Heizöl von esyoil

esyoil Special:

Neue Spitze bei Erdgaspreisen


Mit durchschnittlich rund 1,600 Euro für 33.540 kWh, das entspricht einer Haushaltsmenge, die mit 3.000 Ltr. Heizöl vergleichbar ist, müssen die Erdgasverbraucher ab 1.Oktober mehr für ihren Brennstoff ausgeben als Mitte 2001, als in der Folge der Heizölrekordpreise im Herbst 2000 (über 50 Euro/100 Ltr., zurzeit 47 Euro/100 Ltr.) die Gaspreise nachgezogen waren. Das ist das Ergebnis der neuesten Umfrage des EID. Die Heizölverbraucher kommen derzeit auf etwa 1,400 Euro für 3.000 Ltr.. Die Erdgasrechnung ist damit nicht nur deutlich höher als zu Beginn der Gasmarktliberalisierung im August 2000 (..., siehe Charts Gaspreisvergleich, Anm. esyoil), sondern sie ist die höchste, seit der EID im Jahre 1989 mit seiner vierteljährlichen Umfrage bei den Gasversorgern begann. Zu Jahresbeginn 2005 sind weitere Gaspreiserhöhungen wahrscheinlich.

Die Oldenburger EWE hatte schon Ende August mit Wirkung zum 1. September eine Erhöhung ihrer Gastarifpreise um rund 11% angekündigt (...). Am 20. September hatte E.ON Hanse erklärt, ihre Tarife durchschnittlich um 10% zu erhöhen. Zum 1. Oktober erhöhen außerdem die Stadtwerke in Frankfurt/M. (+9%), Nürnberg (+6%), München (+7%), Magdeburg (+6%), Dresden (+4%) und Chemnitz (+4%). In Stuttgart, Rostock und Berlin will man zum 1.10. die Preise zunächst unverändert lassen. In Hannover, Essen, Kassel, Köln und Frankfurt Oder hatte man kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch keinerlei Entscheidung getroffen. Die zum 1. Oktober angekündigten Preisentscheidungen beziehen sich auf eine Abnahme von 33.540 kWh/a. Der EID wird in seiner nächsten Ausgabe eine vollständige Preisübersicht der regelmäßig befragten 16 Versorger veröffentlichen.

Die Gastarifpreise folgen den Preisen für leichtes Heizöl mit einer durchschnittlichen Verzögerung von einem halben Jahr. Allerdings sind die Verträge der Firmen mit ihren Vorlieferanten unterschiedlich. So haben die Verträge der EWE, die wesentliche Teile ihres Einkaufsportfolios direkt vom inländischen Produzenten bezieht und selbst aus den Niederlanden importiert, relativ kurze Anbindungsfristen, so dass die Bezugspreise häufiger, nämlich monatlich, angepasst werden. Veränderungen der Ölpreise haben bei EWE eine kurzfristigere Wirkung als bei den meisten anderen Gasversorgern, das erklärt auch die kräftige Erhöhung ihrer Gastarifpreise bereits zum 1. September, denn gerade in den Monaten davor waren die Heizölpreise erheblich gestiegen.

Dennoch: Die Ermittlung der Preise für Erdgas sei intransparent, hatte sich in den vergangenen Wochen nicht nur der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, beklagt. Ein wenig Licht lässt sich in die Diskussion schon bringen, auch wenn sich nicht alle Geheimnisse lüften lassen, da die Verträge von den Unternehmen streng vertraulich behandelt werden. Da Gas in Deutschland zu ca. 80% importiert wird, sind die Importpreise der erste wichtige Baustein der Bestimmung der Gaspreise. Im Wesentlichen wird das Gas durch Ruhrgas, VNG Verbundnetz Gas, Wingas, RWE, ExxonMobil, Shell und EWE importiert. Auf der Exportseite stehen den deutschen Importeuren neben der russischen Gazexport, der holländischen Gasunie und der dänischen DONG mindestens fünf norwegische Unternehmen, angeführt von Statoil, und eine Reihe von Unternehmen in Großbritannien gegenüber. Nach Abschätzung von Marktteilnehmern sind die norwegischen Verträge zu ca. 75% an leichtes Heizöl (HEL) gebunden. Zugrunde liegen die monatlichen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes für eine Lieferung von 40 - 50hl für die drei Orte Düsseldorf, Frankfurt am Main und Mannheim/Ludwigshafen, die sogenannte Rheinschiene. Zu gut 20% sind die Preise an schweres Heizöl (HS) gebunden. Auch hier wird die Rheinschiene-Notierung des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Zu einem ganz geringen Teil sind die Verträge an Importkohle gebunden. Zudem sind in einigen Verträgen mittlerweile zu geringen Anteilen Bindungen an Spotmarktnotierungen enthalten. Dies können nur Bindungen an den englischen OTC-Markt (NBP), die englische Gasbörse IPE oder die OTC-Preise in Zeebrugge sein, da ansonsten keine entsprechend liquiden Märkte existieren. Gegenüber den inländischen Verträgen mit den Stadtwerken unterscheidet sich die Indexierung dadurch, dass Notierungen ohne die Mineralölsteuer verwendet werden. Die Verträge werden entweder vierteljährlich oder monatlich angepasst. Bei den norwegischen Verträgen soll eine vierteljährliche Anpassung überwiegen. Bezüglich der niederländischen Verträge besteht zumindest bei den Verträgen der EWE eine monatliche Anpassung. Für die Preisanpassung wird für HEL häufig ein Durchschnitt über sechs Monate zugrunde gelegt. Die Verzögerung gegenüber dem Zeitpunkt der Preisanpassung beträgt ein oder drei Monate. Für HS wird häufig nur ein Durchschnitt über drei Monate zugrunde gelegt, bei einer Zeitverzögerung von einem Monat. Es soll auch Verträge, gerade mit der Gasexport, mit einer Durchschnittsbildung über neun Monate geben, die Anpassung soll dabei überwiegend monatlich erfolgen. Die Verträge der EWE mit Gasunie sollen generell einen Durchschnitt über drei Monate enthalten. Die genannten Zahlenspiele drücken diesen Mechanismus aus: 6/3/3 bedeutet: Durchschnitt über sechs Monate, Zeitverzögerung drei Monate und Anpassung alle drei Monate.

