
esyoil Special:
Shell fürchtet feindliche Übernahme
Der wegen seiner Ölreserven in die Kritik geratene Ölkonzern Shell
könnte Ziel einer feindlichen Übernahme werden. Einem Medienbericht zufolge könnte Total dem
angeschlagenen Konzern ein feindliches Angebot unterbreiten.
Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch/Shell wappnet sich für ein mögliches
Übernahmeangebot. Das berichtet die britische Zeitung "The Observer" unter Verweis auf
Unternehmenskreise. Führende Shell-Manager fürchten demnach ein feindliches Angebot durch das
weltweit viertgrößte Ölunternehmen Total. Der Konzern gilt als einziger Konkurrent, dem es
gelingen könnte, eine rechtmäßige Genehmigung für eine derart spektakuläre Fusion zu erhalten.
Shell selbst wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.
Der französische Konkurrent sei zwar mit einer Marktkapitalisierung von 68 Milliarden Pfund
kleiner als Shell mit mehr als 94 Milliarde Pfund, hieß es. Allerdings zeichne sich Total-Chef
Thierry Desmarest durch eine hohe Risikobereitschaft aus. Es könne durchaus sein Bestreben
sein, einen pan-europäischen Ölkonzern zu bilden, berichtete die Zeitung weiter.
Obwohl es bislang keine Anzeichen einer Fusion gebe, sorge das Thema für anhaltende
Spekulationen unter den Experten. Wenn die beiden Konzerne fusionierten, müssten aufgrund von
kartellrechtlichen Bestimmungen Vermögenswerte verkauft werden. Vor allem das
Raffineriegeschäft beider Unternehmen sowie Überschneidungen in Deutschland, Frankreich und den
Niederlanden könnten demnach die Wettbewerbsbehörden auf den Plan rufen.
Analysten sehen dem Bericht zufolge auch große Synergieeffekte: Die starke Präsenz von Total
im Mittleren Osten würde Shell zugute kommen. In Nigeria würde der fusionierte Konzern zu dem
größten Ölproduzenten aufsteigen.
In der vergangenen Woche hatte sich Shell mit den US-Wertpapieraufsicht (SEC) im Zusammenhang
mit der falschen Einschätzung seiner Ölreserven auf eine Zahlung von 120 Millionen Dollar
geeinigt. Gleichfalls kündigte der Konzern an, die beiden Verwaltungsräte des Konzerns
zusammenzulegen. Nach dem Debakel um die Fehleinschätzung seiner Gas- und Ölreserven hatten
die Aktionäre eine Änderung der Managementstrukturen gefordert. Shell hatte seit Beginn des
Jahre seine Reserven mehrfach um mehr als 20 Prozent nach unten korrigiert.
Quelle: DEUTSCHER MINERALÖLDIENST FACHVERLAG FÜR DATENÜBERTRAGUNG GMBH, 17.08.04

