Internationaler Markt

Die Rohölpreise werden wieder über die 100-Dollar-Marke steigen. Das ist eine weit verbreitete Meinung unter Analysten. Sie begründen diese mit einem Strauß von Argumenten. Ganz vorn steht dabei die neue Macht der OPEC+. Die Allianz demonstriert weiterhin Geschlossenheit bei der Verknappung des Ölangebots, insbesondere mit dem irrlichternden Partner Russland. In dem Interessenskreis findet Präsident Putins Politik sicher die eine oder andere klammheimliche Sympathie, die der Zusammenarbeit mindestens nicht abträglich ist.

Einen Preisschub erwartet man auch, wenn China endlich seine Corona-Politik ändert. Hoffnungen dafür sind an den 16. Oktober geknüpft. Dann nehmen die Delegierten der Kommunistischen Partei anlässlich ihres Fünf-Jahres-Treffens die Worte ihres Führers Xi Jinping entgegen. Das Ereignis wäre ein geeigneter Anlass für die Beendigung der so glorreichen wie wirtschaftsfeindlichen Null-Covid-Strategie. Der Moment kommt der unvermeidlichen Corona-Winterwelle gerade noch zuvor. Würde er nicht zur Umkehr genutzt, sähe man einer weiteren Lockdown-Periode entgegen.

Immer wieder geäußerte Sorgen vor einer großen Rezession, die sich bisher als probate Ölpreisbremse zeigten, werden durch aktuelle Zahlen zumindest in den USA zerstreut. Dort deutet die fortgesetzte Vollbeschäftigung darauf hin, dass die harten Zinserhöhungen der Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation nicht zum Einbruch der Wirtschaft führen und die Ölnachfrage somit nicht nachlässt.

Der russische Krieg in der Ukraine bewirkt sogar eine Steigerung der Nachfrage, in diesem Fall nach Gasöl, dem Vorprodukt für Diesel und Heizöl. Dabei werden nicht die ölfressenden Panzer und Militärfahrzeuge adressiert, sondern Schiffe und andere zivile Transportmittel. Waren von und nach Russland müssen infolge von Sanktionen erheblich längere Wege zu ihren Empfängern zurücklegen als früher. Dadurch wächst der Kraftstoffbedarf. Noch stärker als dieser Umstand fordern die blockierten russischen Gaslieferungen ihren Tribut beim Öl. Große industrielle Verbraucher in Europa substituieren Gas zu diversen Produktionszwecken durch Heizöl. Insgesamt bewirkt der so erzeugte Engpass beim Gasöl derzeit mehr Preisauftrieb im Ölmarkt als die künstliche Verknappung von Rohöl.

Zu allem Überfluss werden die Boykottmaßnahmen der EU die Ölverknappung im Laufe des Winters noch steigern. Ab dem 5. Dezember darf kein russisches Rohöl mehr per Schiff in Europa laden und ab Februar 2023 gilt das gleiche Verbot für russisches Gasöl. Eine Ausnahme gilt für solches Öl, das einem Preisdeckel unterliegt, dessen Wert die EU und die USA festlegen. Es ist schwer zu glauben, dass derlei Geschäfte tatsächlich positiv für Verbraucher verlaufen. Wahrscheinlicher ist es, dass das betreffende Öl vom Markt verschwindet und somit eine weitere Preiserhöhungswelle in Gang gesetzt wird.    

Die einzig verbleibende Hoffnung, steigende Ölpreise nicht erleben zu müssen, fußt auf der Sorge vor einer globalen Rezession als Folge von Zinserhöhungen, die viele Zentralbanken der Welt zur Inflationsbekämpfung weiterhin einsetzen werden. Alle bisher erfolgten Erhöhungen reichten bei Weitem nicht aus, um die durch Lieferengpässe und Verknappung inflationierten Preise wieder einzufangen. Dahinter steckt die Idee, die Wirtschaft soweit zurückzufahren, bis die Nachfrage wieder im Gleichgewicht mit den Angeboten steht. Das ist übrigens auch ein Rezept zur Klimarettung. Während die inflationsbekämpfenden Zentralbanken eine Politik auf Zeit verfolgen, ist Klimarettung nach heutigem Kenntnisstand aber nur mit einer derartigen Politik in nachhaltiger, also dauerhafter Form erreichbar.

Nachdem die Notierungen an den Ölbörsen auch letzten Freitag wieder stiegen, geben sie heute Morgen ein wenig nach. Die Angelegenheit sieht allerdings mehr nach einer kurzen Gegenbewegung zur Konsolidierung eines starken Preisanstiegs als nach einer generellen Preisumkehr aus.  

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 91,99 Dollar und das Barrel Brent zu 97,17 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.250,00 Dollar . Der US-Dollar kostet 1,0306 Euro . Damit kostet der Euro 0,9702 Dollar . Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortages an.  

Nationaler Markt

Die Heizölpreise steigen immer höher, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Preisschwingungen der jüngeren Vergangenheit bestätigen allesamt die dargestellten Trendkanäle. Sie weisen in allen Zeitbereichen aufwärts. Daran wird sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Neben den internationalen Vorgaben kommen eindeutig bullische Einflüsse aus dem Inland hinzu. Hier hat die Corona-Pandemie tiefe Spuren hinterlassen, die sich in ungenügendem Personal, vorwiegend auf den Tankwagen, durch Krankheit oder Totalausfall manifestieren. Auf diesen Mangel trifft nun immer stärker der Ölbedarf vieler Industrieunternehmen, die fehlendes Gas ersetzen müssen. Mancherorts werden Heizölhändler durch solche Kunden vollständig absorbiert. Sie stehen privaten Endverbrauchern somit nicht mehr zur Verfügung.

Das Bestellaufkommen im Hausbrandgeschäft hat angesichts der Preisbewegung spürbar abgenommen. Gleiches gilt für die Hoffnung auf günstigere Preise. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem veritablen Minderheitswert für die Erwartung für fallende Heizölpreise.

Unser Satz an alle Unentschlossenen lautet: Versuchen Sie zu kaufen, um mit Ihrer Bestellung nicht in eine noch tiefere Versorgungskrise zu geraten. 

Klarstellung: Seit einiger Zeit nehmen wir Missverständnisse der öffentlichen Meinung über die Zukunft der Ölheizung wahr. Deshalb möchten wir darauf hinweisen, dass das Heizen mit Öl durch den Gesetzgeber nicht verboten ist, weder jetzt noch in Zukunft und auch nicht ab 2026. Ab dem Jahr müssen neue Ölheizungen lediglich mit einem regenerativen Anteil ausgestattet sein, beispielsweise mit Solarkollektoren für die Erwärmung von Brauchwasser. Weitere Informationen.

Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.