Heizöl von esyoil

esyoil Special:

Die Rückkehr des Preismachers


Die OPEC ist laut BP- Chefvolkswirt Christof Rühl wieder sehr erfolgreich als Preismanager. Durch Senkung der Förderquoten wurden die Preise hoch getrieben.
Durch Marktreformen vor 30 Jahren lebte noch ein Drittel der Weltbevölkerung in Ländern mit staatlich kontrollierter Wirtschaft ist die Weltwirtschaft flexibler geworden, wenn es darum geht, ein hohes Wirtschaftswachstum mit geringerer Energieintensität zu verbinden. Das ist von besonderer Bedeutung, wenn wie 2007 und auch in diesem Jahr die Preise für alle wichtigen Brennstoffe steigen. Seit 2003 ist Öl um 300 Prozent, gehandelte Kohle um 200 Prozent und Erdgas in den USA um 100 Prozent teurer geworden. Beim Öl sind die vergangenen sechs Jahre die längste Preissteigerungsphase seit 1861, erklärte der Chefvolkswirt der BP, Christof Rühl, bei der Vorstellung des "BP Statistical Review of World Energy", in den Jahr für Jahr 55.000 Daten eingehen.
"BP Statistical Review": 55.000 Daten Jahr für Jahr
Hintergrund der nach oben gerichteten Preisentwicklung auf den Energiemärkten der Welt ist ein robustes Wachstum der Weltwirtschaft. 2007 lag das Wachstum mit 3,1 Prozent erneut über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Dagegen hat der Weltenergieverbrauch nur um 2,4 Prozent zugenommen. Aber etwas hat sich dabei verändert. Während früher der Energieverbrauch vor allem in den industrialisierten Ländern zunahm, stammt der Zuwachs inzwischen aus den Ländern außerhalb der OECD. Heute sind die "Entwicklungsländer" an der Zunahme des Primärenergieverbrauchs zu 90 Prozent beteiligt. Das liegt daran, dass diese Staaten für 1.000 US﷓Dollar ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) noch die Energie von fast 700 Litern Öleinheiten benötigen, wogegen die OECD﷓Länder dabei mit weniger als 225 Litern Öleinheiten auskommen. Öl ist der Brennstoff, dessen Preis 2007 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres am stärksten und dessen Verbrauch am geringsten gestiegen ist. Mit 1,1 Prozent nahm der Verbrauch unterdurchschnittlich zu. Aufgrund hoher Preise kam es in den OECD Ländern zum stärksten Rückgang der Nachfrage seit 1983, während in den Öl exportierenden Ländern und den schnell wachsenden Schwellenländern der Ölkonsum zunahm. Dazu hat in diesen Regionen die staatliche Subventionierung der Ölprodukte beigetragen. Dort, wo Regierungen die Preise für Ölprodukte niedrig hielten, lag die Verbrauchssteigerung über dem Zehnjahresdurchschnitt. Dort, wo Ölprodukte hoch besteuert sind, sank die Nachfrage. Im vergangenen Jahr wurde fast ein Viertel des globalen Ölverbrauchs zu subventionierten Preisen verkauft. Inzwischen ist das manchen Ländern zu teuer geworden. Auch sie haben inzwischen mit dem Abbau von Subventionen begonnen. Entscheidend für die Entwicklung der Ölpreise war nach Rühls Ansicht 2007 das Wiederauferstehen des erfolgreichen Preismanagements der OPEC. Nachdem die Preise für OPEC Rohöl 2006 und Anfang 2007 unter 50 USDollar je Barrel gefallen waren, wurden die Förderquoten zweimal gesenkt. Auch in den OECD Ländern nahm die Förderung ab. Die Ölproduktion der Welt ging vergangenes Jahr um 0,2 Prozent auf rund 3.906 Millionen Tonnen zurück. Auch in vielen OECD Ländern wurde zuletzt weniger Öl produziert, entweder wegen natürlicher Erschöpfung der Vorkommen wie in Großbritannien und den älteren norwegischen Ölfeldern, oder aber weil zuwenig in den Aufschluss neuer Felder investiert wurde wie zum Beispiel in Mexiko. In Russland bewirkten ein ungünstiges Steuersystem und mangelnde Investitionen zu Beginn 2008 einen Rückgang der Ölförderung. Es gab aber auch Steigerungen der Ölproduktion, in Nordamerika und in den meisten zentralasiatischen Ländern. Eine unzureichende Raffineriekapazität kann laut Rühl nicht mehr als Grund für den Anstieg der Ölpreise genannt werden. Die Kapazitäten würden derzeit doppelt so schnell vergrößert wie in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als 60 Millionen Tonnen Verarbeitungskapazitäten hinzugekommen. Damit könne zumindest für Rühl die Diskussion über zu wenig Raffinerien als Grund der Preissteigerung beendet werden.
