Heizöl von esyoil

esyoil Special:

Majors verdienen viel Geld im Papierölhandel


Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit verdienen die großen weltweit operierenden Ölunternehmen immer mehr Geld aus dem Handel mit Ölfinanzderivaten und Ölfutures. Dieser Geschäftszweig hat bei einigen Majors eine Größenordnung erreicht, die sie mit den traditionell im Commodityhandel führenden Banken konkurrieren lässt. Doch während die mit Vertrieb, Verarbeitung und Produktion von Öl und Gas erzielten Gewinne in den Geschäftsberichten erläutert und dargestellt werden, fehlen Angaben über die Ergebnisse des Handelsbereiches. Diese Zurückhaltung macht Rating-Agenturen und Investment-Analysten Sorgen. So fragen sich diese Institutionen zunehmend, ob beispielsweise eine BP Trading die gleiche Kreditwürdigkeit erhalten sollte wie das gesamte Unternehmen, obwohl die Handelsaktivitäten ein viel größeres Risiko in sich bergen.

Doch auch aus veröffentlichten Handelsergebnissen lässt sich zunächst nicht ohne weiteres erkennen, wie sie sich zusammensetzen, ob sie also aus dem physischen Ölhandel oder aus dem Handel mit Derivaten und Futures kommen. BP, Royal Dutch/ Shell und Total verfügen heute über Handelsabteilungen, die in der Personalstärke mit denen von Großbanken konkurrieren können. Shell allein beschäftigt 240 Ölhändler, bei BP und Total soll die Zahl noch höher liegen. Und den Majors erwächst ein unschätzbarer Vorteil: Im Vergleich zu Banken sind sie Tag täglich im physischen Ölhandel tätig. Sie verfügen damit über einen kontinuierlichen Fluss von Marktinformationen, die Banken in diesem Umfang und mit dieser Schnelligkeit nicht zugänglich sind. Unter den großen privaten Ölgesellschaften hat bisher nur die größte, ExxonMobil, auf jedweden Handel mit "Papieröl" verzichtet. Dieses Geschäft passe nicht zu Exxons Stil, heißt es in Handelskreisen. In Houston habe man nur wenig Vertrauen in diesen so genannten "Papierölmarkt".

Aber auch andere Multis zeigen neuerdings zunehmende Zurückhaltung im Bereich der spekulativen Handelsgeschäfte. Die Furcht vor Manipulationsvorwürfen wachse stetig, heißt es aus dem Markt. Die britische Financial Services Authority drohte kürzlich damit, sich eingehender mit dem Derivaten- und Futureshandel beschäftigen zu wollen als bisher. Bei den Aufsehern wachse die Besorgnis um die Einhaltung ihrer Vorschriften; konkrete Vorwürfe gegen einzelne Ölfirmen wurden allerdings nicht publik.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 02 vom 10. Januar 2005 Seite 009