
Über Preise:
Warum ist der Ölpreis volatil?
Seit den Anfängen der Vermarktung von Mineralöl vor 150 Jahren ist sein Preis mehr oder minder starken Schwankungen ausgesetzt. Sie sind durch Angebot und Nachfrage verursacht. Mehrheitlich sorgten Überangebote für Preisverfall. Verknappungen mit steigenden Preisen waren seltener der Fall.
Der Preis reagiert grundsätzlich stärker auf eine Veränderung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage als dies die ursächliche Mengenveränderung vorgibt. Er verhält sich wie ein Seismograph, der kleinste Bewegungen um die Grenzmengen sichtbar macht. Mit Einführung der Spotmärkte verstärkt darüber hinaus Börsenpsychologie die Wirkung.
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Der Spotmarkt
Der "berühmte" Spotmarkt entwickelte sich nach der Ölkrise 1973-74. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden ca. 5% des Handels als Restmenge im Spotmarkt verkauft. 95% der Ölproduktion wechselten auf Basis von langfristigen Verträgen die Besitzer. Solche Verträge sorgen sowohl beim Erzeuger als auch beim Abnehmer für betriebswirtschaftliche Planbarkeit.
Nachteilig ist allerdings die Unflexibilität des Systems in Zeiten wirtschaftlicher Veränderung. In solchen Perioden ist das Spothandelsystem vorteilhaft. Es erlaubt Tagesgeschäfte mit momentan gültigen Preisen. So wie die Wirtschaft sich zyklisch ändert, ändert sich auch die Nutzung des Spothandels. In den 90er Jahren wurden über 50% der Mengen im Spot gehandelt.
Zwischen 1983 und 1985 boomte der Spothandel mit Anteilen von 80 - 90% am Gesamtmarkt. Er wurde durch Überkapazitäten und Veränderungen des Marktgefüges zwischen den großen Mineralölgesellschaften und den OPEC-Ländern entfacht. Letztere warfen nach Verlusten von Marktanteilen ihre Mengen auf den Spotmarkt.
Spothandel findet hauptsächlich in Rotterdam und New York statt.
Der Futuresmarkt
In den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte sich ein Futuresmarkt als Kompromiss zwischen dem Handel mit langfristigen Verträgen und dem Spothandel. Futures auf Öl sind standardisierte Verträge, die über ein Jahr hinaus laufen können. Sie sind jederzeit handelbar, sodass die Flexibilität hinsichtlich der Abnahme von Öl erhalten bleibt.
Die Handelsform wurde 1974 an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) eingeführt. Ihren Durchbruch hatte sie nach 1978 als in den USA der Heizölpreis, der bis dahin staatlich festgelegt war, freigegeben wurde. Er ist seit dieser Zeit auch auf internationalem Parkett sehr volatil.
Futures werden an der NYMEX, an der ICE (Intercontinental Exchange) in London, an der SIMEX (International Monetary Exchange) in Singapur und an der TOCM (Tokyo Commodity Exchange) gehandelt. In Deutschland erfreut sich dieses Mittel der Risikoabsicherung keines großen Zuspruchs durch die Händler. Daher müssen die meisten Verbraucher mit der hohen Volatilität des Ölpreises leben.
Wer macht den Preis?
Der Preis wird entgegen der landläufigen Meinung nicht von den großen Mineralölgesellschaften bestimmt. Ihr Einfluss wird weit überschätzt. Die falsche Meinung hat allerdings eine wahre Geschichte. Es gab einmal eine Zeit, in der die sieben großen Gesellschaften 70% des Weltmarktes unter sich aufteilten. Und selbst das war noch nicht das Schlimmste.
Bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Gesellschaft, die so bestimmend im Ölgeschäft war, wie Microsoft im Geschäft mit PC-Software. Es war Rockefellers Standard Oil of America. Nach einem spektakulären Kartellverfahren wurde der Konzern zerschlagen. Es entstanden EXXON, CHEVRON u.v.a. bekannte Gesellschaften daraus.
Heute haben die größten sog. Multis (EXXON, BP, SHELL) jeweils nicht mehr als 3% Förderanteil am Rohöl. Die OPEC-Länder decken ca. 40% des weltweiten Ölbedarfs. Vor den Fusionen zwischen Shell/DEA und BP/ARAL kam in Deutschland kein Konzern über 20% Marktanteil im Handel mit Mineralölprodukten. Das sieht nach dem Zusammenschluss anders aus. Inzwischen bestimmen die beiden dominierenden Gesellschaften 50% des Markts.