Rasant wachsende Raffineriekapazitäten weltweit
Rühl bezeichnete es als schwierig, einen kausalen Zusammenhang der Finanzspekulationen mit den Ölpreissteigerungen herzustellen. Die vorliegenden Daten deuteten darauf hin, dass die Fundamentaldaten oder veränderte Wahrnehmungen von künftigen Trends nicht von den Finanzmärkten geschaffen werden. Doch seien sie bestens gerüstet, das Auf und Ab zu beschleunigen. Der Ölpreis steigt laut Rühl in erster Linie, weil der Markt gewissen Einschränkungen unterliegt. Erstens wurde die Reaktion des Angebots gedämpft: 2007 durch OPEC﷓Quoten, längerfristig durch politische Probleme in Ländern wie Irak, Iran und Nigeria. Zweitens beschränken staatliche Kontrollen den Zugang privater Investitionen in einer Reihe von Ölregionen wie etwa Russland. Hinzu kommen Hemmnisse bei der Verwirklichung neuer Vorhaben wie zum Beispiel Kosteninflation und unzureichende Zulieferkapazitäten. Der Gasmarkt befindet sich in einem Übergang von einem Markt mit regionalen Verfügbarkeiten hin zu einem global integrierten Markt. Dabei spielt das verflüssigte Erdgas (LNG) eine wichtige Rolle. 2007 war Gas mit einem Anstieg des Verbrauchs um 3,1 Prozent der einzige fossile Brennstoff mit beschleunigtem Wachstum. Der LNG Handel nahm um mehr als 7 Prozent zu und hat am gesamten Handel mit Gas einen Anteil von 29 Prozent erreicht. Im bilateralen Gashandel per Pipeline verdeutlichten Unterbrechungen das Risiko. Im vergangenen Jahr stoppte der Iran Gaslieferungen an die Türkei, weil er seinerseits kein Gas von Turkmenistan bekam. Chile sah sich vor großen Problemen, als Argentinien, Bolivien und Brasilien wegen gestiegenem heimischen Bedarfs ihre Gaslieferungen einstellten. Die Kohle war im vergangenen Jahr der Brennstoff mit dem stärksten prozentualen Wachstum. Der globale Kohlekonsum stieg um 4,5 Prozent. Mehr als 50 Prozent des Anstiegs des Primärenergieverbrauchs der Welt wurden durch Kohle gedeckt. Die Kohlemärkte sind der Größe nach und örtlich sehr konzentriert. Jeweils 41 Prozent der Förderung und des Verbrauchs finden in China statt, fast ein Fünftel der Produktion und des Konsums entfallen auf die USA. Nur 15 Prozent des globalen Kohleverbrauchs werden gehandelt. Die erneuerbaren Energien expandieren rapide und mit staatlicher Unterstützung, ausgehend von einer sehr niedrigen Basis. In einigen Ländern spielen sie bereits eine bedeutende Rolle, so zum Beispiel Bioethanol in Brasilien und in den USA oder die Windenergie in Europa. Das Ethanolangebot hat im vergangenen Jahr 0,7 Prozent des gesamten Ölverbrauchs erreicht und beeinflusst das Benzin und Raffineriegeschäft in Brasilien und den USA, kann jedoch noch nichts am globalen Ölmarkt bewirken. Wind, Solar und geothermische Energie sind schätzungsweise zu 1 bis 1,5 Prozent an der Stromerzeugung der Welt beteiligt, haben aber in Dänemark, Deutschland, Portugal und Spanien einen zweistelligen Anteil an der Kapazität erreicht.
Deutsche Politik ohne Einfluss auf globale Ölpreisbildung
Eine Preisprognose lehnte Rühl ebenso ab wie Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI) in der anschließenden Podiumsdiskussion, in der er für das Wirken lassen der Marktkräfte eintrat, damit Angebot und Nachfrage bei Öl elastischer auf Preise reagieren können. Bettzüge betonte die Vorteile hoher Energiepreise für Innovationen, Investitionen, Forschung und Entwicklung und den Klimaschutz. Damit verbundene Anpassungskosten müssten aber abgefedert werden, allerdings nicht über den Preis. Sollte der Ölpreis zu stark sinken, könne man das gegebenenfalls durch CO, Abgaben ausgleichen. Reinhard Schultz (SPD), Mitglied des Bundestages, wies darauf hin, dass er und seine Kollegen kaum den globalen Ölpreis beeinflussen könnten. Er sieht in hohen Ölpreisen einen Anreiz für eine gesteigerte Energieeffizienz, eine Hilfe für erneuerbare Energieträger, warnte aber vor Verwerfungen. So habe man das Wohngeld erhöht, spreche über die Pendlerpauschale und Sozialtarife bei Strom und Gas. Die Regierung habe schon immer über Steuern in den Energiemarkt eingegriffen wie zum Beispiel bei der Ökosteuer und damit das heutige Hochpreisszenario vorweggenommen.

Energie Informationsdienst 26/08 23.06.2008 S.4