Heizöl von esyoil

esyoil Special:

Strom- und Gaspreiswelle rollt weiter durch Europa -Juli-Umfrage des EID



Energie wird in Europa immer teurer. Und trotz der jüngsten Erholung am Ölmarkt glaubt kaum einer im Markt an eine grundlegende Trendwende. Im Gegenteil.

Der jüngste Preisrückgang bei der "Energieleitwährung" Erdöl nährt bei den Energieverbrauchern die Hoffnung, dass nun auch bei Strom und Gas der Höhepunkt der Preiswelle überschritten sein könnte und es auch hier demnächst wieder mit den Preisen nach unten geht. Diese Hoffnung dürfte allerdings verfrüht sein, denn noch ist völlig offen, ob der aktuelle Preisrutsch beim Öl tatsächlich zu einem Trend wird und damit mehr ist als eine zwischenzeitliche Korrektur nach unten. Und dann betonen die Marktteilnehmer wie E.ON-Chef Wulf Bernotat, dass die Preisspitzen beim Öl noch gar nicht vollständig bei der Einzelhandelsstufe angekommen sind.

Das dürfte insbesondere für Erdgas gelten, dessen Preis ja zumeist an den für leichtes Heizöl gekoppelt ist, und hier vor allem für das Tarifkundensegment. Während sich HEL für deutsche Verbraucher zwischen Juli 2007 und Juli 2008 immerhin um 60 Prozent verteuert hat, ist der Preisanstieg für die deutschen Gastarifkunden bislang noch moderat ausgefallen, wie der neueste Energiepreisvergleich der Londoner Energy Advice für den EID per 1. Juli 2008 zeigt. Seit der letzten Umfrage zum April dieses Jahres sind die Haushaltsgaspreise nur um etwas mehr als 1 Prozent gestiegen, und auch gegenüber Juli 2007 liegen sie gerade einmal um rund 7 Prozent im Plus.

Die Preiswelle ist bisher also eher gemächlich auf die deutschen Gastarifkunden zugerollt, das Tempo wird sich aber in nächster Zeit deutlich erhöhen. Nach Erhebungen des Verbraucherportals TopTarif haben zum 1. August etwa 100 Grundversorger ihre Gastarifpreise erhöht, über 200 weitere ziehen im September nach. Die Gaspreisanhebungen betragen in der Spitze bis zu 29 Prozent.

Und im Oktober folgen die nächsten. So hat MVV Energie gerade eine Erhöhung ihrer Gastarifpreise um 27 Prozent angekündigt, nachdem die Preise dort zuletzt zwei Jahre konstant geblieben waren. Bei der ostdeutschen Mitgas werden die Gastarifpreise am 1. Oktober um 26 Prozent und bei den Stadtwerken Frankfurt (Oder) um knapp 20 Prozent steigen. Die Stadtwerke Essen erhöhen dann zwar nur um rund 4,5 Prozent, die Essener hatten ihre Preise aber bereits zum 1. Juli um 9 Prozent angehoben. Auch E.ON will eine weitere Preisrunde im Oktober nicht ausschließen.

Anders als hierzulande mussten die privaten Erdgaskunden in den meisten anderen europäischen Ländern in den Monaten April bis Juli dieses Jahres bereits deutliche Preisanhebungen hinnehmen, wobei Dänemark mit knapp 12 Prozent, die Niederlande mit 10 Prozent und Belgien mit rund 8 Prozent vorne liegen. Im Jahresvergleich sind die Zuwächse noch größer: In Belgien zum Beispiel ist Gas für Haushalte heute (Juli) rund 40 Prozent teurer als vor einem Jahr, in Dänemark und der Schweiz sind es + 25 Prozent, in Italien und Schweden immerhin noch + 20 Prozent.

Deutschland rangiert bei den Gastarifpreisen nach wie vor im europäischen Mittelfeld, allerdings sind die Länder preislich zuletzt näher aneinander gerückt. Am teuersten ist Haushaltsgas in Europa in Dänemark und Schweden, am wenigsten müssen traditionell die britischen Haushaltskunden für Erdgas bezahlen.

Viel schneller haben die gestiegenen Heizölpreise bei den industriellen Gasverbrauchern durchgeschlagen. Zwischen April und Juli 2008 ging es für deutsche Industriekunden je nach Abnahmemenge noch einmal um 6 bis 8 Prozent nach oben, im Vergleich zum Vorjahr waren es + 31 Prozent bei einer Abnahme von 10 Millionen kWh im Jahr und sogar rund 50 Prozent bei 100 bzw. 500 Millionen kWh/a.

