
esyoil Special:
Teure Energie entzieht Haushalten immer mehr Kaufkraft
Weil Energie immer teurer wird, geht privaten Haushalten immer mehr Kaufkraft verloren. Nach Bundesbankgaben wird Deutschland in diesem Jahr Energie für rund 82 Milliarde Euro einführen müssen, was rund 23 Milliarden Euro mehr sind al im vergangenen Jahr. "Damit würde der energiebedingte Kaufkraft entzug rechnerisch betrachtet fast den Umfang des auf die Erhöhung der Mehrwert- und Versicherungssteuer zum 1. Januar 2007 zurück gehenden Kaufkraftentzugs erreichen", heißt es im neuen Monats bericht der Bundesbank. Im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt bedeute dies einen Anstieg der energiebezogenen Kosten um rund einen Prozentpunk auf etwa 3,25 Prozent. Diese Relation liege um ein Viertel über der entsprechenden Größe in der erstern Ölpreiskrise Mitte der 70er Jahre, aber noch um rund ein Drittel unter der Belastungsspitze in der zweiten Krise Anfang der 80er Jahre.
Wie stark die Ausgaben für Energie, sprich für Heizung, Strom und Kraftstoffe, für die Privathaushalte in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen sind, hat jetzt das Statistische Bundesamt (Destatis) errechnet. Demnach haben sich die Heiz- und Stromkosten sowie Aufwendungen für Kraftstoffe in den Jahren 2002 bis 2006 um insgesamt 28 Prozent erhöht. Geht man für die Zeit danach von einem unveränderten Energieverbrauch der Deutschen aus, ergibt sich laut Destatis ein weiterer Anstieg der Energieausgaben um 21 Prozent. In Euro bedeutet das: 2002-2006 Privathaushalte pro Monat durchschnittlich 172 Euro für Wohnenergie und Kraftstoffe ausgegeben, 2006 waren es bereits 221 Euro monatlich. Für Juli 2008 würden die Ausgaben unter der Annahme eines unveränderten Verbrauchsverhaltens bei im Durchschnitt 267 Euro liegen. Gegenüber 2002 ist das ein Anstieg von 55 Prozent.
Prozentual ist die Verteuerung in den Verbrauchsbereichen Wohnenergie (Strom, Gas und andere Brennstoffe) und Kraftstoffe nahezu gleich verlaufen. Für Wohnenergie mussten die deutschen Privathaushalte 2002 durchschnittlich 104 Euro im Monat ausgeben, im Juli 2008 werden es nach Destatis-Berechnungen 162 Euro im Monat sein - ein Plus von knapp 56 Prozent. Ähnlich drastisch fällt der Anstieg der Belastungen bei den Kraftstoffen aus. Gaben die deutschen Autofahrer 2002 noch durchschnittlich 68 Euro im Monat aus, ergibt sich für den Juli dieses Jahres bereits eine Ausgabenlast von rechnerisch rund 10 Euro im Durchschnitt. Das ist ebenfalls ein Zuwachs von knapp 55 Prozent.
Während in den Unions-Parteien und hier vor allem bei der CSU zur Entlastung der Bürger laut die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer gefordert wird, will man bei der SPD von Subventionen zur Milderung der hohen Energiekosten nichts wissen. "Das kann sich keine Regierung der Welt leisten und lockt nur Spekulanten", zitiert die "FTD" SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber. Für ihn sei die einzige Alternative, die Menschen zu einem sparsameren Umgang mit Energie anzuhalten: "Wir müssen dafür sorgen, dass vom Mixer bis zum Auto alle Geräte weniger Energie verbrauchen, und dass dieser Fortschritt auch in Haushalten mit kleinem Einkommen ankommt", so Kelber weiter. Denkbar seien nach SPD-Vorstellung günstige Kredite für die Anschaffung energiesparender Geräte ebenso wie ein reduzierter Mehrwertsteuersatz für energieeffiziente Produkte.
Energie Informationsdienst 35/08 vom 25.08.2008 S.11

