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Ölschiefer könnte USA unabhängiger machen


Die derzeitigen hohen Ölpreise und Sorgen um die Sicherheit der Ölversorgung haben abermals das Interesse an Ölschiefer geweckt, zu dessen Erschließung während der 70er Jahre in den USA große Projekte geplant waren. Ölschiefer hat zusammen mit anderem unkonventionellen Öl wie Öl aus Sanden und Schwerstöle den großen geopolitischen Vorteil, dass sich die bekannten Lagerstätten größtenteils in der westlichen Hemisphäre befinden, in Kanada, den USA und Südamerika. Eine vermehrte Nutzung dieser Ressourcen könnte die US-Ölversorgung noch weiter auf Nord- und Südamerika verschieben. Schon heute stammt etwa die Hälfte der US-Öleinfuhren aus Kanada und Lateinamerika.

Zwar wird eine Ölautarkie der Vereinigten Staaten immer ein unrealistisches Ziel bleiben, aber die Nutzung des heimischen Ölschiefers, die Steigerung der Ölgewinnung aus Sanden in Kanada und eine erhöhte Förderung venezolanischer Schwerstöle könnte die Abhängigkeit der US-Raffinerien von Zufuhren aus der östlichen Hemisphäre und besonders aus dem Nahen Osten erheblich verringern. Weitere Vorteile dieser unkonventionellen Ölquellen sind, dass ihre Lagerstätten bekannt sind und eine mühevolle Ölsuche entfällt, dass ihre Nutzung zu sinkenden Kosten erfolgen kann und dass Unternehmen bereit sind, in sie zu investieren, wie Beispiele in der kanadischen Provinz Alberta und in Venezuela zeigen.

Die strategische Bedeutung der US-Ölschiefervorkommen für das Militär und die heimische Wirtschaft hat kürzlich ein Bericht des Office of Naval Petroleum and Oil Shale Reserves (NPOSR) des amerikanischen Department of Energy unterstrichen. Danach erfordert der Umfang der Ölschiefervorkommen in den USA ein langfristiges Management in Kombination mit der kurzfristigen des konventionellen Öls. Die Erschließung der Ölschiefervorkommen wird voraussichtlich zehn oder mehr Jahre in Anspruch nehmen und wie bei den kanadischen Ölsanden immer wieder durch Preistäler auf dem internationalen Ölmarkt in Schwierigkeiten geraten, aber im Hinblick darauf, dass die Weltölförderung in absehbarer Zeit ihren Gipfel erreichen wird, wirtschaftlich interessant bleiben. Laut NPOSR-Direktor Anton Dammer ist angesichts der derzeitigen geopolitischen Risiken und Unsicherheiten in der Weltölversorgung die Erschließung von Ölschiefervorkommen eine praktische und relativ kostengünstige Versicherungsprämie. Er tritt deshalb für ein gemeinsames Programm der Regierung und der Privatwirtschaft für solche Vorhaben ein.

Die in der Welt in Schiefer enthaltenen Ölmengen werden nach einem Bericht des "Oil & Gasjournal" konservativ auf 355 Milliarden Tonnen geschätzt. Das ist etwa das Doppelte der gegenwärtigen bestätigten Reserven der Welt an konventionellem Öl. Rund drei Viertel der Schieferölreserven befinden sich in den USA. Die wirtschaftlich attraktivsten Vorkommen liegen in Colorado, Utah und Wyoming. Im Anfangsstadium dürften sich nach Erfahrungen der Unocal Corporation aus einer Tonne Schiefer etwa 115 Liter Öl gewinnen lassen. Für den Zeithorizont kann die kanadische Ölsandnutzung als Beispiel dienen. Sie begann vor 35 Jahren. Heute werden aus den Sanden jährlich rund 50 Millionen Tonnen Öl gewonnen. In den nächsten sechs bis zehn Jahren soll diese Menge verdoppelt werden. Und ebenso wie in Kanada muss anfangs mit Rückschlägen gerechnet werden, bis sich die neuen Techniken eingespielt haben.

Die Wiederentdeckung des Ölschieferpotenzials ist ein Zeichen für die Schwankungen auf dem internationalen Ölmarkt. Es ist erst fünf Jahre her, dass in den USA wegen zu niedriger Ölpreise ein Viertel der Ölfördersonden stillgelegt worden war ...

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 37 vom 06. September 2004, Seite 4