
esyoil Special:
Neues Interesse an amerikanischem Ölschiefer
Bedingt durch hohe Ölpreise und das wachsende Handelsdefizit wenden die USA sich wieder einer Energiequelle zu, die sie jahrzehntelang mal mehr, mal weniger zu erschließen versuchten: dem Ölschiefer. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Department of Energy besagt, dass aus dem Schiefer bereits 2011 rund 100 Millionen Tonnen Öl im Jahr gewonnen werden und dass die Förderung später bis zu 500 Mill. t im Jahr erreichen könnte. Voraussetzung ist allerdings, dass es durch Kostensenkung und Überwindung erheblicher technischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten gelingt, Schieferöl preislich mit konventionellem Öl wettbewerbsfähig zu machen.
Ölschiefer ist ein kerogenhaltiges Gestein, das bei Erhitzung eine ölähnliche Substanz freigibt. Bis 1860 war es in Schottland zur Herstellung von Brennstoff für Öllampen genutzt worden, bis es durch das kostengünstigere und bessere Petroleum auf Erdölbasis ersetzt wurde. Heute wird Ölschiefer noch in Estland abgebaut und unverarbeitet in Kraftwerken verfeuert. In Brasilien liefert Ölschiefer nach einem Verfahren der Petrobas jährlich einige 100.000 Tonnen Öl. In den 1970er Jahren hatten Exxon, Occidental, Shell und Unocal erhebliche Mittel in den Abbau von Ölschiefer investiert, sich aber wieder von diesen Aktivitäten zurückgezogen, als die Preise für konventionelles Öl in den 80er Jahren deutlich sanken. Die Ölschieferreserven der USA sind die höchsten der Welt. Sie gehören zu 70% dem Staat und liegen hauptsächlich in den Staaten Colorado, Utah und Wyoming. Die US-Bundesregierung hat kürzlich Ölgesellschaften um deren Meinung gebeten, was sie von Schürflizenzen zur Forschung und Entwicklung dieser Bodenschätze halten.
Als einzige Ölgesellschaft hat Shell in den letzten Jahren weiter an den Möglichkeiten zur Nutzung von Ölschiefer im Labor und vor Ort in Colorado gearbeitet. Das Unternehmen verwendet ein Insitu-Verfahren, bei dem das Gestein mit Strom unterirdisch langsam erhitzt wird. Dadurch lösen sich allerdings nur leichte Kohlenwasserstoffe aus dem Schiefer, die zu Benzinen und Turbinentreibstoff weiterverarbeitet werden können. Dafür hat diese Methode den Vorteil, dass kaum Abraum anfällt. Shell glaubt, das Verfahren so weit entwickeln zu können, dass es bei Ölpreisen von etwa 25 Dollar je Barrel wettbewerbfähig ist. In den nächsten Jahren will das Unternehmen 200 Millionen Dollar für weitere Forschung, vor allem zur Kostensenkung, ausgeben. Eine endgültige Entscheidung über eine wirtschaftliche Nutzung des Ölschiefers soll 2012 gefällt werden (...).
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 03 vom 17. Januar 2005 Seite 007

