
esyoil Special:
Hohe Ölpreise nicht auf Knappheit zurückzuführen
Mit durchschnittlich 28,83 Dollar je Barrel Brent-Öl erreichten die
Rohölpreise im vergangenen Jahr den höchsten Stand der letzten 20 Jahre. Dies liege jedoch
nicht an knappen Reserven, so BP Chef-Volkswirt Peter Davies bei der Vorstellung des "BP
Statistical Review of World Energy 2004" in der Bundeshauptstadt Berlin." Die Produktion mag
zwar in einigen Regionen ihren Höhepunkt überschritten haben, das ist aber kein Grund für die
hohen Preise, die aktuell notiert werden." Davies verwies auf außergewöhnliche Ereignisse,
die für Dramatik auf den Energiemärkten gesorgt haben. Dazu zählt er den Krieg im Irak,
Lieferunterbrechungen in Venezuela und Nigeria, den stark steigenden Energiehunger Chinas und
Japans Probleme mit der Kernenergie - 17 von insgesamt 54 Reaktoren mussten wegen
Sicherheitsbedenken vom Netz genommen werden, fünf sind noch heute nicht wieder im Dienst -
sowie die Angst vor Terroranschlägen, insbesondere in Saudi-Arabien, dem weltgrößten Ölland.
Trotz all dieser Turbulenzen sei die Versorgung sicher gewesen, die OPEC habe dabei eine
wichtige Rolle gespielt.
Der jüngste BP-Review setzt die globalen sicher nachgewiesenen Erdölreserven mit 1,15 Billionen
Barrel an. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs um 10 Prozent. Bei Zugrundelegung der
heutigen Produktionsraten würde dies eine Förderung für weitere 41 Jahre sichern. Mit 67
Jahren kommt Erdgas auf eine noch längere Reichweite; hier wurde die Reservenschätzung um 13
Prozent auf 176 Billionen Kubikmeter angehoben.
Seit 1980, dem Jahr, auf das die neuen Datenserien des Review zurückgehen, seien zwar etwa 80
Prozent der damals bekannten Ölreserven gefördert worden, Explorationserfolge und neue
Technologien hätten jedoch dazu geführt, dass die heutigen Reserven um 70 Prozent höher lägen,
so Davies. Auch beim Erdgas gelte, dass die Reserven in den letzten 30 Jahren kontinuierlich
gestiegen seien und seit 1980 mehr als eine Verdoppelung zu registrieren sei. Der Forschung und
technischen Neuerungen sei dies ebenso zu verdanken wie der Erschließung von Erdgasreserven
durch Verflüssigung und anderer Technologien.
Die globale Nachfrage nach Erdöl hat sich 2003 gegenüber 2002 um 2,1 Prozent auf 78,1 Millionen
Barrel pro Tag erhöht. Die Region Asien/Pazifik kam dabei auf ein überdurchschnittliches Plus
von 4 Prozent. Relativ moderat um 2 Prozent auf 2.591 Milliarden M3 erhöhte sich der Verbrauch
an Erdgas. Dies ist dem Nachfragerückgang um 5 Prozent in den USA geschuldet. Außerhalb der USA
erhöhte sich die Nachfrage im Schnitt um mehr als 4 Prozent. Der Absatz von verflüssigtem
Erdgas (LNG) wuchs überdurchschnittlich um 12 Prozent.
China und Russland haben Davies zufolge die Energiemärkte im vergangenen Jahr besonders
beeinflusse. Bei einem Anstieg des Bruttosozialprodukts um 9 Prozent sei Chinas Energiebedarf
um 13,8 Prozent gewachsen. Bei Öl, Gas, Kohle und Kernkraft seien jeweils Zuwachsraten von über
10 Prozent registriert worden. Das Land, seit 1993 Ölimporteur, habe seine Importe im
vergangenen Jahr um 600.000 Barrel oder 32 Prozent auf 2,6 Millionen Barrel pro Tag
gesteigert.
"Russland ist eine ganz andere Geschichte", so Davies. Anders als in China, das
energieintensive Produktionen aufbaue, habe sich die Energieintensität der russischen
Wirtschaft verringert. Andererseits habe das Land seine Energieproduktion seit 1998 deutlich
erhöht. Zwischen 1998 und 2003 habe Russland 46 Prozent des weltweiten Mehrverbrauchs an Öl
abgedeckt. 2003 sei die russische Ölproduktion um 845.000 Barrel auf 8,5 Millionen Barrel pro
Tag gestiegen. Russland gleiche so durch höhere Produktion das Wachstum in China aus.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 28 vom 05. Juli 2004 Seite 15