Und wer macht nun den Preis? Angebot, Nachfrage und Psychologie heißt die Antwort. Der Preis wird mit den oben genannten Instrumenten frei ausgehandelt. Der Seismograph-Effekt kann dabei von den unterschiedlichsten Ursachen ausgehen, vielleicht sogar von dem berühmten Schmetterlingsschlag der Chaostheorie. Und er kann von unterschiedlichster Seite gebildet und verstärkt werden, u.a. von Ihrem Verbraucherverhalten.
Wie baut sich der Preis auf?
Im Folgenden sind die preisbestimmenden Faktoren und ihre Einflüsse für eine Menge von 3.000 Ltr. und eine Menge von 15.000 Ltr. aufgelistet:
| 3.000 Ltr. ohne MwSt. |
3.000 Ltr. mit MwSt. |
15.000 Ltr. ohne MwSt. |
15.000 Ltr. mit MwSt. |
|
|---|---|---|---|---|
| Dollarparität und Rohölpreis: | ca. 53% | ca. 46% | ca. 56% | ca. 49% |
| Raffineriekosten: | ca. 14% | ca. 12% | ca. 16% | ca. 13% |
| Lager- und Frachtkosten: | ca. 6% | ca. 5% | ca. 3% | ca. 3% |
| Verkauf, Verwaltung, Marge: | ca. 7% | ca. 6% | ca. 4% | ca. 3% |
| Steuern und Abgaben: | ca. 20% | ca. 31% | ca. 21% | ca. 32% |
Die Angaben sind als Referenzwerte zu verstehen. Sie können sich durch globale und regionale Markteinflüsse, zu denen Politik, Wetter, Lagerbestände, Verbraucherverhalten u.a. gehören zum Teil deutlich verschieben.
Welche Einflüsse sollten Sie berücksichtigen?
Dollarparität und Rohölpreis beeinflussen den Endpreis zu knapp der Hälfte. D.h., wenn sich der Rohölpreis verdoppelt und keine weiteren lokalen Effekte auftreten, wird der Endpreis um 40 - 50% steigen. Damit ist bereits der größte Einfluss identifiziert.
Wenn sich auf Grund regionaler Knappheit ein nicht zu deckender Bedarf ergibt, werden Raffineriepreise und Margen steigen. Ihr Effekt kann den Endpreis durchaus um 15 - 20% in die Höhe treiben. Dies ist der zweite wesentliche Einfluss, den Sie berücksichtigen sollten. Zumal dieser Einfluss in Ihrem Machtbereich liegt.
Der Einfluss der Frachtkosten ist bereits erheblich unbedeutender. Durch eine Verfünffachung der Liefermenge erreichen Sie eine Reduzierung um ca. 10% des Endpreises. Wir möchten Ihnen nicht raten, diese Ersparnis ungenutzt zu lassen. Allerdings sollten Sie die momentane Marktlage in Ihrer Kaufentscheidung deutlich übergewichten. D.h., Sie sollten bei guter Marktlage kaufen, auch wenn Sie keinen Partner in Ihrer Nachbarschaft finden, der bei einer Sammelbestellung mitmachen möchte. Transportkosten können Sie übrigen auch sparen, wenn Sie Ihrem Händler freie Hand bei der Festlegung des Liefertermins lassen. Er wird in dem Fall die zu liefernden Mengen so abstimmen, dass sich ein Sammelbestellungseffekt einstellt.
Der Einfluss, der in der Reduktion von Handelsmargen steckt, ist noch geringer. Durch harte Verhandlung mit Ihrem Händler können Sie ihm eventuell die Marge abjagen. Das wird Ihnen aber maximal einen Preisnachlass von 3-4% bringen. Demgegenüber schlägt der erwähnte Markteffekt, im richtigen Moment zu kaufen, erheblich stärker zu Buche.
Schließlich gibt es noch den Einfluss aus der Steuer. Er ist zwar bedeutend, aber doch irrelevant, denn Sie können ihn nicht beeinflussen. Zumindest schaffen Sie es nicht kurz und mittelfristig. Langfristig erreichen Sie vielleicht etwas über politische Einflussnahme.

