"Nichts tun ist am teuersten"
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""Nichts tun ist am teuersten""

Die Heizungsbranche beschwor in Neu-Ulm einmal mehr die Verbraucher, ihre veralteten Heizkessel zu modernisieren. "Weg von Öl und Gas ist nicht zielführend."

eid Das Bruttosozialprodukt (BSP) ist 2007 in Deutschland um 2,5 Prozent gewachsen, der Energieverbrauch aber um 5 Prozent gesunken. Damit steht Deutschland in Sachen Energieeffizienz international gut da - von den großen Industrieländern verbraucht nur Japan weniger Energie pro Einheit BSP -, aber Verbesserungen sind durchaus möglich und auch notwendig. Z.B. im Wärmemarkt: Nur rund 10 Prozent der insgesamt 18 Millionen deutschen Heizungen seien auf dem Stand der Technik, zwei Millionen Anlagen älter als 25 Jahre, sagte Manfred Greis, Vizepräsident des Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und Kommunikationschef bei Viessmann, auf dem Neu Ulmer Energietag der süddeutschen Brennstoffhandelsverbände.

Der Wärmemarkt, der für rund 38 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs steht, habe ein riesiges Potenzial für Energieeinsparung. Er sei in dieser Hinsicht ein "schlafender Riese". "Es kann nicht die Rede davon sein, dass die verfügbare Technik auch tatsächlich genutzt wird", so Greis. Laut einer neuen Studie könnten mit einer Verdoppelung der Modernisierungsrate auf 1 Million Heizungen jährlich unter Einbeziehung moderner Heiztechnik und regenerativer Energien kurzfristig rund 30 Prozent der fossilen Energie in der Raumheizung eingespart werden, was etwa 12 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs entspricht.

Dabei sei, so Greis, ein "weg von Öl und Gas" nicht zielführend, im Gegenteil: Die Unsicherheit der Verbraucher über Kosten und Nutzen und die aus seiner Sicht im Hinblick auf Energieeinsparung "ineffiziente Förderpolitik" - am stärksten wird Photovoltaik gefördert, obwohl es die ineffizienteste Maßnahme zur CO2-Einsparung ist -führen zu einem "Nichts tun". Der Heizungsgerätemarkt ist 2007 um 25 Prozent geschrumpft. Im Sinne der Energieeinsparung dürften die einfachen und kostengünstigen Maßnahmen wie Gebäudeisolierung und Umstellung auf eine Brennwertheizung keinesfalls unterschätzt werden, auch wenn sie nichts mit modischen Trends und erneuerbaren Energien zu tun hätten.

Mit dem Einsatz moderner Technologien müsse aber rasch begonnen werden, denn "nichts tun ist am teuersten", so Greis, auch wenn für die Zukunft an weiteren Einspartechniken gearbeitet werde: Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmepumpe für Öl und Gas, Brennwerttechnik auch für biogene Brennstoffe, Brennstoffzellen, Wärmespeicher, die aber aktuell noch nicht marktreif sind. Viessmann arbeitet z.B. an einer Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung, die 2009 in einen Feldtest gehen soll.

Für die Zukunft sieht Greis Chancen für die Brennstoffzelle, zunächst auf Basis fossiler Energieträger. Geforscht werde zudem bei Wärmespeicherung und -transport. Zeit brauche noch die Realisierung einer Wasserstoffinfrastruktur: "Erneuerbare Energien werden im günstigsten Fall die Hälfte des Energiebedarfs decken können, deshalb sind die Energieeinsparung und die Effizienzsteigerung die wichtigsten Ressourcen, die wir haben."

Was an Heiztechnik alles in der Entwicklung ist, machten in Neu Ulm Christian Beckervordersandforth von E.ON Ruhrgas und Klaus Lucka vom Öl-Wärme-Institut (OWI) in Aachen deutlich: Eine gasbetriebene Wärmepumpe könne den Wirkungsgrad gegenüber eine Gasbrennwertheizung nochmals um 30 Prozent steigern. Wie viel eine "Mikro-Kraft-WärmeKopplungs-Heizung" bringt, wurde nicht beziffert, aber gearbeitet werde an derartigen Anlagen mit 5 bis 10 kW Leistung.

Keine Zukunft gibt Lucka den bisher üblichen Niedertemperaturkesseln: "In drei Jahren werden sie nicht mehr wettbewerbsfähig sein", weder hinsichtlich der Energieeffizienz noch der Emissionen. Notwendig sei eine neue Technik für die Ölheizung, die über die Brennwerttechnik hinausgehe und die regenerative Energien einbeziehe. Das könnten Absorptionswärmepumen auf Basis Heizöl sein.

Sinken wird auch der Wärmebedarf je Abnehmer: Für die Heizgerätehersteller heißt das, dass Brenner kleiner Leistung nötig sind, die modulierbar betrieben werden können, wenig Schadstoffe emittieren und sehr leise laufen, weil die Heizgeräte immer mehr in die Wohnbereiche integriert werden. Wo bisher für ein Einfamilienhaus 2.500 Liter Heizöl im Jahr nötig waren, benötigt ein "Passivhaus" noch 200 Liter. Das könnte dazu führen, dass der Brennstoffhandel für seine Kunden ganz andere Produkte entwicklen muss.

Ob Energiesparmaßnahmen tatsächlich den Klimawandel bremsen, stellte Peter Dietze sehr in Frage. Dietze war lange in der Energiewirtschaft tätig und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Treibhauseffekt. Sein Fazit: Es gebe den Treibhauseffekt, die Ursache könne aber nicht die anthropogene CO2-Emission sein. Sowohl die Strahlungsphysik als auch eine Analyse der Langzeituntersuchungen über Temperaturschwankungen auf der Erde und CO2-Gehalt in der Atmosphäre ließen laut Dietze den Schluss zu, dass es sich bei der aktuellen Erderwärmung um ein natürliches Phänomen handele, das im Wesentlichen durch die Schwankungen in der Sonnenaktivität, daneben zu einem kleinen Teil durch die Wirkungen verschiedener Treibhausgase einschließlich CO2 erklärt werden könne. Selbst die statistische Korrelation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur sage seiner Meinung nach nichts über einen ursächlichen Zusammenhang aus, zumal es Phasen in der Erdgeschichte gebe, wo die Temperatur lange - etwa 800 Jahre - vor dem CO2-Gehalt deutlich angestiegen sei.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 07/08 vom 11. Februar 2008 Seite 22





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