
esyoil Special:
Gasversorger läuten Preiserhöhungsrunde ein
Von Jürgen Flauger, Handelsblatt
Die Gaspreise für private Haushalte werden in den kommenden Wochen kräftig steigen. Als einer
der ersten Gasversorger kündigte die Oldenburger EWE AG an, sie werde die Tarife zum ersten
September um gut 13 Prozent anheben. Andere Versorger erwägen ebenfalls Preisschritte.
Verbraucherschützer wiesen die EWE-Preise als "völlig überzogen" zurück.
Die steigenden Gaspreise treffen auch die Industrie. "Die Kosten ziehen spürbar an", sagte ein
Sprecher des Verbands der industriellen Energiewirtschaft (VIK), der Großkunden vertritt.
In Einzelfällen hätten Mitgliedsfirmen von Preissprüngen um 15 Prozent berichtet.
Die EWE AG begründete den Anstieg mit der Ölpreisbindung. Der Ölpreis ist zuletzt kräftig
geklettert. Der Regionalversorger, der in der Region Ems-Weser-Elbe und in Brandenburg rund
730 000 Gaskunden versorgt, erhöht den Gaspreis inklusive Steuer um 0,46 auf 3,94 Cent. Für
einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 30 000 Kilowattstunden falle die
jährliche Gasrechnung damit um rund 139 Euro höher aus, erklärte die EWE.
EWE-Chef Werner Brinker sagte, er erwarte, "dass auch andere Erdgasversorger ihre Preise
deutlich anheben". In der Tat hat bereits eine Reihe von Versorgern - etwa die Kölner
Rhein-Energie oder die Berliner Gasag - angekündigt, dass sie die Tarife erhöhen wird. Da in
der Regel das Gaswirtschaftsjahr am 1. Oktober beginnt, wollen sie die neuen Preise erst Mitte
September festlegen. Die Tendenz ist nach Angaben des Bundesverbandes der Gas- und
Wasserwirtschaft (BGW) aber eindeutig: Die gestiegenen Ölpreise machten eine Anpassung der
Erdgaspreis erforderlich.
Von den Erhöhungen wären in Deutschland rund 19,5 Mill. Haushalte betroffen. Der Verbrauch
steigt seit Jahren an. In 75 Prozent der Neubauten werden die Heizungen mittlerweile mit Gas
betrieben.
Traditionell ist in den Verträgen, welche die Versorger mit den Ferngasgesellschaften
schließen, die Preisentwicklung an den Ölmarkt gekoppelt. Seit dem Frühjahr hat sich der Preis
für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 40 Prozent auf über 40 Dollar erhöht.
Für Verbraucherschützer lassen sich damit aber nicht Preisschritte rechtfertigen, wie sie die
EWE jetzt angekündigt hat. "Das ist nicht nachvollziehbar", sagte Aribert Peters, Vorsitzender
des Bundes der Energieverbraucher. Die Lieferanten der Kommunalversorger würden ihre Preise
schließlich nur um rund sechs Prozent anheben, argumentierte Peters.
Deutschlands größter Gasimporteur Eon Ruhrgas hatte im Mai angekündigt, die Preise im Herbst
vermutlich um sieben bis acht Prozent zu erhöhen. Tatsächlich werde der Preisschritt aber noch
darunter liegen, sagte ein Sprecher des Unternehmens gestern. Hintergrund: Die Referenzperiode
für die Preisrunde, die am ersten Oktober beginnt, endete am 30. Juni. Bis dahin hatte sich
die Lage am Ölmarkt etwas entspannt. Der kräftige Preisanstieg der vergangenen Wochen wird
deshalb erst mit Beginn der nächsten Referenzperiode im Januar in die Gaspreise einfließen.
Hinzu komme, sagte Peters, dass die Bezugspreise, die die Versorger den Endkunden in Rechnung
stellten, nur ein Drittel der Gasrechnung ausmachten. Eine Erhöhung des Bezugspreises um sechs
Prozent dürfte sich bei den Preisen für die Verbraucher deshalb nur mit zwei Prozentpunkten
niederschlagen.
Die EWE wies die Kritik zurück. Die Gaspreise der EWE seien kurzfristig an die Entwicklung der
Ölmärkte gebunden. Im bundesweiten Vergleich gehöre die EWE - auch nach der Anhebung der
Preise - zu den günstigsten Anbietern.
Quelle: HANDELSBLATT, Düsseldorf, Freitag, 27. August 2004, 08:22 Uhr

