
esyoil Special:
Es wird wieder mehr nach Erdöl gebohrt
Im laufenden Jahr werden die Aufwendungen der Ölgesellschaften
für Exploration und Produktion (E&P) in Folge höherer Erlöse für Öl und Gas um fast 9
Prozent steigen und nach einer Umfrage von Lehman Brothers 157,8 Milliarden Dollar
erreichen. Während sich diese Ausgaben in den USA nur um etwas mehr als 4Prozent erhöhen
dürften, wachsen sie außerhalb der USA um rund 12 Prozent. 60 Prozent der befragten
Unternehmen wollen ihre E&P-Etats 2005 noch weiter aufstocken, wobei diese im
Durchschnitt in den USA auf Preisen von etwa 28 Dollar je Barrel WTI und 4,75 Dollar je
Million Kubikfuß für Gas beruhen. Mit einem drastischen Verfall der Preise wird nicht
gerechnet, aber ein Abschlag von 5 bis 8 Dollar je Barrel wird bei Entspannung der
politischen und logistischen Situation nicht ausgeschlossen.
Dies sind gute Nachrichten für Firmen im Öldienstleistungsgeschäft wie Schlumberger,
Halliburton und andere. Die Entwicklung hat sich auch auf die Beschäftigung von
Bohranlagen ausgewirkt. Die verlässlichsten Angaben darüber macht Baker Hughes in ihrem
International Rotary Count. Danach waren im Juni dieses Jahres in der Welt außerhalb der
USA 841 Bohranlagen dabei, Bohrungen abzuteufen. Das waren 72 mehr als im Juni 2003. In
Europa hat sich die Zahl der arbeitenden Bohranlagen allerdings vermindert. Das ist ein
Anzeichen, dass hier wie auch in den USA kaum ausreichend attraktive öl- oder gashöffige
Gebiete verfügbar sind, so dass sich die Explorationsaktivitäten verstärkt jungfräulichen
Regionen wie dem Nahen Osten oder Südamerika zuwenden, wo die Aussichten auf
vielversprechende Funde größer sind.
Das Ausmaß ist bei den einzelnen Ölgesellschaften unterschiedlich, in dem die gestiegenen
Gewinne zur Erhöhung der E&P-Etats beitragen. Repsol YPF will beispielsweise 85 Prozent
mehr für die Öl- und Gaserschließung ausgeben. Bei der Petroleos de Venezuela sind es 51
Prozent, bei Total 15 Prozent, bei ConocoPhillips 14 Prozent und bei Shell 3 Prozent. BP
und ExxonMobil beabsichtigen keine deutlichen Erhöhungen im E&P-Bereich. Sie gehören zu
der Gruppe von Großgesellschaften, die schon seit längerem jährlich zwischen 10 und 15
Milliarden Dollar für die Suche nach Öl und Gas aufwenden und deren E&P-Etats nicht mit
den Ölpreisen zu schwanken pflegen. Diese Gruppe bleibt bei ihrer langfristigen Strategie
und orientiert sich bei ihren langfristigen Projekten an relativ niedrigen Preisen
zwischen 16 und 20 $/b. Den auf Grund hoher Preise vermehrten Zufluss von Mitteln
verwenden sie für Dividenden, Rückkauf eigener Aktien und den Abbau von Schulden.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 35 vom 23. August 2004 Seite 9

