hat ist inzwischen Allgemeingut. Ich gestehe der Menschheit alle Rechte an den Gütern und Resourcen dieser Erde zu - allerdings sollte deren Nutzung angemessen intelligent und mit Rücksicht auf Mitbewohner und zukünftige Gernerationen erfolgen.
Das Kinderbuch: "Mats und die Wundersteine" (Author Marcus Pfister) zeigt den Unterschied zwischen einer sinnvollen Nutzung eines Gutes (gutes Ende) und Masslosigkeit (schlechtes Ende) exemplarisch. Natürlich stark überzeichnet und vereinfacht, aber viele Nachrichten und Beobachtungen aus der Erdölwelt passen m.E. in das Szenario eines schlechten Endes.
schrieb am 2008-07-10 09:05:29
@ fried: du irrst meines Erachtens in zahlreichen Punkten.
Um nur die Wesentlichsten zu nennen:
1. Zitat:"auf die wahren Täter zeigt: wir Verbraucher!"
Ohne Verbraucher würden die Güter nutzlos herumliegen. Niemand hätte davon einen Vorteil. Also ziemlich sinnfrei, dieses scheinbare Argument.
2. Spekulanten sind real. Dass der Löwenanteil dieser gewissenlosen Abzocke namens "Preissteigerung" an die Förderländer, die Vermarkter (im Westen vor allem die altbekannten Energiekonzerne) und an die per Steuer immer gierigen Regierungen geht ist ein offenes Geheimis. Die Finanzspekulanten bekommen nur ein paar Brotkrümel. Man sehe sich die Bilanzen der Staatskonzerne und der internationalen Energiekonzerne an.
3. Zitat:"diese endliche Resource in wenigen Jahrzehnten vergeuden."
Mal langsam. Niemand hat bisher bewiesen, dass Erdöl nicht regenerativ ist. Im Gegenteil, das populäre Glaubensbekenntnis aus dem 18.Jhrhundert bezüglich des auf mystische Art und Weise aus Tierkadavern erschaffenen Erdöls ist heute fraglicher denn je. Vorsichtig formuliert möchte ich sagen: die Frage, ob Erdöl auf unerklärliche Art und Weise aus Tierkadavern entstanden ist (in Sedimenten, das ist die Endlichkeits-Hypothese), oder sich in Wirklichkeit ständig neu aus dem Erdmantelmaterial in den Verwurfszonen neu bildet, ist eigentlich schon entschieden, da es keine Beweise für die Fossilien-Hypothese gibt. Dass die profitorientierten Kreise an der Verknappungstheorie festhalten kann nicht verwundern, damit lässt sich die Abzocke ja so schön populär begründen.
Allerdings ist eine Verbrauchsreduzierung trotzdem angesagt, weil auch die Regeneration der Öl-Fallen begrenzt ist und neue Bohrungen teuer sind.
schrieb am 2008-07-09 14:28:45 Endlich ein Beitrag der auf die wahren Täter zeigt: wir Verbraucher! Zum Abwinken dagegen die Antworten, mit Verweis auf die "Spekulanten". Wenn es tatsächlich möglich ist, Oel vom Markt zu kaufen, um es folgenden Generationen zu Verfügung zu stellen, so sollte deratige Investitionen gelobt und gefördert werden! Das viele Menschen durch den hohen Preis keinen Zugang zu Oelprodukten mehr hat, mag oft hart sein, ist aber nichts verglichen mit dem Umstand, dass wir mit dem heutigen Verbrauchsniveau diese endliche Resource in wenigen Jahrzehnten vergeuden.
schrieb am 2008-07-09 12:11:12
@ Reinert
Danke für die Blumen.
Mein Kollege Heiko Harlapp ist Jurist. Ich bin Ingenieur. Wer von uns der Verfasser des jeweiligen News-Textes ist, sehen Sie am Kopf der Seite.
Viele Grüße
Klaus Bergmann
schrieb am 2008-07-09 08:54:09 axel hat schon recht. Fakt ist, das Öl nicht knapp ist und noch mindestens für die nächsten 60-80 Jahre in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Ein Problem ist das Fehlen einer wirksamen Regulierung und Kontrolle der Rohstoffmärkte und der Börse. Die Politik tut so, als ob sie machtlos wäre gegenüber Spekulantentum, was fehlt ist einzig der Wille dazu. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die vielgepriesene Globalisierung, die Allen ja eigentlich nur Gutes bringt... Ein großer Teil des Weltölverbrauchs läßt sich wohl auf den (oft völlig sinnfreien) Transport von A nach B über weite Strecken zurückführen. Warum gibts z.B. im Supermarkt eigentlich fast nur noch Äpfel aus anderen Kontinenten? Profit- und Geldgier tragen die Hauptschuld an dieser Misere. Aber die "Heilige Kuh" des freien Welthandels darf ja keiner kritisieren und kritisiert auch keiner von den Politikern. Da zieht man lieber dem "kleinen Mann" das Geld aus der Tasche.
schrieb am 2008-07-08 22:55:13
Sie schreiben - fast - immer so schöne News- Texte.
Germanist(in)? BWLer/in?
schrieb am 2008-07-08 22:42:09
Wie es um die Energieeffizienz der Häuser steht, können wir nur schätzen. Wer das für sein Haus genau ergründen will, sollte esytrol verwenden. Das kostet nichts und mehrt das Wissen.
