Seit dem Ende der Sowjetunion sind die Öl- und Gasvorkommen der zentralasiatischen Länder bei nationalen und internationalen Energieunternehmen begehrt. Seitdem die Kernenergie eine Renaissance erlebt, gilt das nun auch für die dort liegenden Uranvorkommen. Immerhin lagern allein in Kasachstan nach Angaben der World Nuclear Association 816.000 Tonnen oder 17 Prozent der Uranressourcen der Welt, die nur noch von Australien übertroffen werden. Bis 2010 beabsichtigt Kasachstan seine Uranförderung zu vervierfachen und sich vor Australien und Kanada an die Spitze der Welt-Uranförderer zu setzen. Usbekistan verfügt über Uranressourcen von 116.000 Tonnen und plant, seine Förderung von rund 2.300 Tonnen bis 2010 auf 3.000 Tonnen im Jahr zu steigern. Die Uranvorkommen in Kirgisien sind kleiner als in den Nachbarländern, aber bei steigenden Uranpreisen kann auch dort die Urangewinnung wirtschaftlich werden.
Russland möchte gern die Kontrolle über die Atomwirtschaft der zentralasiatischen Länder wiedererlangen, die es zu Sowjetzeiten ausgeübt hat. Diesem Ziel dient der Vertrag über die friedliche Nutzung der Kernenergie, den Russlands Staatspräsident, Wladimir Putin, und sein kasachischer Kollege, Nursultan Nazarbajew, Anfang 2005 unterzeichnet haben. Russland hat zwar selbst erhebliche Uranreserven, aber seine Förderung sinkt. Das russische Atommonopol Rosatom sucht daher für seine Kernkraftwerke und den Export Uran aus zentralasiatischen Ländern, wie Isabel Gorst im „Petroleum Economist" schreibt. So bildeten Rosatom und Kazatomprom in diesem Oktober ein Gemeinschaftsunternehmen zum Betrieb der beiden Uranbergwerke Süd Zaretschnoje und Budjennowsk. Sie gründeten in der kasachischen Hauptstadt ein weiteres Unternehmen unter der Firma Atomic Stations. Es soll kleine und mittlere Kernkraftwerke in Kasachstan, Russland und anderen Ländern projektieren. Ein drittes Joint Venture soll im sibirischen Angarsk eine Urananreicherungsanlage betreiben.
Aber Kasachstan lädt auch andere Länder zu Engagements in seiner Uranindustrie ein. Unternehmen aus Frankreich, Kanada und Japan verhandeln über Schürfrechte. Bei seinem Besuch in Kasachstan unterzeichnete der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt einen Kooperationsvertrag, der japanischen Firmen den Weg in dem Land ebnen soll. Das Unternehmen Itochu schloss einen Zehnjahresvertrag über den Uranimport aus Kasachstan.
Auch Usbekistan stattete Koizumi einen Besuch ab, doch dort wird der Uranbergbau von der staatlichen Navoi Mining and Metallurgy dominiert, die auch für den Abbau von Gold und Diamanten verantwortlich ist. Korea Resources hat eine Absichtserklärung unterschrieben, bei der es um den Bau eines Uranbergwerks in der Wüste Kisilkum geht, wo die meisten Uranvorkommen des Landes liegen. Daneben spricht Navoi über Uranprojekte mit einem russischen Investor.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 03/07 vom 15. Januar 2007 Seite 26
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