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Südamerika fürchtet Inflation mehr als höheren Ölverbrauch


Während die asiatischen Länder bis auf China mit dem Abbau der Subventionen für Mineralölerzeugnisse begonnen haben, um über höhere Preise eine sparsamere Verwendung von Benzin, Diesel und Petroleum zu erreichen, hat in Südamerika bisher nur ein einziges Land diesen Schritt gewagt: Peru. Dort wurden die Subventionen, die sich pro Woche auf umgerechnet 36 Millionen Dollar beliefen, um 40 Prozent verringert. Dadurch erhöhte sich der Benzinpreis um 4 USCent je Liter. Alle anderen lateinamerikanischen Länder wollen ihre Inflationsraten möglichst stabilisieren und fahren deshalb mit der staatlichen Verbilligung der Kraftstoffe fort. Argentinien, wo die Inflationsrate die 9 Prozentschwelle überschritten hat, gab im letzten Jahr 11 Milliarden USDollar für Kraftstoffsubventionen aus. In diesem Jahr wird dieser Betrag noch weiter steigen. In Brasilien liegen die staatlich kontrollierten Preise für Benzin und Diesel näher am Weltmarktniveau als in den Nachbarländern. Die Kosten für die Preisermäßigung trägt die staatliche Ölgesellschaft Petrobras. In Chile, das zur Ölversorgung völlig auf Importe angewiesen ist, wurde der Fonds zur Stabilisierung der Kraftstoffpreise kürzlich um eine Milliarde Dollar erhöht. Nach Angaben der Staatspräsidentin Michelle Bachelet wurde dadurch Benzin um 6 Eurocent je Liter billiger. In Kolumbien streikten Lkw-Fahrer gegen hohe Kraftstoffpreise und Mautgebühren. Die Regierung beabsichtigt, die im Lande tätigen privaten Ölgesellschaften zusätzlich zu besteuern, um mit den Einnahmen den Anstieg der Subventionen von über 3 Milliarden USDollar im Jahr zu finanzieren. Der Ölexporteur Mexiko, der selbst Mineralölprodukte importieren muss, wird in diesem Jahr voraussichtlich 19 Milliarden US﷓Dollar für die Verbilligung von Kraftstoffen aufwenden. In Venezuela, das mit einem Benzinpreis von 4 US﷓Cent je Liter zu den Ländern mit den niedrigsten Kraftstoffpreisen in der Welt gehört, gibt es keine Anzeichen für einen Subventionsabbau. Das Land gibt dafür etwa 11 Milliarden US﷓Dollar aus. Zu groß ist die Angst, dass sonst die Inflation deutlich über die gegenwärtigen mehr als 31 Prozent steigen könnte. Der heimische Ölverbrauch hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt und den Schmuggel von Kraftstoff nach Kolumbien, wo dafür mehr bezahlt werden muss, zu einem guten Geschäft gemacht.

Energie Informationsdienst 26/08 23.06.2008 S.22