Doch mit diesen Zuwachsraten liegt Deutschland in Europa noch nicht einmal an der Spitze. In Dänemark wurde Erdgas für die Industrie im zweiten Quartal dieses Jahres um rund 25 Prozent teurer, gegenüber Juli 2007 beträgt der Anstieg sogar etwa 80 Prozent. Für belgische Industriegaskunden stiegen die Preise zuletzt um rund 14 Prozent, im Vergleich zu Juli 2007 beträgt das Plus 45 bis 52 Prozent.

Auf deutschem Niveau bewegten sich dis Preissteigerungen zuletzt und im Vergleich zum Vorjahr in Italien, weniger stark nach oben ging es dagegen für Industriegas kunden in der Schweiz (Juli zu April 2008: + 4 Prozent; Juli 2008 zu Juli 200 7 + 25 Prozent) und Spanien (19 beziehungsweise 32 Prozent). In Großbritannien gab es wegen der volatilen Preisentwicklung am Spotmarkt bei den low und high-Notierungen Zuwächse von bis zu 85 Prozent, die sich bei den repräsentativen Preisen auf 20 bis 50 Prozent reduzierten.

Im europäischen Vergleich stehen die deutschen Industriegasverbraucher sehr unterschiedlich da. Während bei einer Abnahme von 500 Millionen kWh im Jahr Erdgas nur in Großbritannien, Finnland und Spanien günstiger ist, zahlen kleinere Abnehmer (10 Millionen kWh/a) hierzulande absolute Spitzenpreise in Europa.

Ganz weit vorne rangiert Deutschland auch weiterhin bei den Strompreisen. So zahlen Industriekunden hierzulande die zweithöchsten Strompreise in Europa, und zwar über alle Verbrauchskategorien hinweg. Teurer ist Industriestrom nur noch in Italien, die dritthöchsten Industriestrompreise haben in Europa die Niederlande.

Ebenfalls unverändert ist die Situation bei den Tarifstrompreisen. Hier liegt Deutschland hinter Dänemark und Italien und vor den Niederlanden weiter auf dem dritten Platz.

Dass der Anstieg der Strompreise in Europa auch im zweiten Quartal dieses Jahres wiederum nur gering ausgefallen ist, dürfte im Tarifkundensegment daran liegen, dass die Versorger ihre Preise entweder bereits davor angehoben haben, wie zum Beispiel in Deutschland, wo es laut Top Tarif allein 360 zum 1. Januar 2008 waren, oder eben erst nach dem 1. Juli wie in Großbritannien: Dort haben mit Edl (+ 22 Prozent) und Centrica (+ 35 Prozent) zwei der großen Energieversorgungsunternehmen ihre Tariferhöhungen erst zum 25. bzw. 30. Juli verkündet.

Dennoch geht es auch bei den Tarifstrompreisen in Europa weiter nach oben. In Deutschland haben zum 1. August bereit 26 Stromversorger ihre Preise erhöht, und auch in Großbritannien dürfte es nicht mehr lange dauern, bis weitere Unternehmen dem Beispiel EdFs und Centricas folgen.

Bei den Industrieverbrauchern erklärt sich die relative Preisstabilität zuletzt damit, dass hier Verträge zumeist für ein Jahr geschlossen werden und diese in einer Vielzahl der Fälle aktuell noch laufen. In Deutschland ging es hier zuletzt um 2 bis 4 Prozent nach oben, in den meisten anderen Ländern (mit Ausnahme Großbritanniens) waren es in der Regel nicht mehr als 5 Prozent.

Aufs Jahr gesehen fällt der Anstieg allerdings schon deutlicher aus. In Italien gingen die Industriestrompreise in der Spitze um mehr als 22 Prozent nach oben, in Dänemark waren es 11 bis 14 Prozent, in Finnland rund 13 Prozent und in Belgien 12 bis 16 Prozent.

In Deutschland stiegen die Industriestrompreise je nach Abnahmemenge seit Juli 2007 zwischen 8 und 15 Prozent, was für viele Unternehmen angesichts der sich abschwächenden Konjunktur zu einem echten Problem wird.

