
esyoil Special:
Zehn Jahre Chavez Ölpolitik: Mehr Reserven, weniger Förderung
In den zehn Jahren seiner Präsidentschaft hat Staatspräsident Hugo Chavez die venezolanische Ölwirtschaft der Kontrolle des Staates unterworfen und die "trojanischen Pferde", sprich ausländische Ölgesellschaften, aus dem Land gejagt.
Die "trojanischen Pferde" waren in der Periode der "apertura petrolera" ins Land gekommen, als der Rohölpreis bei 10 Dollar je Barrel lag und ausländisches Kapital für die Entwicklung der heimischen Öl und Gasvorkommen nach der Verstaatlichungswelle der 1970er Jahre wieder willkommen war. Heute kontrolliert der Staat nach Angaben des venezolanischen Energie und Bergbauministers sowie Präsidenten der staatlichen Petroleos de Venezuela (PdV), Rafael Ramirez, 70 Prozent der Ölwirtschaft des Landes. Bis 2006 wurden 33 von ausländischen Ölgesellschaften für die PdV betriebene Ölfelder in 22 Einheiten zusammengefasst, in denen die PdV eine Mehrheitsbeteiligung hält. Im vergangenen Jahr mussten die vier von ausländischen Unternehmen begonnenen Schwerstöl Explorations und Produktionsprojekte im Orinoco Becken diesem Beispiel folgen. Das Ergebnis der dominierenden staatlichen Kontrolle der Ölwirtschaft war eine Veränderung in der Verwendung der Öleinnahmen. Sie wurden zunächst durch höhere Förderabgaben und Steuern in den Jahren zwischen 2002 und 2007 um 40 Milliarden USDollar gesteigert. 2007, als die Staatseinnahmen allein von der PdV um 15 Pro¬zent auf 44 Milliarden US Dollar gewachsen waren, wurden davon laut Ramirez mehr als 14 Milliarden US Dollar für soziale Zwecke verwendet und nur etwa 200 Millionen US Dollar für die Suche nach neuen Öl und Gasverkommen ausgegeben.
PdV will 78 Milliarden US Dollar investieren
1998, als Hugo Chavez seinen ersten Wahlsieg errang, hatte Venezuelas Ölförderung einen Höchststand im laufenden Jahrzehnt erreicht und bei fast 180 Millionen Tonnen gelegen. 2007 waren es nicht einmal mehr 120 Millionen Tonnen. Diesen Trend will die staatliche Ölpolitik umkehren. Zwischen 2007 und 2012 will die PdV rund 78 Milliarden US Dollar investieren, von denen sie selbst drei Viertel aufbringen will. Damit will das Land eine Produktionskapazität von 290 Millionen Tonnen Öl im Jahr erreichen und seine Raffineriekapazität von 155 auf 205 Millionen Tonnen erhöhen. Noch ehrgeiziger sind die Pläne für die Ausweitung der bestätigten Ölreserven. Sie waren in den letzten zehn Jahren von 10,5 auf 13,7 Milliarden Tonnen gewachsen.
Ende 2009 sollen 43 Milliarden Tonnen Reserven zertifiziert sein.
In diesem Jahr haben sie nach Bewertung der Schwerstölvorkommen durch BP, Chevron, China National Petroleum Corporation (CNPC), die brasilianische Petrobras, die iranische Petropars und die norwegische StatoilHydro um weitere 4 Milliarden Tonnen zugenommen. Ende 2009 will das Land bestätigte Reserven von mehr als 43 Milliarden Tonnen zertifiziert haben, davon 75 Prozent Schwerstöl und 25 Prozent konventionelles Rohöl. Damit würde Venezuela Saudi Arabien überholen und zum ölreichsten Land der Erde werden.
Traditionell hat Venezuela hauptsächlich die USA mit Rohöl versorgt. Künftig will das Land seine Ölexporte diversifizieren. Dazu trägt auch bei, dass der Ölbedarf in den Industrieländern nur noch wenig steigt, während asiatische Länder wie China und Indien für ihr Wirtschafts¬wachstum immer mehr Öl benötigen. 2012 sollen die Ölausfuhren nach China 50 Millionen Tonnen erreichen. Zurzeit sind es 15 Millionen Tonnen im Jahr.
Energie Informationsdienst 26/ 08

