
esyoil Special:
Russlands Raffinerien holen langsam auf
Während die Raffinerien in Europa und Nordamerika an der
Kapazitätsgrenze arbeiten, gibt es in Russland immer noch Überkapazitäten. Das
Durchsatzvermögen der russischen Verarbeitungsanlagen wird laut Schätzungen zurzeit nur zu
etwa 60% genutzt. Das liegt zum einen an der geringen Inlandsnachfrage nach Mineralölprodukten
und zum anderen daran, dass die meisten Raffinerien in Russland keine den internationalen
Spezifikationen entsprechenden Produkte herstellen können. Dies wird erst der Fall sein, wenn
zum Teil schon in den 90erjahren eingeleitete Modernisierungsmaßnahmen abgeschlossen und neue
Anlagen wie Hydrocracker sowie Alkylierungs-, Isomerisierungs- und Entschwefelungsanlagen in
den nächsten Jahren in Betrieb gehen. Solange aber die Überkapazitäten bestehen, besteht wenig
Anreiz zu Investitionen in Verarbeitungsanlagen. Nach Angaben von Michail Rudin von Parsons
E&C gibt es in Russland 27 große Raffinerien, zwei Kondensatanlagen und 40 kleine
Mineralölwerke mit Jahreskapazitäten zwischen 20.000 und 500.000 t (4.000 bis 10.000 Barrel
pro Tag, Anmerkung esyoil). Von den 27 großen Anlagen gehören 20 voll integrierten
Gesellschaften wie Lukoil, Jukos oder TNK-BP. Die Kondensatanlagen sind im Besitz der
Gazprom.
Zwölf Raffinerien der ersten Generation wurden vor und während des Zweiten Weltkrieges gebaut
und sind heute ob ihres Alters entsprechend renovierungsbedürftig. Die neun Anlagen der zweiten
Generation wurden zwischen 1945 und 1965 in Betrieb gestellt, mit oft standardisierten, relativ
kleinen Einzelanlagen. Die sechs Raffinerien der dritten Generation haben eine
Destillationskapazität zwischen 3 Mill. und 6 Mill. t/a (0,06 bis 0,12 Mio. Barrel pro Tag,
Anmerkung esyoil) und verfügen über katalytische Reformer. In der vierten Generation sind die
einzelnen Prozessanlagen in einem Gesamtverarbeitungssystem integriert worden. Die
Gesamtkapazität der russischen Raffinerien beträgt laut Oil & Gas Journal" 309 Mill. t/a
(6,2 Mio. Barrel pro Tag, Anmerkung esyoil). Russlands Raffinerien können zurzeit nur etwa so
viel leichte Produkte herstellen, wie im eingesetzten Rohöl vorhanden sind. Auch haben sie
einen Energieverbrauch, der zwei- bis dreimal so hoch ist wie der von Raffinerien anderswo
auf der Welt. Ottokraftstoffe aus diesen Werken weisen überwiegend eine MOZ zwischen 76 und
80 sowie einen Aromatengehalt von 50 bis 55% auf. Erfreulicherweise beginnen sich
Modernisierungen der Anlagen langsam auszuwirken, die Benzinqualität bessert sich langsam.
Zumindest in den großen Anlagen werden mittlerweile bleifreie Benzine hergestellt, in den
Miniwerken kommt man allerdings immer noch nicht ohne Bleizusatz aus.
Die produzierte Dieselqualität liegt im Allgemeinen unter dem internationalen Standard, bei
einem Land, das zu weiten Teilen vom ewigen Winter beherrscht wird, erstaunlicherweise auch bei
den Kälteeigenschaften. Bis zum Jahre 2009 soll sich das durch neue Konversions- und andere
Prozessanlagen ändern. Dann sollen größere Teile des Rohöls in leichte Produkte umgewandelt
werden können, die den internationalen Normen entsprechen. Russlands Mineralölverarbeitern
kommt dabei entgegen, dass künftig mehr schwefelarme Rohöle, vorwiegend aus Ostsibirien, dem
Timan-Petschora-Becken und Sachalin zur Verfügung stehen; heute werden zumeist Rohöle mit
einem Schwefelgehalt bis zu 1,8% verarbeitet.
Die heimische Raffinerieerzeugung kann den Inlandsbedarf ohne weiteres decken. 2003 wurden 29,1
Mill. Tonnen (214,5 Mio. Barrel, Anmerkung esyoil) Benzin und 53,8 Mill. t (396,5 Mio. Barrel,
Anmerkung esyoil) Diesel hergestellt. Benzin- und Dieselimporte finden praktisch nicht statt.
Während bei diesen Produkten die Qualität zumindest langsam besser wird, sinken Menge und Güte
beim Jet-Fuel weiter ab, hauptsächlich wegen der drastisch gesunkenen Nachfrage des Militärs.
Im internationalen Vergleich nach wie vor bestehender Qualitätsmängel bei Benzin und Jet-Fuel
sorgen weiterhin dafür, dass diese Produkte nicht exportiert werden können. Dagegen sind im
vergangenen Jahr aus Russland Gasöle, davon fast 27 Mill. t DK (200 Mio. Barrel Diesel,
Anmerkung esyoil), rund die Hälfte der Produktion, vor allem in ehemalige Sowjetrepubliken und
osteuropäische Länder geliefert worden. Bei schwerem Heizöl lag die Exportquote mit rund 33
Mill. t (243,2 Mio. Barrel, Anmerkung esyoil) sogar bei annähernd 60%.
Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 34 vom 16. August 2004 Seite 8