Insbesondere die mittelständische Industrie ächzt zunehmend unter der stetigen Energieverteuerung. Zwar habe sich die Netznutzung aufgrund der Aktivitäten der Bundesnetzagentur verbilligt. Dieser positive Effekt werde aber durch die dramatisch steigenden Großhandelspreise mehr als überkompensiert, klagt Volker Stuke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA). Für seine Mitgliedsunternehmen hat der Verband für die letzten zwölf Monate einen Anstieg der Strompreise um durchschnittlich 12 Prozent errechnet, wobei es nach wie vor gravierende Preisunterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern gibt; in Ostdeutschland müssen laut VEA Energieabnehmer durchschnittlich 5,5 Prozent mehr für Strom zahlen.

"Die Gewinne werden von den großen Versorgungsunternehmen vom Netzbereich in den Erzeugungsbereich verschoben - und der Energieabnehmer zahlt die Zeche", sagt Stuke. Hier könne nur die Politik helfen, in dem sie endlich gegen die "ungebrochene Marktmacht" der großen Vier im deutschen Markt - E.ON, RWE, Vattenfall Europe und EnBW - vorgehe; denn sonst drohe das "Rückgrat" der deutschen Wirtschaft zu brechen. Die mittelständischen Unternehmen forderte der VEA-Geschäftsführer auf, noch stärker als bisher nach günstigen Alternativangeboten Ausschau zu halten: "Die Erfahrungen unseres Verbandes belegen eindeutig, dass die Kunden so den Anstieg der Stromkosten deutlich begrenzen können."

Auch für den Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) ist vor allem der nach wie vor unzureichende Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt Schuld an den permanent steigenden Strompreisen. Um mehr als 40 Prozent ist Strom für die VIK-Klientel im vergangenen Jahr teurer geworden, wie der aktuelle für Mittelspannungskunden errechnete Strompreisindex des Verbandes belegt. Mit 236,49 Punkten hat er im Juli dieses Jahres ein neues Rekordhoch erreicht, zugleich war es der siebte Höchststand in Folge.

Das Thema steigende Strom- und Gaspreise hat in Deutschland inzwischen eine heftige Kontroverse über das Für und Wider von Sozialtarifen für einkommensschwache Haushalte ausgelöst. Während Politiker aus dem Unions-Lager diese in der Mehrheit ablehnen, ruft die BundesSPD immer lauter danach. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Deutschen Bundestag, Peter Struck, behauptete zuletzt sogar, darüber mit den großen Energieversorgern bereits zu verhandeln; was diese prompt dementierten, halten sie doch Sozialtarife, ob beim Strom oder beim Erdgas, für ordnungspolitisch bedenklich; obwohl E.ON einen solchen Sondertarif für Kunden in finanziellen Schwierigkeiten anbietet und auch RWE in bestimmten Härtefällen für individuelle Lösungen offen ist.

Mit der Einführung eines Sozialtarifs würde eine politische Aufgabe an Wirtschaftsunternehmen weitergereicht, erklärte beispielsweise das Forum Erdgas, eine Initiative ostdeutscher Erdgasunternehmen. Sozial Schwächere abzusichern sei in Deutschland jedoch originäre Aufgabe des Staates. Außerdem bedeuteten Rabatte für eine Kundengruppe automatisch die Benachteiligung einer anderen Kundengruppe.

Dass die Verbraucher von Strom und Gas, ob aus dem privaten oder dem industriellen Bereich, bald wieder in den Genuss niedrigerer Energiepreise kommen, scheint also mehr als unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Ob Öl, Gas, Strom oder Kohle, nach dem neuesten Energiemarktbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwarten Deutschlands Energieexperten für die nahe und ferne Zukunft mehrheitlich steigende Preise. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen gehen die 200 vom ZEW befragten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft davon aus, dass die Versorgungssicherheit Europas vor allem bei Öl und Gas in den kommenden Jahren weiter abnehmen wird. Ein großes Problem stellt aus ihrer Sicht zudem der deutsche Ausstieg aus der Kernenergie dar. Für den Fall, dass dann auch noch auf den Bau neuer Kohlekraftwerke verzichtet wird, erwarten rund zwei Drittel der befragten Experten aufgrund der sich dann ergebenden Stromlücke eine Verteuerung beim Strom in der Größenordnung von bis zu 50 Prozent.

Energie Informationsdienst 34/08 vom 18.08.2008 S.1ff.