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ConocoPhillips: Ölgesellschaften müssen sich neu erfinden
eid ConocoPhillips, größter Erdgasproduzent der USA, hat im ersten Quartal dieses Jahres den Gewinn um 17 Prozent auf 4,1 Milliarden US-Dollar gesteigert. Auf der Upstreamseite profitierte das Unternehmen von höheren Öl- und Gaspreisen als zur gleichen Vorjahreszeit, aber auf der Downstreamseite hat sich der Gewinn im Vergleich zu Januar bis März 2007 auf 520 Millionen US-Dollar halbiert. Stagnierende und teilweise sogar sinkende Nachfrage machen es den Raffinerien unmöglich, die Rohstoffpreissteigerungen an Kunden weiter zu geben. Das zeigt sich auch am Anteil des Rohölpreises an dem für Benzin. Normalerweise pflegt er nach einer Untersuchung der Rice University bei 60 Prozent zu liegen. Gegenwärtig ist er auf 65 bis 70 Prozent gestiegen. Bröckelnde Raffineriemargen in den USA sind nicht die einzigen Sorgen privater Ölgesellschaften. Beschränkter Zugang zu ölhöffigen Gebieten, zunehmende Ressourcenkonkurrenz durch staatliche Ölgesellschaften, Knappheit an Fachkräften zwingen die Unternehmen nach Ansicht des ConocoPhillips-Chefs, Jim Mulva, sich neu zu erfinden, neue Wege zur Energieerzeugung zu suchen Nutzung von Schwerstölvorkommen, Verflüssigung von Kohle, synthetische Kraftstoffe aus Gas und aus Pflanzenabfällen oder tierischen Fetten bis hin zum Wasserstoff. Das jüngste Beispiel ist der Einstieg der BP in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der brasilianischen GrupoMaeda und der Santelisa Vela. Die drei Unternehmen wollen 1 Milliarde US-Dollar in die Tropical Bioenergia investieren für den Bau von zwei Raffinerien, die aus Zuckerohr Ethanol erzeugen (...) Shell ist auf der Suche nach dem optimalen erneuerbaren Energieträger und verfolgt dabei viele verschiedene Wege über Biomasse, Enzyme, Algen, hat aber offenbar noch nicht den richtigen gefunden, in den das Unternehmen große Summen investieren will.
Begrenzte Investitionsmöglichkeiten bei hohen Einnahmen haben die privaten Ölgesellschaften bisher davon abgehalten, sich in branchenfremden Gebieten zu engagieren, wie das vorübergehend in den 1970/80er Jahren mit Büromaschinen, Warenhäusern, einem Zirkus etc. der Fall gewesen war. Diesmal verwenden sie die Mittel für den Rückkauf eigener Aktien und zur Ausschüttung von Dividenden. Für diese Zwecke haben ExxonMobil, BP, Chevron, Shell und ConocoPhillips zwischen 1998 und 2006 nach einer Studie des James A. Baker III Institute 56 Prozent ihres Mittelflusses verwendet. Daneben fließen mehr Mittel in Forschung und Entwicklung, denn die meisten privaten Ölgesellschaften sehen in high-tech Technologie einen wichtigen Baustein für ihre Zukunft. ConocoPhillips hat in den letzten zwei, drei Jahren die Mittel für die Suche nach neuen Energieträgern auf 150 Millionen US-Dollar im Jahr verdoppelt.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 19/08 vom 05. Mai 2008 Seite 26

