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Deutsche Bank sieht Bioenergie als Hoffnungsträger


"Das Ölzeitalter nähert sich bald seinem Ende", mahnt die Deutsche Bank Research. Bioenergie werde zunehmend wettbewerbsfähig und habe teilweise die Gewinnzone erreicht, heißt es in ihrer neuesten Studie. Bioethanol wird in Brasilien heute schon auf dem Preisniveau fossiler Kraftstoffe erzeugt. Wachstumsgrenzen setzten Acker- und Forstflächen.

Nur ein Vorgeschmack auf künftige Entwicklungen am Energiemarkt ist der aktuelle Preisanstieg von Erdöl, Erdgas und Kraftstoffen, mahnt die neue Studie der Deutsche Bank (DB) Research, die am Mittwoch in Frankfurt der Presse vorgestellt wurde.

DB Chefvolkswirt Prof. Norbert Walter geht aber davon aus, dass mit dem gegenwärtigen Niveau von 60 $/Barrel Rohöl (1 Barrel: 159 1) vorerst der Höhepunkt erreicht ist und der Ölpreis mittelfristig fällt. Bis 2030 werde aber der Punkt erreicht, so Walter, wo sich neu entdeckte Ölquellen und globaler Verbrauch die Waage halten.

"Spätestens dann wird der Einsatz von Erneuerbaren Energien drängen, um von der energetischen Nutzung des wertvollen Rohstoffes Öl wegzukommen", erklärte Walter gegenüber der VDI nachrichten. Künftige Generationen bräuchten schließlich auch noch Öl.

Der Markteintritt Erneuerbarer Energien könnte sich laut Walter zusätzlich beschleunigen, "wenn erste Hurrikans Washington verwüsten". Die Rückversicherer trügen schon jetzt gewaltige Folgekosten des Klimawandels; weitere Naturkatastrophen könnten den globalen Klimaschutz dynamisieren. Ein Hoffnungsträger: Bioenergien. "Sie ist der Alleskönner unter den Erneuerbaren", heißt es in der DB-Studie, "weil sie zur Erzeugung von Elektrizität, Wärme und Kraftstoff. brauchbar ist". Schon heute führe Biomasse mit einem Anteil von über 60 % das Feld der Erneuerbaren an. Insgesamt deckten Erneuerbare hierzulande 4% des Primärenenergiebedarfs. Tendenz stark steigend.

Biomasse hält dem Wettbewerb mit Öl/Gasheizungen am Wärmemarkt schon stand. So kostete 1 kWh einer Holzpelletheizung Anfang 2005 halb so viel wie die einer Ölheizung. Auch biogener Kraftstoff kann mancherorts schon mit fossilem Kraftstoff konkurrieren. So wird Bioethanol in Brasilien heute auf dem Preisniveau fossiler Kraftstoffe erzeugt. Dagegen ist die Produktion von Biokraftstoffen hierzulande so teuer, dass sie erst bei Ölpreisen um 100 $/Barrel wettbewerbsfähig wäre. Noch stützt die Politik heimische Biokraftstoffe durch Steuerbefreiung und Importzölle.

Angesichts günstigerer Randbedingungen anderswo müsste fossile Energie auch über importierte Erneuerbare substituiert werden, so Walter. Dafür hätten die Industrieländer jedoch ihren Protektionismus einzustellen. Aber es sprächen gute Gründe für den Aufbau eigener Produktionskapazitäten. Wie schon im "Kyoto-ProtokoII" vereinbart, seien Klimaschutzmaßnahmen nicht nur dort zu ergreifen, wo die Vermeidung von Treibhausgasen billig sei. "Die technologische Front ist in den Industrienationen, so Walter. Die Investitionen könnten sehr lukrativ werden, wenn es gelinge, Technologien in energiehungrige und bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien zu exportieren, die den Ausbau der Bio-Energien forcieren.

Quelle: VDI Nachrichten Nr. 29 vom 22.Juli 2005 Seite 1