Dass der Modernisierungsbedarf im deutschen Wärmemarkt enorm ist, ist keine neue Erkenntnis. Wie veraltet es aber in deutschen Heizkellern zugeht, hat jetzt der Bundesverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) in einer neuen Studie noch einmal herausgearbeitet. Über 20 Prozent der 17 Millionen Heizungen sind über 24 Jahre alt und gehören eigentlich aus dem Verkehr gezogen. Und da weitere rund 70 Prozent des Kesselbestandes ebenfalls ob ihres Alters viel zu geringe Wirkungsgrade aufweisen, sind nur rund 10 Prozent der deutschen Heizungen auf dem aktuellen Stand der Technik.
„Privathaushalte verbrauchen über vier Fünftel der Energie für Heizungen und Warmwasseraufbereitung. Es lässt sich kein Klimaziel erreichen, wenn der Bestand an Heizungsanlagen nicht erneuert wird", monierte BDH-Präsident Klaus Jesse bei der Vorstellung der neuen Studie. Die beste Anregung für Investitionen in Energiesparmaßnahmen seien bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, so Jesse. Die von Professor Manfred Kleemann vom Forschungszentrum Jülich erarbeitete Studie stellt zwei Szenarien auf. Im Referenzszenario wird von einem anhaltend langsamen Modernisierungstempo im Wärmemarkt ausgegangen. Folglich lassen sich hier nur geringere CO2 Einsparungen von unter 10 Prozent bis 2020 erzielen. Das Leuchtturmszenario setzt dagegen ein hohes Modernisierungstempo voraus. Die Zahl der Brennwertkessel z.B. steigt von 388.000 jährlich (2006) auf 950.000 (2020), bei Solaranlagen erhöht sich die Jahresrate von 188.000 auf 705.000. Auch die energetische Modernisierung der Gebäudehüllen wird kräftig ausgeweitet. Außerdem sollen beim Heizöl 10 Prozent Bioöle und beim Erdgas 20 Prozent Biogas eingesetzt werden. Dadurch lassen sich, so die Studie, bis 2020 rund 32 Prozent CO2 einsparen - das sind etwa 60 Millionen Tonnen pro Jahr - und etwa ebensoviel fossile Energieträger vermeiden. Wird diese Strategie fortgeführt, sind zehn Jahre später, also 2030, sogar CO2-Einsparungen von rund 45 Prozent oder 82 Millionen Tonnen möglich.
Für all dies sind natürlich immense Investitionen notwendig. Betragen die jährlichen Mehrinvestitionen für den Klimaschutz im Wärmemarkt 2020 laut Referenzszenario rund 6 Milliarden Euro, kommen durch die Maßnahmen im Leuchtturmszenario noch einmal 16 Milliarden Euro hinzu. Das schafft zusätzliche Arbeitsplätze, die die Studie bis 2020 auf rund 309.000 schätzt. Und da dann auch deutlich weniger Öl und Gas benötigt wird, sinkt die Importrechnung für diese Energieträger 2020 verglichen mit 2006 um rund 8 Milliarden Euro, wobei etwaige Preissteigerungen noch gar nicht berücksichtigt sind. Kumuliert man die Geldbeträge zwischen den Jahren 2006 bis 2020, haben die Forscher um Professor Kleemann Einsparungen von mindestens 40 Milliarden Euro errechnet. Aber auch die deutsche Heizungsindustrie profitiert davon, wenn hierzulande modernere Technik eingesetzt wird. Laut BDH entfallen heute rund 60 Prozent des heizungsindustriellen Umsatzes auf deutsche Firmen. Wird mehr in moderne Technologie investiert, lässt sich die Weltmarktführerschaft, die deutsche Unternehmen in diesem Bereich heute einnehmen, weiter ausbauen, mit entsprechenden Chancen für den Export, schließt die Studie.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 25/07 vom 18. Juni 2007 Seite 4
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