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In einem Leserbrief an die Londoner"Financial Times" macht Paul
Stevens, Professor of Petroleum Policy and Economics, University of Dundee, auf einen
Mechanismus aufmerksam, der aus seiner Sicht mit für eine Ölknappheit verantwortlich werden
könnte. In diesem Jahr hätten allein ExxonMobil und BP mehr als 12 Milliarden Dollar für
ihre Shareholder aufgewandt, entweder über höhere Dividenden oder Rückkauf von Aktien. Diese
Beträge würden zu Lasten der Investitionen gehen. Die Finanzstrategie der internationalen
Ölgesellschaften würde neuerdings vermehrt auf die Maxime hinauslaufen "funds should be
returned to shareholders", wenn ihre Kapitalverzinsung nicht die des Aktienmarktes
übertrifft. Diese durchaus legitime Verhaltensweise in einem von Shareholdern dominierten
Markt würde befürchten lassen, dass die notwendigen hohen Investitionen nicht getätigt
werden. Die Welt würde unter Umständen in eine Ölknappheit hineingeraten, nicht etwa,
weil es nicht genug Reserven gibt, sondern wegen der Verfolgung kurzfristiger Ziele der
Gesellschaften und, wie es Stevens ausdrückt, einer Attacke fehlerhaften Marktverhaltens
("attack of market failure"). Dadurch könnte auch der bisher gültige Mechanismus außer
Kraft gesetzt werden, dass hohe Ölpreise genügend Anreize schaffen, um über entsprechende
zusätzliche Investitionen das Angebot auszudehnen. Unterdessen hat die IEA die
Ölförderstaaten und "börsennotierte Konzerne" zu deutlich höheren Investitionen in ihre
Infrastruktur und den Ausbau der Produktion aufgefordert. Die Förderstaaten müssten mehr
ausländische Investitionen zulassen.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 37 vom 06. September 2004 Seite 10
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