Als Preisveröffentlichung stehen nur die Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zur Verfügung. Das BAFA veröffentlicht die monatlichen Importmengen und den Importwert aggregiert über alle Importe. Leider steht diese Veröffentlichung nur mit einer Zeitverzögerung von zwei Monaten zur Verfügung.

Seit Februar sind die Importpreise um ca. 5% gestiegen. Damit lässt sich der starke Preisanstieg, der letztlich als Begründung für die Anhebung der Haushaltspreise genannt wird, nicht erklären. Marktbeobachter schätzen aber, dass der BAFA-Preis für die kommenden Monate deutlich steigen wird und im Oktober bei knapp unter 1,30 Cent/kWh liegen dürfte, im Vergleich zu 1,10 Cent/kWh zu Anfang des Jahres. Auch während des Winters dürften die Preise in den Importverträgen weiter steigen. Bereits in der Ausgabe 37/04 hatte der EID für Januar eine deutliche Steigerung auf 1,80 bis 1,90 Cent/kWh prognostiziert und damit weitere potenzielle Preissteigerungen für Haushaltsgas für wahrscheinlich gehalten.

Denn die Preise in den Importverträgen werden in der Lieferkette tendenziell weitergegeben. Aber auch die ebenfalls langfristigen Vertragsverhältnisse im "Downstream" sind vertraulich. Für die Vertragspreise, die Stadtwerke als Bezugspreise zu zahlen haben, den sogenannten City-gate Preis, arbeiten viele Analysten mit einer Standardabschätzung, die einem Preismodell der Ruhrgas entspricht. Der Gesamtpreis besteht aus einem Arbeits- und einem Leistungspreis. Der Arbeitspreis ist an die HEL-Rheinschienenotierung gebunden. Die Anpassung erfolgt nach der "Formel" 6/3/3. Anders als in den Importverträgen enthalten die HEL-Preise die Mineralölsteuer. Zudem müssen die Stadtwerke die Erdgassteuer in der Höhe von 0,55 Cent/kWh entrichten und erhalten einen Standardrabatt von 0,28 Cent zum Ausgleich von Teilen der Mineralölsteuer in den HEL-Preisen. Der Leistungspreis sollte in etwa die Leistungen der importierenden Ferngasgesellschaften für den Transport und die Strukturierung von Gas widerspiegeln.

Die Anpassung nach der Regel 6/3/3 scheint zwar immer noch zu überwiegen, aber es gibt doch erhebliche Abweichungen. Die Thyssengas (jetzt ein Teil von RWE Energy) hatte immer schon eine Anpassung nach Regel 6/1/3. Praktisch alle großen Gasimporteure haben in den vergangenen Jahren ihren Kunden angeboten, die Preisanpassung in Richtung 3/1/3 zu verändern, was in unterschiedlicher Weise genutzt wurde. Dementsprechend führen solche kürzeren Anpassungsregeln derzeit zu deutlich stärkeren Preissteigerungen.

Fazit: Es bestehen zwar Beziehungen von den Importpreisen bis zu den Preisen für Endverbraucher, aber die Preisentwicklungen auf den einzelnen Stufen der Lieferkette weisen Unterschiede aus, da die Ölpreisbindung auf verschiedene Weise angewandt wird.

Mehr Transparenz könnte ein funktionierender, liquider Spotmarkt bringen. Er ist auch Voraussetzung, um über eine Abkehr von der Ölbindung zu diskutieren. Man kann dies zwar populistisch fordern, sollte aber dann auch sagen, an welchen Preisen sich langfristige Lieferbeziehungen orientieren sollen. Auf diesen Umstand weisen sowohl Exporteure als auch Importeure immer wieder hin.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 40 vom 27. September 2004 Seite 001