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Zunächst sinkende Ölabhängigkeit vom Nahen Osten


In der vor uns liegenden Dekade wird die Abhängigkeit der USA vom Nahen Osten bei der Deckung des amerikanischen Ölbedarfs abnehmen. Die Ölförderung der Länder in der westlichen Hemisphäre wird deutlich steigen und die Ölimporte der USA aus der Region um den Persischen Golf zurückgehen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Beratungsfirma Purvin & Gertz. Vor allem Kanada und Südamerika werden wachsende Rohölmengen liefern können. Dank steigender Gewinnung synthetischen Rohöls aus Ölsanden und vermehrter Ölproduktion aus Vorkommen vor der kanadischen Ostküste rechnen Purvin & Gertz mit einem Anstieg der kanadischen Ölförderung von 120 Millionen heute auf 175 Millionen Tonnen im Jahr 2010. Mexiko dürfte in dieser Zeit seine Ölgewinnung um 25 Mill. auf jährlich 200 Mill. t erhöhen. Auch Ekuador und Kolumbien werden ihre Ölausfuhren in die USA anheben können. In Südamerika wird die Ölproduktion bis 2010 von derzeit 500 auf 600 Mill. t jährlich steigen. In der gleichen Zeit wird es infolge zunehmender Ölgewinnung in Tiefwasserregionen des Golfs von Mexiko bei der Ölförderung der USA kaum Veränderungen geben. Sie wird im laufenden Jahrzehnt zwischen 290 bis 300 Mill. t im Jahr schwanken.

In den nächsten fünf Jahren dürfte der Nahe Osten auch Einbußen beim Ölexport nach Europa erleiden. Der Rückgang der Ölgewinnung in der Nordsee wird durch vermehrte Ölausfuhren Russlands und der Länder um das Kaspische Meer mehr als kompensiert. 2007 sind aus Russland, Kasachstan und Aserbaidschan zusätzlich 100 Mill. t Rohöl zu erwarten. Purvin & Gertz schätzen, dass die Ölproduktion in dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion 2005 etwa 545 Mill. t erreicht und sich 2010 sogar 700 Mill. t jährlich nähern und danach immer noch weiter steigen könnte. Dagegen ist bis 2010 mit einem Rückgang der Ölgewinnung in der Nordsee um 17,5 Mill. t auf knapp 300 Mill. t im Jahr zu rechnen. Die amerikanische Beratungsfirma weist in ihrer Analyse allerdings darauf hin, dass die sinkende Abhängigkeit der USA und Europa von Ölzufuhren aus dem Nahen Osten nur mittelfristig gilt. Einen Teil der Verluste seiner Ölexporte in die USA und nach Europa wird der Nahe Osten durch vermehrte Lieferungen auf asiatische Märkte ausgleichen können. Aber dort werden ihm afrikanische Ölländer Konkurrenz machen. Aus den bisher noch saisonalen Exporten afrikanischen Rohöls in asiatische Länder wird in den nächsten Jahren voraussichtlich eine Dauereinrichtung werden. Purvin & Gertz kommen daher ebenso wie die Internationale Energie-Agentur (IEA) zu dem Schluss, dass die Ölförderung der OPEC in den nächsten fünf Jahren sinken wird. Angesichts steigender Ölproduktion außerhalb der OPEC wird dieser Organisation als so genanntem Swing-Producer zur Preisstabilisierung nichts übrig bleiben, als die Ölexporte einzuschränken. Von ihrer gegenwärtigen Höhe von rund 1.250 Mill. t im Jahr dürfte die Ölförderung der OPEC einschließlich des Irak auf 1.190 Mill. t zurückgehen, wobei die Ölproduktion im Nahen Osten von 975 auf 835 Mill. t sinkt. Einen Förderanstieg kann die OPEC erst nach 2007 erwarten.

Quelle: ERDÖL-/ENERGIE-INFORMATIONSDIENST Nr. 41 vom 07. Oktober 2002 Seite 005