Nun zu unserer Schätzung für das Haus von Claus: Ein Verbrauch von 1500 Liter pro Jahr ergibt bei einer Wohnfläche von 150 qm einen Wärmebedarf 10 Liter/qm/a. Der Wert ist nicht schlecht. Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 20 Liter/qm/a.
Unsere Schätzung für das Haus von Taur: Ein Verbrauch von 1800 Liter pro Jahr ergibt bei einer Wohnfläche von 120 qm einen Wärmebedarf 15 Liter/qm/a. Das ist zuviel, auch wenn der deutsche Durchschnitt höher liegt.
Was sollte man anstreben?
Mindestens gemäß Energieeinsparverordnung 2002: 7 bis 8 Liter/qm/a
Besser als Niedrigenergiehaus: 3 bis 7 Liter/qm/a
Richtig gut als Passivenergiehaus: < 1,5 Liter/qm/a
Möglich wird das mit einer guten Dämmung und einer Umluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Als Heizung kommt eine kleine Ölbrennwertanlage zum Einsatz. Die wird es in den kommenden Jahren mit geringeren Leistungen geben als heute üblich. Die Realisierung der Maßnahmen kann man selbstverständlich über viele Jahre strecken.
Vor der Tat sollte man sich unbedingt mit Hilfe von esytrol die genaue Kenntnis der Ist-Situation verschaffen. Nach dem Erkenntnisgewinn sollte man einen Energieberater konsultieren, um die nötigen Maßnahmen für das Haus zu planen.
Das kostet natürlich Geld. Aber zu teures Heizen kostet auch Geld und zwar dauerhaft.
Das Warten auf Taten seitens der Politik wird im Wesentlichen vergebens sein. Politiker können nicht am Ölpreis drehen. Sie können nur die Steuern senken. Das würde aber keinen nachhaltigen Effekt haben, da der Ölpreis langfristig weiter steigen wird. Besser wäre es, die Steuern hoch zu halten und das unplanmäßig eingenommene Geld als Investitionshilfe für Energiesparmaßnahmen wieder auszuschütten. Das hätte dann den gewünschten, nachhaltigen Effekt.
Auf andere Energieträger auszuweichen, bringt überhaupt keine Nachhaltigkeit ins Spiel. Es verlagert nur das Problem. Langfristig werden alle Energieträger teurer.
Viele Grüße
Ihr esyoil-Team
schrieb am 2008-07-08 18:33:58
Ich kann beiden nur zustimmen... Unser Haus ist Bj.72 und verbraucht ca. 1700-2000L/Jahr und das mit einer ca. 12 Jahren altem Kessel (Brenner ca. 2 Jahre alt). Als Schwabe ist einem das Sparen in die Wiege gelegt worden und schaue somit immer wo man noch mehr sparen kann. Gerne würde ich die Heizung gegen eine sparsamere austauschen, nur gegen welche Technik? Gas gibt es hier nicht, eine Brennwert-Ölheizung bringt vielleicht nur kurzfristig etwas (evtl. auch gar nichts bei Zukunft des Brennstoffes) und Pellets haben nach meiner Ansicht auch keine wirkliche Zukunft. Das einzige was ich mir gerne zulegen würde wäre eine Wärmepumpe aber dafür hat ich als Normalverdiener leider nicht die nötige Kohle da ja schon die Bohrung alleine über 20TEUR kosten würde wobei es nicht mal geklärt ist ob es bei uns erlaubt ist.
Die einzigen denen das vielleicht egal ist sind diejenigen die mit ihren spritfressenden SUVs/Premiumfahrzeugen herumfahren.
schrieb am 2008-07-08 15:21:34 Ich kann Axel da nur voll zu stimmen - ich habe 2002 Gebaut - das Haus Verbraucht ca. 1500 Liter pro Jahr (Wasser und Heizung) damals kostete der Liter keine 50 Cent wenn ich also den Tankk 3000 Liter voll mache dann kostet mich das Heute fast 3000 Euro also 1500 pro Jahr - sicher würde nsich viele darüber freuen so wenig zu verbrauchen, aber ich weiß echt nicht, wie ich dies noch bezahlen soll - nut 1500 Liter nehmen und auf einen milden WInter hoffen ! ? !?
schrieb am 2008-07-08 12:13:52 Sinnvoller Umgang mit fossilen Energieträgern heißt sicher Verbrauchsoptimierung.In Deutschland zumindest ist das seit der ersten "Ölkrise" Anfang der 70ger beim Durchschnittsbürger immer schon Thema, denn im Mittelstand war nie zuviel Geld verdient worden, daß man in diesem Bereich nicht sparen mußte, oder durch z.B. verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung dazu animiert wurde. Was jetzt jedoch stattfindet ist das Spiel durchgeknallter,von unersättlicher Gier geplagten Spekulanten, denen bisher nicht aufgefallen ist, daß das Leben, ja, auch ihres, endlich ist und sie ihre Lebenszeit mit der Gier nach immer mehr Reichtum verplempern. Dazu kommt eine Politik, die sich in Sonntagsreden ergeht und man hat ja davon auch schon in Magazinen gehört, gibt es politische Entscheidungsträger die in diversen Energiefirmen durch wohldotierte Aufsichtsratsposten selbst von den immer höher steigenden Energiepreisen profitieren. Guter Rat ist hier eben für uns Bürger, wie immer teuer !Wie gesagt, mehr als Energie optimiert einsparen geht nicht ! Wir Bürger sollten überlegen ob, und wen wir in Zukunft politisch wählen ! Mehr Möglichkeiten sehe ich im Moment nicht.












